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Zitat von Nullinger
In der Tat lässt sich eine Veränderung in der Bevölkerungsstruktur - insbesondere in westdeutschen Ballungsgebieten - nicht leugnen.
Allerdings steht diese Veränderung meiner Ansicht nach in Zusammenhang mit dem Flüchtlingsansturm 2015. Die hängt m.E. eher mit den Gastarbeitern und anderen Migranten seitdem zusammen.
Aber wie auch immer: was sind daraus die Konsequenzen?
Schönreden oder ausblenden bringt's nicht.
Dramatisieren und kriminalisieren aber auch nicht.
Was sind überhaupt daraus resultierende Probleme und wie könnte man sie lösen?
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Das taugt als Diskussionsgrundlage.
Wie gesagt, eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur lässt sich nie leugnen. Die ändert sich stetig. Für mich ist eine derartige Diskussion nur dann sinnvoll, wenn entscheidende Aspekte, die gesamtgesellschaftliche Relevanz haben, nicht außen vor gelassen werden. Für wesentlich halte ich den sogenannten Strukturwandel, der insbesondere in NRW immer noch nicht gelöst wurde und die sogenannte Globalisierung.
Beides - der Strukturwandel und die Globalisierung - sind aus meiner Sicht entscheidende Faktoren für die Wahrnehmung von Menschen mit Migrationshintergrund. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, der zu den sogenannten bildungsfernen Schichten zu zählen ist, ist überdurchschnittlich hoch. Die sogenannten bildungsfernen Schichten sind vom Strukturwandel und der Globalisierung überdurchschnittlich hoch gebeutelt worden. Hinzu kommen überdurchschnittlich viele, kleinere Kaufleute, die in Innenstädten und Vorortcentren Läden betrieben haben, die sie nach und nach aufgeben mussten. Neue Mieter bzw Pächter für diese Immobilien waren kaum zu finden. Menschen mit Migrationshintergrund haben es schon immer schwerer gehabt, wenn große Betriebe geschlossen wurden neue Arbeit zu finden. Nicht wenige von ihnen haben sich in die Selbständigkeit treiben lassen. So wurden von Ihnen nach und nach die unrentablen Ladenlokale angemietet und viele Innenstädte und Vorortcentren kriegten ein neues, ungewohnes Gesicht. Nicht weil "Ausländer" irgendwen verdrängt hätten, sondern weil der Strukturwandel und die Globalisierung den ehemals funktionierenden Klein- und Einzelhandel, der zuvor in den Städten und Vorortcentren angesiedelt war, unrentabel gemacht hat. Menschen mit Migrationshintergrund waren lange Zeit "mutiger", was die Selbständigkeit betrifft. Wahrscheinlich weil es oft ihre einzige Chance war nicht von Sozialhilfe leben zu müssen.
Genau das ist es, was viele Menschen nun wahrnehmen. Innenstädte und Vorortcentren fest in "ausländischer" Hand.
Ist das allein wirklich ein Problem?
Gut, für Ästethik-Freaks, die eher auf Fachwerk und hübsche Kunsthandwerkläden stehen, wird das was sie an solchen Orten vorfinden mindestens einen mittelschweren Schock auslösen. Da wo Armut allgegenwärtig ist, klar, da gibt es durchaus schon mal Streß. Im berüchtigten Dortmunder Norden, den ich durchaus hin und wieder schon eines dort ansäßigen Kinos wegen gar mitten in dunkler Winternacht besuche, hatte ich mich noch nie unwohl fühlen müssen.
Ist dieses Städtebild in der heutigen Zeit von Amazon und dem Internethandel überhaupt nach zu ändern? Wer macht denn heute noch ein Geschäft mit Ladenlokal auf?
BTW: Gerade in einem Politikpodcast "Stimmenfang" zu den anstehenden Wahlen in Thüringen gehört, dass 71% einer befragten Gruppe angegeben haben, dass sie die AfD nicht trotz (Aus Protest) Höcke, sondern wegen Höcke wählen würden. Wahlkampf wird von der AfD mit dem Versprechen gemacht, dass sie eine "nie dagewesene Abschiebeoffensive 2020" starten will.
Wann endlich der Glaube, dass die AfD aus Protest gewählt wird Risse bekommt und sich endlich mit dem Problem Ausländerhass beschäftigt wird, darf in dem Zusammenhang als Diskussionszweig auch nicht fehlen.