|
AW: Alkoholfreies Weißbier in Schüler Kreisliga
War mir nicht so sicher, wie ich zu dem Thema stehe, weil es mMn zwei verschiedene Ebenen gibt.
1. Die rein sachliche Ebene: Alkoholfreies Bier ist selbst dann, wenn 0,5 Vol-% enthalten sind, komplett unbedenklich. Da gibt es Studien dazu, die belegen, dass man wirklich mehrere Liter sturzsaufen muss, damit man einen leichten Anstieg des Alkoholpegels messen kann. Da ist die tägliche Ernährung alkoholmäßig nicht weniger problematisch. Wenn ein Kind den ganzen Tag Apfel- oder Traubensaft trinkt, Mischbrot, Banane usw. isst, kann es stattdessen auch problemlos 1-2 alkoholfreie Biere trinken, zumal das ja alles nachgewiesener Maßen keinen Effekt hat. Selbst trockene Alkoholiker könnten alkoholfreies Bier trinken, wenn man nur auf den Alkoholgehalt schaut. Bei Alkoholikern und - Bogen zurück - bei Kindern ist das aber anders gelagert:
2. Die gesellschaftliche Ebene: Das Zeug sieht aus wie Bier, schmeckt (mehr oder weniger) wie Bier und erfüllt soziale Routinen, die man bei den Alkoholtrinkern verortet. Die Kinder kämen nie auf die Idee, sich großartig zu fühlen, wenn sie mit Sinalco anstoßen. Wenn aber jedes Kind eine Bierflasche in der Hand hat, so wie Papa, dann ist das was komplett Anderes. Gefühlt. So ist das ja auch beim Alkoholiker: Nicht das Gift ist das Problem, sondern die Darreichungsform (Anblick, Geruch, Geschmack) und die Nähe an der Trinker-Routine. Wenn man also als Trainer eine Kiste Becks Alkoholfrei in die Halle stellt, macht man die Kinder ganz doll glücklich. Die fühlen sich groß. Und weil dem so ist, macht man gleichzeitig die besorgten Eltern unglücklich. Die fürchten nämlich, dass die Kinder dieses Gefühl an anderer Stelle wiederholen wollen und dann eben nicht zwingend mit der alkoholfreien Variante. Und so falsch ist das vielleicht auch gar nicht. An dem Punkt neige ich dann dazu, die ganzen rationalen Argumente über Bord zu werfen. Sicherlich ist alkoholfreies Bier keine Einstiegsdroge. Und es ist sicher auch viel gesünder, als Sinalco. ABER: Es fühlt sich merkwürdig an. Ist irgendwie unpassend. Es entsteht ein ganz anderer sozialer Rahmen. Und so doof und rationell unbegründet man das findet, muss man mMn akzeptieren, dass genau diese Gedanken bei Anderen (Eltern) ausgelöst werden (im Übrigen auch bei den Gegnern und deren Eltern, die man im Vorfeld ganz sicher nicht gefragt hat, ob die damit ein Problem haben).
Oder hier: Rückhandmonster. Wäre er ein Papa, der dort in der Halle steht, er würde an die Decke gehen. Selbst dann, wenn sein Kind zu den Gegnern gehört. Grund genug, das sein zu lassen. Unabhängig davon, wie lange man mit ihm über das Thema diskutieren könnte, so rein auf sachlicher Ebene.
__________________
SL Tiger 1.8 / Andro TemperTech ALL+ / Armstrong Hikari SR7 55° 2.1
"If you open your mind too much, your brain will fall out" (Tim Minchin)
|