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Zitat von Tukan
Ich habe einen Testbelag bekommen und werde den diese und nächste Woche testen.
Keine Ahnung, ob so ein Belag näher an einem chinesischen Belag ist oder näher an einem europäischen, aber ich werde es hoffentlich rausfinden. 
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Leider dauerte das länger bis ich meinen Testbericht veröffentlichen konnte, mea culpa. Aber heute kommt der Bericht.
Für mich spielte sich der Bluegrip R1 sehr ungewohnt, da ich einfach kein Chinabelagspieler bin und ich wahrscheinlich nicht die dafür nötige Technik habe.
Meine Schwierigkeit war, dass man (ich) bei so einem Belag mit klebriger Oberfläche immer einen guten Treffpunkt und Armzug benötigt. Sobald man einmal nicht richtig zum Ball steht und die Technik nicht 100%-ig ausführen kann, verzeiht so ein Belag dies einfach nicht und der Ball fällt ins Netz. Mir hat bei dem Bluegrip R1 ein bisschen der Katapult gefehlt und ich kann einfach nicht immer bei jedem Ball selber mit dem nötigen Armzug spielen. Manchmal steht man schlechter zum Ball und dann bekommt man entweder nicht den nötigen Winkel hin oder reicht die Schwungbewegung nicht aus, dass der Ball über das Netz geht.
Ich denke aber, dass dieser Belag für Spieler interessant ist, die gerne einen schnellen Chinabelag spielen wollen und / oder die mit langen schnellen Schwingern ziehen und nicht zu weit vom Tisch weg stehen. So 1 bis 1,5 Meter Distanz vom Tisch ist kein Problem, aber so richtig 2 bis 3 Meter hinter dem Tisch stelle ich mir mit dem Belag sehr schwierig vor (höchstens mit Belagtuning). Wenn mein Stellungsspiel gepasst hat, konnte ich auch aus der Halbdistanz schöne Gegenzieher spielen und man konnte den Ball dabei gut führen und hatte eine hohe Sicherheit. Aber wehe man stand nicht perfekt, dann konnte man das irgendwie nicht mehr ausgleichen, wenn Schlagausführung und Treffpunkt nicht ideal waren.
Was wirklich gut ging, das waren Aufschläge mit viel Schnitt. Vor allem Unterschnittaufschläge konnte ich mit dem Bluegrip R1 mit viel mehr Unterschnitt spielen.
Aufpassen musste ich beim Rückschlag. Wenn ich nur ablegen wollte, sind mir die Bälle oft ins Netz gefallen oder wenn ich die ankommende Rotation auch nur etwas falsch eingeschätzt habe und mehr Seitschnitt als Unterschnitt im Aufschlag war oder ich auf Seitüber reingefallen bin, dann sind mir die Bälle noch mehr als mit gewohnten Belägen ins Aus gesprungen. Mit hinhalten war da nicht so viel oder ich konnte eben nicht den richtigen Winkel finden. Ich musste immer eine etwas aktivere Bewegung bei der Aufschlagannahme machen, dann waren die Rückschläge aber wirklich gut.
Ähnlich ging es mir beim Blocken. Man muss sich doch sehr auf den Schlägerblattwinkel und den Treffpunkt fokussieren, dann gelingt sicheres blocken. Aber wenn man da nur passiv hinhält, dann wird es schwer und mir sind viele Bälle ins Aus gesprungen oder bei falschem Schlagansatz und Winkel ins Netz gefallen. Man muss sich da rantasten und sollte vielleicht eher immer etwas gegen den Ball gehen.
Oben schrieb ich von klebriger Oberfläche und schrieb was von Chinabelag. Ich denke man kann den R1 nicht mit den sehr klebrigen Chinabelägen vergleichen, bei denen der Ball förmlich am Belag kleben blieb. Der Bluegrip R1 ist schon griffiger als Beläge wie zum Beispiel Bluefire oder Bluestorm und im Vergleich zu denen kann man beim Bluegrip schon von klebrig sprechen. Man kann auch den Ball ein bisschen vom Tisch anheben, also kurz kleben bleibt der schon am Belag, aber ich denke ein richtig klebriger Chinabelag ist nochmal was anderes. Jedoch denke ich, dass für uns Europäer die Klebrigkeit vom R1 wahrscheinlich besser geeignet ist. Ich denke mehr wäre noch schwieriger zu spielen.
Müsste ich den Bluegrip R1 auf einer Seite spielen, dann wäre das auf jeden Fall die Vorhand. Für die Rückhand wäre mir der Absprungwinkel zu flach oder es passt eben mit meiner Technik nicht. Aber auch für die Vorhand wäre er ehrlich gesagt nichts für mich. Der Belag kam mir sehr schwer vor und war mir letztendlich zu undynamisch. Ich kam auch nicht mit diesem harten unkatapultigen Anschlaggefühl zurecht und hatte immer die Hoffnung, dass der Belag ein bisschen eingeprügelt werden muss und dann vielleicht besser wird, aber leider war das bei mir nicht so.
Der Belag ist auf keinen Fall schlecht und es ist einfach eine Kombination mit europäischem Tensorschwamm und einer leicht klebrigen Oberfläche die an Chinabeläge erinnern soll. Dafür gibt es bestimmt passende Spieler, auch wenn ich diese Art von Belägen mehr als Nischenprodukt sehe und denke, dass die meisten Spieler mit anderen Belägen aus dem Hause Donic wie Bluefire und Bluestorm besser klar kommen werden.
Es gibt ja auch noch den Bluegrip V1. Diesen habe ich nicht getestet, aber ich denke dass dieser für mich noch schwieriger zu spielen wäre, da dieser einen kleinporigen Schwamm haben soll, während der R1 einen großporigen Schwamm hat, der eigentlich mehr verzeihen sollte.
Ich könnte mir übrigens sehr gut vorstellen, dass die Bluegrip Beläge für moderne Verteidiger geeignet sind. Jetzt nicht für klassische Schnittabwehrspieler, denn die Bluegrips gibt es nur mit 2.0 mm oder maximalem Schwamm, aber für Spieler die sowohl abwehren als auch angreifen wäre das bestimmt eine Option.
Danke an DONIC + ML SPORTING für das zur Verfügung stellen dieses Testbelags. Gute Aktion! Ich denke das ist für Donic sehr gut, dass sie sich auf dieser Plattform und mit solchen Aktionen bei TT-News präsentieren können. Ich muss zugeben, wenn Donic hier nicht vertreten wäre, dann hätte ich Donic gar nicht so richtig auf dem Schirm. Und auch wenn für mich jetzt dieser Belag nicht ganz gepasst hat, denke ich trotzdem dass viele andere durch Testberichte auf diesen Belag aufmerksam werden und dann schon gut einschätzen können, ob der Belag nicht vielleicht doch besser zu ihnen passt, denn seine Anhänger wird der Bluegrip R1 bestimmt finden.