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Zitat von mithardemb
Wie heißt es so schön: "Umgekehrt wird ein Schuh draus".
Eine Exportabhängigkeit, eine Importabhängigkeit, eine ausschließliche Abhängigkeit vom Binnenmarkt usw.... ist immer mit Risiko behaftet. Am besten ist eine die Ausgeglichenheit auf hohem Niveau, aber das ist eben sehr schwer zu erreichen.
Der Euro ist im Vergleich zu den anderen Leitwährungen dieser Welt nicht gerade schwach. Wenn du feststellst dass Obst (oder Nahrungsmittel) im Urlaubsland teurer sind, dann liegt das oftmals daran, dass die Nahrungsmittel bei uns sehr billig sind - oder dass du dich in der Schweiz befindest.
Übrigens importieren wir eine ganze Menge an Obst, speziell in der kalten Jahreshälfte. Wenn du da mal die Transportkosten mit einrechnest wirst du feststellen, dass Obst aus Drittstaaten kein gutes Beispiel für einen schwachen Euro ist.
Eine Beweislastumkehr gibt es unbestritten bei der Steuer. Das liegt in der Natur der Sache, denn das Finanzamt kann schlechterdings nicht deine Belege sammeln. Wenn das Finanzamt abends die Kasse prüft und das Ergebnis mit der Zahl der Gäste vergleicht ist alles gut. Da die sich bei einer solchen Prüfung ja vorher nicht ankündigen, kannst du auch nur schwer betrügen.
Ein Steuerbescheid der lediglich schätzt (und eben nicht prüft), dass du mehr Gäste hattest, steht auf wackligen Füßen. Du kannst ja auch schwerlich beweisen, dass du nicht betrogen hast.
Steuerschätzungen gibt es dann, wenn du keine Nachweise bringen kannst - oder aufgrund von vorliegendem Betrug die Sachlage offensichtlich nicht deinen Belegen entspricht.
Eben. Sie prüfen ob dein Einkauf mit Bestand und Absatz in Zusammenhang gebracht werden kann. Das ist ja eben gerade keine Schätzung.
Das stimmt. Einigkeit macht stark. Dummerweise ist sich die EU nicht immer einig.
Da kann man etwas dagegen tun. Wenn der kommunale Finanzausgleich nicht nur auf den tatsächlichen Steuereinnahmen beruht sondern berücksichtigt was man bei einem mittleren Steuersatz einnehmen könnte, dann wird schon einiges abgefedert.
Aber natürlich sollen Kommunen durchaus auch konkurrieren.
Summasumarum tut man durchaus einiges was geht. Manches widerspricht aber anderen Zielen. Wenn ich möglichst viel Kapital anlocken will, dann kann es es nicht besonders stark besteuern, sonst wird es ganz schnell wieder abgezogen.
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Wir reden etwas aneinander vorbei.
Volkswirtschaftliche Analysen zeigen seit Jahren, dass Exporteinnahmen tendenziell nicht durch die Gesellschaftsschichten durchgehen. Der Rahm wird oben abgeschöpft. Früher wurde das, bei der DM zig Mal von 1960-1995, durch Aufwertung der Währung ausgeglichen.
Zu stark darf die Währung auch nicht sein, aber einen Dumpingwettbewerb können wir auch nicht gewinnen. Im Grunde sind wir gezwungen die besten Produkte zu exportieren, um nicht zu sehr vom Verkaufspreis abhängig zu sein.
Praktisch zusammengefasst bringt ein Exportrekord wenig, wenn in dem Unternehmen aufstockende Leiharbeiter beschäftigt sind. Gewinne werden so privatisiert, Kosten sozialisiert.
Zum Finanzamt: ich habe ja im Steuerbüro gelernt, danach BWL studiert und bin seit 19 Jahren selbstständig. Es ist schon richtig, dass mit entsprechenden Nachweisen Betriebsausgaben entsprechend dargelegt werden können.
Ich meine aber den Punkt Betriebseinnahmen und hier ganz besonders die Buchungstricks von Google, Apple und Co. Einnahmen auf Niedrigsteuerländer umzubuchen.
Und hier kann das Finanzamt sehr wohl, ähnlich wie bei Hotel und Gastronomie schätzen (so nennt sich das in der Fachsprache). Du meinst die Schätzung, wenn jemand keine Bilanz abgibt. Im Grunde meinen wir aber dasselbe.
Wir hatten hier in der Region in den letzten Jahren Dönerbuden mit Nachzahlungen von 400.000 bis zu mehreren Millionen Euro, die auch gerichtlich stand gehalten haben. Die Presse hat sich damit überschlagen, aber bei 10 Jahredprüfungen und dann noch Zinsen und Strafe drauf, da kommt schnell so eine Summe zusammen.
Und wenn man wollen würde ginge das auch bei Apple. Sollen die mal ihre internen Verrechnungspreise von der Produktion in China/Taiwan über die Buchung der Holding in Irland bis zum Endkunden in Deutschland offenlegen!
Ich möchte mal dem Finanzbeamten sehen, der dort den Mumm hat Lizenzen und überhöhte EK Preise der deutschen Niederlassung zusammenzustreichen.
Und dann soll Apple seine "Kosten" mal schlüssig begründen, gerade im Vergleich mit Direktimportpreisen am allgemeinen Markt.
Ich weiss, dass das steuerrechtlich und vor allem politisch sehr sehr schwierig durchzusetzen ist.
Auch die fehlende Gewinnerzielungsabsicht von Start-Ups könnte man sich mal vornehmen. Hier hat der Staat gegenüber dem Gesvhäftsmodell "nur an die Börse bringen und Kasse machen" kaum mehr eine Handhabe.
Auch die übliche Praxis bei Übernahnen durch Internationale Investoren den Kaufpreis als Kredit auf das gekaufte Unternehmen zu übertragen und durch innerkonzernliche Zinszahlungen) den Gewinn und die Steuerlast in Deutschland zu drücken samt Ausgliederung der Patente auf die Muttergesellschaft samt entsprechend geltendgemachter Lizenzen, da läuft der Gesetzgeber einfach hinterher.
Wenn vom Facharbeiter bis zum lokalen Mittelunternehner mit 20 Mitarbeitern um ein Vielfaches höhere prozentuale Abgaben geleistet werden als von Großkonzernen und Start-Ups, dann stimmt etwas nicht mehr im System.