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Alt 26.08.2004, 12:52
Pinguin Pinguin ist offline
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AW: Interessantes Interview von W.Schlager

Zitat:
Zitat von Werner Schlager
darum gehts nicht, bitte nicht verdrehen. es geht um einen klaren REGELVERSTOSS, der vom schiedsrichter erkannt wird, aber im sinne der regelauslegung interpretiert werden sollte. so ist meine "qualität" definiert.
Das kann ja wohl nicht Dein Ernst sein, oder? Du forderst, dass ein guter Schiedsrichter einen klaren Regelverstoß nicht ahndet, wenn er glaubt, dass der Spieler dadurch keinen Vorteil hat?

Zwei Beispiele hierzu:
  1. Die Aufschläge eines Spielers im Doppel gehen immer relativ nahe an die Mittellinie heran. Nun misslingt ein Aufschlag und der Ball geht knapp in die falsche Hälfte, passiert aber aufgrund des Effets die Grundlinie an der korrekten Tischhälfte.
    Hier sind wir uns doch einig, dass dies ein Fehler ist - an sich hat der Aufschläger aber keinen großen Vorteil aus den 2 mm in der falschen Hälfte, oder?
  2. Ein Spieler schlägt relativ nahe an der Grundlinie auf. Jetzt wirft er den Ball einmal nicht exakt hoch und der Ball kommt über die Grundlinie, d.h. der Spieler schlägt den Ball beim Aufschlag über dem Tisch.
    Laut Regelwerk ist dies auch ein Fehler, der Spieler hat auch hier keinen Vorteil. Aber analog zu 1. muss der Schiedsrichter dies auch als Fehler werten (und du willst mir jetzt hoffentlich nicht erzählen, dass 1. kein Fehler ist)

Mal angenommen, der Schiedsrichter wäre (so wie Du es nennst) so "gut", einen solchen klaren Regelverstoß nicht zu ahnden. Nun tritt dieser Regelverstoß wieder in einer knappen Situation auf, in der ein Spieler unbedingt den Punkt braucht (Matchball bei 10:9 oder so). Er beschwert sich dann, warum der SR den offensichtlichen Regelverstoß nicht geahndet hat, womit er rein nach den Regeln Recht hat. Würde der SR diesen Regelverstoß ahnden, könnte allerdings der Gegner gleichermaßen berechtigt ins Feld führen, dass er schon einmal offensichtlich gegen diese Regel verstoßen habe, dort es aber korrekt erschien (z.B. bei der Aufschlagregel) und nun auf einmal falsch sein sollte? Wie soll der Schiedsrichter dann entscheiden?

Oder eine direkte Frage: wie kämst Du dir vor, wenn Dir ein Schiedsrichter auf Deine Beschwerde hin sagt "Sie haben Recht, Ihr Gegner hat einen klaren Regelverstoss begangen, aber ich hatte den Eindruck, dass Sie dadurch keinen Nachteil hatten". Der SR weiß ja im Vornhinein nie, ob sich ein Spieler beschweren würde. Würde in Dir bei solch einer Aussage nicht die Wut hochkochen?

Zitat:
die konsequenz dieses bewertungssystems konnten die spieler schon am eigenen leib erfahren:
beim letzten schweden open wurden die schiedsrichter von (außerhalb der box sitzenden) "experten" benotet. es ging wohl hauptsächlich um das beurteilen der auslegung der neuen serviceregel. (die schiedsrichter wurden in den vorbesprechungen auch darauf hingewiesen sehr auf die neue regel zu achten.) die konsequenz der schiedsrichter war, daß man nun im zweifelsfall einfach ein service abzählte. die reaktionen der spieler waren enorm. es gab viele diskussionen an den tischen, einige spieler gaben sogar W.O.(!) weil sie sich ungerecht behandelt fühlten. es war (ohne übertreibung) eine katastrophe. ich unterhielt mich zu ende der veranstaltung mit zwei ö-schiedsrichtern, die mir folgendes erzählten:"wir wurden eigentlich sehr gut beurteilt. nur haben wir angeblich 11 service nicht abgezählt, die nicht regelkonform waren. deshalb bekamen wir insgesamt eine schlechte note."!!!
also jene, die alles auf verdacht abzählten hatten chance auf beste beurteilung!!!
läuft da nicht etwas verkehrt?
Da ich nicht dabei war, kann ich nicht beurteilen, inwieweit hier "auf Verdacht" oder korrekterweise abgezählt wurde, wobei mir ersteres als recht unwahrscheinlich erscheint. Bei Bewertungen legen die Schiedsrichter vermutlich allerdings besonders strenge Maßstäbe an.

Allerdings habe ich mich bei den Videos, die ich von Olympia gesehen habe, auch manchmal gewundert, warum manche Aufschläge nicht abgezählt wurden. Bei wievielen Spielern ist - wenn man den Regeltext wörtlich nimmt - der freie Arm wirklich aus dem "Raum zwischen Körper und Netz" draußen? Um dieser Regel zu entsprechen gehört es zwingend dazu, dass der Spieler nicht mehr senkrecht zum Tisch stehen kann sondern seinen Oberkörper zum Tisch drehen muss (wie soll er sonst den Arm aus dem Raum zwischen Körper und Netz herausbringen?) Insofern schlagen viele Spieler auch wieder an den Grenzen des Erlaubten auf.

Grundsätzlich ist dazu ja nichts einzuwenden. Aber jeder Spieler, der an diese Grenzen herangeht, geht das Risiko ein, dass er die Grenzen (u.U. unabsichtlich) überschreitet.

Wenn *jeder* Schiedsrichter in *jedem* Einsatz die Aufschlagregel strikt und konsequent (so wie sie im Wortlaut von der ITTF vorgegeben wurde) durchsetzen würde, würden sich solche Diskussionen denke ich bald erledigen. Der Wortlaut der Regeln sollte den Spielern bekannt sein, zumindest den Trainern ist sie es aber. Und falls nicht, sollte es doch einem Nationalverband möglich sein, einen entsprechend fachkundigen Schiedsrichter einzuladen (Ö hat mind. einen Internat. Referee), der das Fachwissen mitbringt.

Jeder Spieler kann nach einer Entscheidung auf "falschen Aufschlag" den SR fragen, was falsch war, und sich danach richten. Wenn der Spieler 7 mal den gleichen Aufschlag macht, kann ein SR nicht den 3 mal abzählen und ab dem 4. mal auf einmal auf korrekt anerkennen, oder?

Zitat:
es spricht ja nichts dagegen trotzdem nur "fähige" schiedsrichter ein semifinale oder finale zählen zu lassen. da eben meiner ansicht nach die beurteilung nicht richtig erfolgt. (siehe oben)
Hier ist der entsprechende SR-Einteiler in der Verantwortung...
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