Thema: Matchplan
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Alt 17.07.2019, 22:39
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AW: Matchplan

Ich denke im Tischtennis spielt der Matchplan (vorgefertigte Taktikwechsel, z.B. für Sätze) eher weniger als im Fußball o.ä. eine Rolle. Beide Spieler verfügen über meistens schon länger bekannte Stärken und Schwächen, die mit bestimmten Spielzügen ausgenutzt werden.

Meistens läuft das dann nach folgendem Muster ab: Der Spielzug wird so lange durchgezogen, bis der andere Spieler ein Gegenmittel gefunden hat. Ist dies der Fall, setzt man die nächste Stufe der Komplexität ein, um die Schwäche zu nutzen.

Beispiel: Gegner hat Schwäche bei langen Bällen in RH und eine starke VH. Also spiele ich im zunächst immer direkt die RH an und nagele ihn da fest.

Dann bekommt er vielleicht irgendwann mit, dass ich kaum variiere, und umläuft öfter die RH.
Ab da kann es sinnvoll sein, zunächst den Rückschlag in die weite VH zu spielen, um den Gegner dorthin zu locken und ab dem nächsten Ball die offene, schwache Rückhandseite wieder anzuspielen.


Diese Taktikwechsel sind allerdings von einer extremen Dynamik geprägt. Als Spieler verbraucht das taktische Denken viel Speicherplatz, obwohl man eigentlich im Abrufmodus der erlernten Automatismen sein sollte.
Deshalb sind Taktikvorgaben vor allem Sache des Coaches. Was bringen die ausgefeiltesten Taktiken, wenn der Spieler in Gedanken schon beim dritten Ball ist, während er noch den ersten Ball spielt? Die Fehlerquote steigt.

Also Effizienz ist erst nach einer längeren Dauer zu erwarten - sobald die Spielzüge sehr intuitiv gespielt werden. Das ist auch der große Vorteil so mancher erfahrener Spieler: Die Taktik passiert nebenbei, meistens wissen die gar nicht, warum sie was machen. Aber das Gehirn hat einfach eine große Datenbank mit erfolgreichen Spielzügen, die mit der Zeit ausgesiebt wurden.

Eine kleine Ausnahme würde ich nennen, die auch Amateurspieler schnell einsetzen können: Aufschlagstrategie. Auch wenn manche erfahrene Coaches der Meinung sind, dass man seinen besten Aufschlag von Anfang an so lange spielen sollte, bis er keinen Punkt mehr bringt, mag ich das Prinzip von "Fake-Aufschlägen". Man spielt z.B. im ersten Satz seinen guten Aufschlag, nur mit wenig Schnitt. Viele Gegner werden dann leichtsinnig und machen danach weitaus mehr Fehler auf Aufschläge mit richtig Suppe.

Ist natürlich auch immer die Frage, nach welchen Aufschlägen man selbst gut ins Spiel kommt. Wenn man nach bestimmten Aufschlagvarianten nicht in gute Spielsituationen kommt, dann kann man sie gleich verwerfen.
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Du hoschd Rächd un I han mei Ruh
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