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Alt 05.08.2004, 11:56
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martinspin martinspin ist offline
let it flow...
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AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist

Hi Nick

Schön, dass der Flow-Threat wieder etwas Leben eingeflösst wird. Ist ein Thema, dass für viele nicht einen hohen Stellenwert hat. (Was noch nicht ist, kann ja noch werden.) Dein Threat liest sich sehr positiv und ich wünsche, dass es bei dir so weiter geht. Damit die Diskussion weitergeht, wieder einmal etwas Input zum Thema.

Ich zähle hier mal kurz noch die Punkte auf, die zum Thema Flow gehören
  1. Balance zwischen Herausforderung und Können
  2. Verschmelzung von Körper und Geist
  3. Klare Zielsetzung
  4. Eindeutiges Feedback
  5. Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe
  6. Kontrolle
  7. Befangenheit ablegen
  8. Subjektive Wahrnehmung der Zeit
  9. Autotelisches Erlebnis

Gestern hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen einen Verein, bei dem fast jeder mit Material spielt. Ich trainiere nie gegen Material und kenne meine Schwierigkeiten im Match, mich darauf einzustellen. Nach meinem Kurzcrash wegen meinem neuen Material habe ich mich wieder aufgefangen, munter drauflosgespielt und verloren, was weiter nicht schlimm ist, da mir wie schon gesagt, die Erfahrung gegen Material fehlt. Das schönste an der Sache war jedoch, der Flow, den ich erleben konnte. Es war wieder einmal ein geniales Gefühl. Nicht's hat mich aus dem Gleichgewicht geworfen. Ich hoffe, das hält in Zukunft an!!!

Da ich mich mit dem Thema Flow beschäftige und das Buch "Flow im Sport" nun mein eigen nenne, komme ich ganz gut voran mit dem Thema.

ad Balance zwischen Herausforderung und Können

In der letzten Saison habe ich den VH-Topspin im Match kultiviert und viele Punkte damit gemacht. Leider merken das meine Gegner und spielen mir dann mehr in die RH. Nun bin ich daran, den RH-TS im Match vermehrt einzusetzen. Ich habe auch kurz mit dem RH- und VH-Flip geliebäugelt, so im Stile alles dosiert angreifen, was geht. Merke aber, dass das zuviel des Guten ist. Ein Sache (Konzentration auf den RH-TS) genügt vollkommen. Kurze Bälle schupfe ich im Moment kurz zurück oder spiele steile Winkel. So kann ich mich dann gut auf den RH-Topspin konzentrieren.

ad Verschmelzung von Körper und Geist

Misslungen TS's trauere ich im Moment überhaupt nicht nach und erfreue mich mehr an den Schlägen, die gelingen, auch wenn ich das Match nicht gewinne.

ad Ziele

Wie schon angedeutet, habe ich das Ziel, meine RH-TS im Match zu etablieren. Diese Leitplanke hilft mir, mich im Match besser zu konzentrieren.

Soviel zur Flow-Theorie

Nun zu meinen subjektiven Erfahrungen. Gestern war ich echt locker drauf. Habe nicht zu viel mit meinen Gegnern gequatsch, aber auch nicht zu wenig. Ich habe mich anständig, nett und kollegial verhalten und wie du schon beschrieben hast, waren meine Gegner im Match nicht meine Gegner, sonder eher meine Kollegen. Warum ich das schreibe? Der Verein mit den vielen Materialspielern hat in unserer Region nicht den besten Ruf. Das sind alles sehr eigene Typen und manchmal sieht's so aus, dass sie auch ein paar Psychotricks einsetzten, wenn's eng wird. Es gibt viele, die nicht gerne gegen die Leute spielen, was ja eigentlich klar ist, wer verliert schon gerne gegen das unattraktive Materialspiel. Ich bin mir sicher, dass die Zwischenmenschliche Komponente auch ein Faktor für Flow ist. Dieser Faktor fehlt jedoch noch in der Flowtheorie. Wir kommen halt alle aus einer Leistungsgesellschaft, die zwischen Winnern und Loosern unterscheidet. Nur am Rande bemerkt, machen wir solche Bilder selbst. Nun weiter im Text...

Ich habe gestern locker gespielt, mich gut auf den Ball konzentriert, mich gut bewegt und einige gut Bälle gespielt. Vor dem Match habe ich mir ganz klar gesagt, es kann nicht das Ziel sein zu gewinnen. Das halte ich im Sport sogar für den Schlüssel zum Flow: Wirklich bereit sein, verlieren zu können. Erst wenn die Niederlage zu 100% akzeptiert werden kann, kann der Sieg zu 100% genossen werden.

Mit Abstand betrachtet: Was ist so schlimm an einer Niederlage, wann man sein bestes gegeben hat? Mal gewinnt man - mal verliert man! Das ist eigentlich schon alles.

Flow ist jenseits von Gewinn oder Niederlage. Subjektiv habe ich gestern gewonnen und zwar viel Spass, Erkenntnis und Freude am Sport. Was gibt es mehr.

Ich glaube, die Flowtheorie müsste dringend mal erweitert werden durch klare Ansagen zum Thema Zwischenmenschlichkeit und Wertfreiheit.

Ich werde auf jeden Fall die restlichen sieben Punkte des Flows im Forum auch noch thematisieren und abschliessend vielleicht eine umfassendere Theorie entwickeln können.

Daher sind deine Gedanken zum Thema wirklich wichtig, weil sie ehrlich sind und du auf dem richtigen Weg bist.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zuviel Gesülze!

Gruss
Martin
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