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Alt 11.04.2019, 00:16
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Mambo Nr.5 Mambo Nr.5 ist offline
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AW: Weltmeisterschaften 2019 (21.04. - 28.04.2019, Budapest, HUN)

Meine Meinung:

Roßkopf hätte mehrere Möglichkeiten gehabt:

1) Er nominiert die Spieler, auf die er in Zukunft bzw. perspektivisch setzen möchte. Das wären wohl Duda und Qiu gewesen. Man weiß natürlich nicht, wie die WM-Form dieser Spieler aussähe und ob sie dem Druck gewachsen wären, sie würden aber zumindest für künftige Turniere wichtige Erfahrungen sammeln.

Angesichts der ziemlich sicheren Prognose, dass für alle Kandidaten spätestens im Achtelfinale Schluss sein wird, aus meiner Sicht eine durchaus akzeptable Option.

2) Er lässt die Spieler im direkten Vergleich austragen, wer nominiert wird. Dadurch hat Abwehrspieler Filus - zumindest tendenziell - eher Nachteile. Auch Ergebnisse der nahen Vergangenheit spielen keine Rolle mehr, die aktuelle Form ebenfalls nur eingeschränkt, da sich unter Trainingspartnern die Ergebnisse im direkten Vergleich unabhängig von der tatsächlichen Stärke recht häufig in eine Richtung verschieben (können). Der einzig relevante Punkt, der durch dieses Nominierungskriterium zur Geltung kommt, ist die Fähigkeit, mit dem Druck umzugehen. Aus meiner Sicht daher keine gute Wahl.

3) Man versucht durch ein Punktesystem ein Ranking zu erstellen, was die für eine Nominierung sinnvollerweise relevanten Kriterien einigermaßen adäquat abbildet. Dazu muss die Art, wie das Punktesystem aufgebaut ist, allerdings auch geeignet sein, diese Kriterien auch valide zu messen.

Diese Option wurde offenbar gewählt, durch die Art der Punktevergabe aber völlig ad absurdum geführt. Punkte gab es für eine Finalteilnahme bei den DM (vielleicht noch okay), Siege gegen Top-Ten-Spieler (wenn ich Roßkopf hier richtig verstehe; für alle Kandidaten in 95% der Fälle vollkommen unrealistisch) und offenbar das Erreichen des Achtelfinals bei World-Tour-Turnieren (Duda schied gegen Xu Xin in der Runde der letzten 32 aus). Das letzte Kriterium mag für sich genommen in Ordnung sein. Da es aber im relevanten Zeitraum nur zwei Turniere gab, die in die Wertung kamen, war auch die Wahrscheinlichkeit zu punkten eher gering.

So kam es dann dazu, dass keiner der Kandidaten auch nur ein einziges Pünktchen in den anderen Bereichen sammeln konnte und letztlich nur noch das interne Turnier zählt. Ist ungefähr so, als hätte bei Schlag den Raab immer nur Spiel 15 gezählt, weil die Kontrahenten zuvor beide weder Thors Hammer hochheben, noch Usain Bolt über 100m schlagen oder einen Schachcomputer besiegen konnten.

Der Unterschied zu den Chinesen ist doch relativ klar: Dort kann der Anspruch für alle Teilnehmer nur sein, mindestens ins Halbfinale zu kommen, eher sogar Gold zu gewinnen. Dass die Spieler gegen Nicht-Chinesen verlieren, ist sowieso quasi tabu, sodass die internen Wettkämpfe eben das entscheidende Kriterium darstellen.
Bei den Deutschen geht es darum, möglichst die ersten Runden zu überstehen. Das Achtelfinale wäre für Steger, Filus und Co. schon ein großer Erfolg. Daher hätte man meinetwegen für alle Siege gegen Top 50/40/30/20/10-Spieler gestaffelt Punkte vergeben sollen. Aber nicht nur bei zwei lächerlichen Turnieren, sondern bei allen Pflichtspielen innerhalb eines gewissen Zeitraums. Von mir aus hätten dann auch noch interne Spiele austragen und bewertet werden können und wenn es dann eng gewesen wäre, hätte man noch die Perspektive (siehe Option 1) beachten können.

Ansonsten verzichtet man halt einfach auf so ein Punktesystem und entscheidet nach seiner Expertise, dafür ist man ja auch Bundestrainer und hoffentlich kompetent genug.
Wenn man aber schon ein Punktesystem entscheiden lassen will, dann sollte dieses doch wenigstens durchdacht, differenziert und transparent sein und nicht so wie jetzt. Das ist doch albern.
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