Zitat:
Zitat von Kernbeisser
als untalentierter Kreisligaspieler merke ich eigentlich bei allen Spielen durchweg, dass ich komplett ohne Kopf spiele.
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Meinst du damit "nur", dass du dein Spiel nicht analysieren kannst? Oder bist du während des Spiels nicht anwesend, unkonzentriert, abgelenkt? Denn das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Ich bin während des Spiels hoch konzentriert auf das Spiel (genauer: auf die Ballwechsel) und lasse mich kaum durch irgendwas ablenken. Das geht soweit, dass ich regelmäßig den aktuellen Spielstand vergesse. Aber ich kann mich während des Spiels kaum selbst analysieren; hinterher aber weiß ich meist sehr gut, woran's gelegen hat.
Deshalb wär's wichtig zu wissen, wo genau dein Problem liegt.
Zitat:
Zitat von Kernbeisser
Selbst wenn ich mich darauf fokusiere - klappt fast nie  - merke ich, dass ich von Spielanalyse nicht wirklich qualifizierte Antworten finde. Das merke ich auch immer wieder wenn ich andere Spiele zähle und man in der Pause Tipps erwartet.
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Meiner Erfahrung nach gibt's in der Fähigkeit, Spiele und Spielweisen zu analysieren, erhebliche Unterschiede. Und diese Unterschiede korrelieren kaum mit der Spielstärke. Soll heißen: Von unseren besten Spielern bekomme ich kaum gute Analysen. Ich vermute, das hängt mit der jeweiligen Spielerhistorie zusammen. Wer immer ein Spielsystem spielte und sich stets im Rahmen dieses Spielsystems bewegt hat, dem fehlt oft die Erfahrung im Umgang mit anderen Spielweisen. Dann ist es auch oft schwer, ein Spiel zu analysieren, wenn es von dem abweicht, was man selbst kennt. Bei uns im Verein brauche ich drei unserer besten Spieler etwa nicht um eine Spielanalyse zu bitten, weil ich gelernt habe, das hilft mir nichts. Es gibt aber drei andere, die mir helfen können: Der eine ist einfach extrem erfahren, der zweite bastelt und grübelt selber viel über das Spiel und probiert aus und der dritte ist noch sehr jung, hat aber eine Trainerausbildung.
So, nach diesen Vorbemerkungen, ein paar konkrete Anregungen. Zur Frage des Fokussierens bin ich wohl nicht der kompetenteste Ansprechpartner. Weil mir das eben selbst leicht fällt und ich nicht viel dafür tun muss. In meiner Jugendzeit (ewig her) hat mir viel geholfen, den Kopfhörer aufzusetzen und ein Musikalbum komplett bewusst durchzuhören. Also 45 Minuten lang wirklich nur Musik hören, nicht lesen, nicht am Handy rumspielen; geht am besten mit Musik, die auch zum Zuhören gemacht ist. Bei mir war das damals Pink Floyd oder Jean-Michel Jarre; heute würde ich wohl eher Klassik hören.
Um zu lernen, Spiele zu analysieren, hat mir vor allem geholfen, viele TT-Videos anzuschauen. Und zwar keine Highlight-Videos, sondern ganze Spiele. Dabei dann nicht besonders auf die Technik der Spieler achten oder auf die spektakulären Bälle, sondern auf die Taktik. Besonders hilfreich sind Spiele, die plötzlich kippen. Irgendwann heuer gab's ein Spiel von Boll, wo er zunächst in Rückstand war, und dann plötzlich viel variabler gespielt hat und so das Spiel drehen konnte. (Vielleicht finde ich das Match noch auf YT.) Umgekehrt war Boll gegen Aruna bei Olympia 2016 ebenfalls lehrreich: Boll war dort zunehmend passiv und hatte dann folgerichtig keine Chance mehr.
Und noch ein Tipp, an dem ich selbst derzeit arbeite: Versuche in deinen Matches zunächst immer nur auf eine Spielsituation zu achten. Du hast vielleicht schon eine Idee, wo du nicht ideal spielst. Etwa beim Aufschlag: Machst du die häufig gleich? Wie kommen die Bälle zurück? Wenn du eine konkrete Situation hast, auf die du achten musst, sollte es leichter klappen, die zu analysieren und daraus gute Rückschlüsse zu ziehen. Und mit der Erfahrung klappt dann auch der Rest besser.