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Zitat von crycorner
Wir haben beispielsweise 7 Kindergärten in unserer Gemeinde und mussten dennoch für ein Jahr in eine Nachbargemeinde wechseln, weil man uns keinen Platz geben konnte, der zum Elternzeitende meiner Frau gepasst hat.
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Hm, das kann ich schon nachvollziehen (auch wenn du da natürlich den direkten Erfahrungsvorsprung hast). Ein Grund dafür, dass es so wenig Kigas und Plätze gibt, ist aber der akkute Mangel an ErzieherInnen.
Je mehr Eltern in das Handwerk der Kigas pfuschen, desto unattraktiver wird der Beruf. Man zahlt viel für Ausbildungen und Fortbildungen und verdient trotzdem schlecht. Später wollen dann die Heli-Eltern, dass im Kiga alles so läuft, wie bei ihnen daheim. Es ist aber nicht Aufgabe des Kigas, alles im Sinne der Eltern zu machen, sondern eine hohe Zahl an Kindern mit relativ wenig Erzieherinnen sinnvoll individuell zu fördern. Dabei sollten die Kinder auch lernen, dass gleiche Regeln für alle gelten (neben Standarddingen wie Autonomie, Hygiene und eben eine Tagesstruktur mit gesunden Mahlzeiten). Meistens gibt es dazu ein transparentes Konzept oder zumindest Hausregeln, in den meisten Fällen dürfen Eltern vorher hospitieren und werden mit den Regeln vertraut gemacht.
Und eines hat meine Mutter in schöner Regelmäßigkeit erwähnt:
Das Problem ist weniger, die Kinder dazu zu bringen, sich an Regeln zu halten.
Das Problem ist vielmehr, die Eltern an Regeln zu gewöhnen.
Fängt an beim Abschied, wo sich so mancher Elternteil am Kind festklammert, das eigentlich schon längst in die Gruppe zu seinen Freunden will, geht über Eltern, die ihre Kinder mit Zucker und süßen Getränken verwöhnen bis hin zu denen, die dem Kind ein Handy in die Tasche stecken, damit es anrufen kann, wenn was ist
Da muss man sich nicht wundern, wenn sich das kaum jemand antut. Dazu gehört z.B. in der Leitung Aufstehen lang vor den Eltern, da die Gruppenräume noch hergerichtet werden müssen, Überstunden wegen Eltern, die es früher nicht aus der Arbeit schaffen, Bürokratie und Buchführung, z.T. Putzen, Erstellen von Förderprogrammen, Inklusion, Kontakt zum Träger, zu Grundschulen und anderen Einrichtungen vor Ort, Hausbesuche...
Der direkte Kontakt zum Kind ist nicht zu unterschätzen, aber nur die Spitze des Eisbergs. Und viele Eltern sehen nur das.
Und nein, Eltern sind häufig nicht die direkten Experten in der Kindeserziehung, sondern im Gegenteil oft ziemlich unwissend, in festgefahrenen Strukturen gefangen und emotional vorbelastet, da viele einen Liebesentzug vonseiten des Kindes befürchten.