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Alt 08.05.2019, 05:13
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

Zitat:
Zitat von mithardemb Beitrag anzeigen
Bist du wirklich selbständig? Nach dieser Äußerung kommen mir da erhebliche Zweifel.

Ein Angestelltenverhältnis ist in Deutschland sehr attraktiv. Sowohl vom Einkommen, von den Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und vor allem vom Punkto Sicherheit aus gesehen. Der typische Unternehmer ist eben nicht der gut situierte Mittelständler, sondern der Kleinunternehmer dem ein Großteil des sozialen Sicherheitsnetzes versagt wird.

Es war erst vor kurzem mal wieder die Diskussion, dass sehr viele Selbständige im Alter dem Sozialstaat zur Last fallen werden. So unglaublich attraktiv ist das eben nicht.

Die Quote der Selbständigen wird steigen wenn die Konjunktur schlechter wird. Das könnte bald passieren.



Beamtentum ist eine recht elegante Möglichkeit die Kosten (also im wesentlichen der Sozialbeiträge) auf die Zukunft zu verschieben. Das ist weniger hörig als ungehörig.



Also wir haben hier in diesem Land eine sehr starke Mitbestimmung der Arbeitnehmer bei einem Unternehmen. Das Gegenteil von dem was du da als Zerrbild zeichnest ist "typisch deutsch". Lange Zeit gab es leider vom Staat keinen Schutz gegen das ausnutzen dieser Ausnutzung, sondern derjenige der das Arbeitsverhältnis gekündigt hatte, wurde noch durch Abzüge bei der Arbeitslosenversicherung bestraft.



Ach so. Also doch nicht "typisch deutsch". Du argumentierst hier sehr stringent.
Wo ist denn ein Angestelltenverhältnis attraktiv?

Die Einkommenschancen sind doch für 95-98% aller Angestellten eher bescheiden. ,

Die "Sicherheit" ist doch, außer bei Beamten, heute auch mehr als trügerisch.

Was verdient denn die Masse der Angestellten? Wahrscheinlich irgendwas zwischen 2000-5.000 Brutto im Monat. Viele Menschen haben ganz sicher das Potenzial für erheblich mehr. Da muss man dann aber auch deutlich mehr für tun. Spätestens wenn Angestellte dazu kommen trägt man auch Verantwortung.

Zur Rente:

Die meisten Rentner werden in 25 Jahren eine Rente bekommen von der sie kaum leben können. Dasselbe Geld, nur privat vorgesorgt, wirft erheblich höhere Renditen ab.

Und zum Schluss mal ein Beispiel aus dem Freundeskreis:

Vorher Angestellter Handwerker, jetzt seit drei Jahren selbstständig. Schon Ende des ersten Jahres hatte er mehr verdient bei deutlich weniger Arbeitsaufwand als vorher. Jetzt, mit mehr Aufträgen, ist es das 3-4 fache bei etwa gleichem Auwand wie früher. Klar ist es "anders ". Früher hat er sich morgens die Aufträge abgeholt und ist einfach die Kunden abgefahren. Heute muss er sich selbst um Aufträge bemühen.

Und klar sind Bürokratie und Abgaben und Steuern in Deutschland für Unternehmer nicht gerade attraktiv, besonders wenn sie am Anfang stehen. Aufschlag auf den normalen Steuersatz durch die Gewerbesteuer, IHK, BG, doppelte Beiträge zu KV und RV. Dazu bei KV am Anfang Mindestbeiträge. Dazu Steuer-/Rechtsberatung.

Da muss sich ein Angestellter nicht darum kümmern.

Aber sein wir doch mal ehrlich:

Ein gut gehender Handwerksbetrieb wirft zwischen 100-300k ab. Ähnlich private Edekas oder Rewes.

Und wenn jemand nicht gerade Anwalt in einer Topkanzlei ist, Investmentbanker oder Vorstand/GF, dann wird er kaum in diese Bereiche kommen können.

Nimmt man diese Gruppen plus Chefärzte und Topverkäufer raus, dann bleiben fast ausschließlich nur noch Selbstständigkeit und Freiberufertum, um ein weit überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen.

Und da ist die deutsche Mentalität halt sehr risikoscheu.

Was ist das für ein "Ziel" nach einem Studium 40k zu verdienen, sich über Jahre abzurackern, fortzubilden, nur um dann nach 20 Jahren mal 60 oder 70k zu verdienen weil man dann bis zum Gruppenleiter und danach zum AL aufgestiegen ist?

Das ist doch ungefähr so, wenn ein TT Profi 8 Stunden trainiert, sich von zweite Liga oben auf erste Liga Mittelmaß hochgearbeitet und die "Rendite" vielleicht minimal ist?

Ich überlasse das jedem selbst, aber woher kommt den die Unzufriedenheit vieler Angestellter, die mit typisch deutscher Miesepetervisage an ihrem Schreibtisch sitzen?

Wer in seinem Job aufgeht und befriedigt ist, super. Da will ich niemandem reinreden.

Bei ganz ganz vielen sieht die Realität aber eher so aus, dass da schon eine Art Bore Out einsetzt, weil sie einfach über Jahrzehnte in ihrem Trott sind.

Wie viele zählen Montags schon die Zeit bis zum Freitag. Woher kommen die Forderungen nach immer weniger Arbeit und Freizeitausgleich?

40 Stunden sind doch für viele schon zuviel.

Geändert von Noppenzar (08.05.2019 um 05:26 Uhr)