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Alt 04.06.2019, 14:18
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: DER Thread für politisch Interessierte

@Chris:

Wie soll denn bitte praktisch ein ÖPNV jemals so schnell sein wie Individualverkehr?

Erstmal müssen die Menschen zu den Haltestellen kommen. Hast du weniger, dann laufen sie dorthin länger. Hast du mehr, dann wird öfter angehalten.

In Großstädten sind die Verbindungen doch auch schon gut, auch in mittleren Städten die Hauptlinien.

Schnellbusse für Berufspendler, die in jeder Stadt nur einmal halten, gibt es bei uns im Kreis auch.

Aber welchen ökologischen Sinn ergibt es, wenn ab 22 Uhr nur noch 2 Leute im Bus sitzen oder danach gar kein Mensch mehr?

Deine Rechnung stimmt ja. Bei uns sind die Zahlen ähnlich.

Wenn ich früher um 18 Uhr als Jugendlicher beim Training sein wollte, musste ich den Bus um 17.30 erwischen, sprich 17.20 aus dem Haus. Mit dem Auto fahre ich erst um 17.45 los. Der Schulbus fuhr um 7.15, mit dem Moped bin ich 7.40 losgefahren.

Dann kommt noch das Problem des Transportes. Kauft man mal mehr ein, ist das mit ÖPNV kaum transportabel. Ist es jetzt ökologischer jeden Tag zum Supermarkt zu gehen oder einmal in der Woche mit dem Auto einen Großeinkauf zu machen? Will man Angebote nutzen, dann muss man auch mehrere Supermärkte ansteuern.

In der Theorie hört sich das alles super an, aber die Gesellschaft verlangt ja gerade, dass alles immer schneller gehen soll. Alles soll "produktiver" werden, "Zeitmanagement" steht über Allem.

Und da ist der Individualverkehr, wie auch immer er ausgestaltet ist, weit überlegen.

Einerseits beklagt man sich über die Verödung von Innenstädten, andererseits hat man zu wenig Parkplätze und zu hohe Parkgebühren.

Würde ich in der Großstadt leben und dort in der City arbeiten würde ich, wie so viele andere und sofern ich das Auto nicht während der Arbeit benötigen würde, auch mit ÖPNV fahren.

Fahrrad ist auch gut und schön, wenn das Wetter stimmt und flaches Land ist. Bei 30 Grad fährt doch kein Banker im Anzug mit Krawatte mit dem Fahrrad, wenn da noch 6% Steigujg auf dem Weg liegt. Bei uns haben sie einen tollen Radweg über 3 Städte fast ohne Kreuzungen angelegt. Die alte Bahnstrecke. Am Wochenende bei Ausflüglern auch gut frequentiert. Am Tag sogut wie gar nicht genutzt.

Was man ändern müsste sind die Preise für Einzelfahrten. Die Schrecken Gelegenheitsnutzer ab, da sehr hoch. Einmal Nachbarstadt hin und zurück über 6 Euro. Einmal Köln hin und zurück 50 Euro (mit Umsteigen und Bimmelbahn).

Will man das staatlich subventionieren, dann muss man den ÖPNV aber wieder staatlich organisieren ohne private Subunternehmer und die Bahn darf nicht mehr gewinnorientiert arbeiten. Seit Jahren schon finanziert die Bahntochter Schenker (größte deutsche Spedition) mit ihren Millarden den Zugverkehr quer und gleicht Verluste aus dem Bahngeschäft aus.

Und selbst wenn die Bahn zig neue Stecken bauen würde, dann passiert dasselbe wie mit den Stromtrassen und den Flüchtlingsheimen.

"Alles super, aber bitte nicht bei mir vor der Tür" ist doch genau das, was man dann von Grünenwählern zu hören bekommt. Genauso ist und war es doch bei Flughäfen. Ich möchte nicht wissen wieviele Demonstranten von damals jetzt die Startbahn in Frankfurt nutzen, wenn sie in den Urlaub fliegen...

Und zu Schluss muss man bei allen Konzepten auch mal an die Mitarbeiter denken. Schafft man es, diese dann auch vernünftig zu behandeln und zu bezahlen oder erlebt man eine Entwicklung wie bei den Paketboten, wo es völlig aus dem Ruder gelaufen ist?

Grüne Theorie und echte Praxis stoßen in der Wirlichkeit dann doch auf viele Hindernisse.