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Alt 22.08.2004, 19:47
Werner Schlager Werner Schlager ist offline
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Smile AW: Interessantes Interview von W.Schlager

es ist interessant wieviel die persönliche interpretation eines statements ausmacht.
jeder sieht es so, wie es in sein bewußtsein (oder weltbild) paßt. einige als schlagerhasser, andere als -freunde, und wieder andere sehen es neutral.
mir persönlich sind die neutralen am liebsten- weil es genauso gemeint war. ich lerne von tag zu tag, aussagen so neutral(wertfrei) wie nur möglich zu formulieren. und wer mich kennt, der weiß, daß ich immer ehrlich zu mir selbst bleibe. d.h. ich sag auch etwas, was andere vielleicht aus selbstschutz nicht wagen.

sehr interessant, aber nichts neues ist die selbstüberschätzung einiger schreiberlinge. das ist kein deutsches phänomen, sondern auch im ösiland sehr verbreitet.
unverständlich, daß man einem weltklassespieler zugesteht pro satz zwei bis dreimal den ball nicht zu treffen und fast jeden hohen ball zu verschlagen, ohne sich darüber gedankenzumachen was vielleicht ein grund dafür sein könnte. wenn man -so wie wir weltklassespieler- sein leben dem tt widmet, jeden tag für seinen sport lebt, ist es definitiv sehr unwahrscheinlich unter normalen bedingungen eine solch miserable treffsicherheit an den tag zu legen. und da es kein einzelphänomen ist, ergibt sich zwangsläufig die frage: "was ist denn da los?".

seid objektiv, vergleicht die gebotenen (besonders die ersten runden-) spiele mit welchen von anderen großereignissen BEVOR ihr -aus welchen gründen auch immer- (ver-)urteilt.

bevor ihr das nicht getan habt, erübrigt sich eine objektive diskussion der sachlage.

auch benötige ich keinesfalls eine "ausrede". ich habe mich bestmöglich auf die herrschenden bedingungen eingestellt, habe mich den verhältnissen so gut es ging angepasst und habe das getan, was von mir und von meinen fans erwartet wird: bis zum letzten ball zu kämpfen.

nun zu der aussage: "die bedingungen sind für jeden gleich":
dieses leicht von den lippen kommende statement wird auch gerne von der ittf gebraucht wenn spieler sich über spielbedingungen beschweren.
es zeugt von fachunkenntnis.
es gibt wohl fast unendlich viele schlagvarianten. der eine beherrscht deren mehr, der andere weniger. damit beide wieder am gleichen niveau stehen wird der, der weniger varianten beherrscht diese wohl umso besser einsetzen können als unser allroundtalent (welcher mit seiner vielseitigkeit punktet), sonst wären sie ja nicht gleichstark. nehmen wir an, durch äußere umstände wird die variantenvielfalt eingeschränkt. ist dieser umstand dann nicht für einen spieler von vorteil?
sind die bedingungen dann noch für jeden gleich?
oder es spielt spieler X im täglichen training auf einem tisch der marke A. spieler Y spielt täglich auf einem tisch der marke B. das turnier findet auf dem tisch der marke A statt. wenn beide spieler normalerweise gleichstark sind, wer wird wohl diesmal gewinnen? das gilt für tische wie für böden, für bälle, für lichtverhältnisse, für jede nur erdenkliche spielbedingung. und für außenstehende sind "die bedingungen für jeden gleich".
im spitzenleistungssport entscheiden nuancen.
wer diesen umstand negiert hat wohl von spitzenleistungssport keine ahnung.

ich bin einfach traurig über die ungenütze möglichkeit der welt unseren sport bestmöglichst darzubieten.
das ist eine wertfreie aussage, die keine schuldzuweisung braucht.

es ist an der zeit den dialog zwischen leistungsträgern (spitzensportler) und entscheidungsträgern (verbandsführungen) zu vertiefen, damit wir in zukunft unseren sport gebührend darstellen können.

nochwas: jeder tt-weltsportler verliert mal matches. ist er deswegen plötzlich nicht mehr gut genug, oder schon zu alt? waren seine bisherigen erfolge plötzlich nur zufall? hat timo zufällig vor der weltmeisterschaft ausgezeichnete ergebnisse gehabt, denn er hat ja z.b. bei der wm selber früh verloren? (statt timo könnte man jeden x-beliebigen weltklassespieler einsetzen). man (ver-)urteilt oft viel zu früh. wie mit scheuklappen sieht man nur einen winzigen leistungsausschnitt. positiv wie negativ. in meinen augen ist das dem sportler gegenüber nicht fair. trotzdem bestimmen solche urteile unsere medienwelt.
schade.

es ist mir ein anliegen darauf hinzuweisen, daß ich zu so gut wie allen tt-topsportlern ein freundschaftliches verhältnis pflege. zu rossi genauso wie zu timo oder kreanga, oder waldi, oder vladi, oder... schon alleine deshalb war und ist es nie meine absicht nicht wertfrei über sie zu kommentieren.

einige von euch haben sich durch unwahre medienberichte ein feindbild erschaffen, daß es einfach nicht gibt. es existiert nur in eurer vorstellung.

sollte man ohne eigenerfahrung nicht urteilsfrei demjenigen gegenübertreten?


euer

werner schlager
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