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AW: Vereinssterben - Risikofaktoren und Gegenmaßnahmen
Das Risiko von Vereinen mit ausschließlich niedrigklassigen Mannschaften ist folgendes:
Ein durchschnittlicher TT-Spieler ohne echtes Training landet wohl irgendwo zwischen 1200 und 1400 Peak. Die meisten niedrigklassigen Vereine haben ihre Topspieler also in der Region bis 1500.
Jetzt gibt es aber immer mehr Leute, die der Hafer etwas mehr gestochen hat, oder die mehr Talent haben. Die wollen am liebsten immer 2-4 Spieler mindestens auf gleichem Niveau oder höher haben, mit denen sie trainieren können. Und wenn der Durchschnittsspieler nur 2mal die Woche richtig trainiert, liegt er als Peak bei 1400-1600.
D.h. die Trainingseifrigen kann man niedrigklassig nicht lange halten. Es bleiben diejenigen, die immer weniger die Priorität für ein Punktspiel setzen. Man kann sich ja mal die Bilanzlisten in niedrigen Klassen anschauen, immer häufiger spielen da 10 Leute oder mehr.
Und Jugendspieler springen teilweise noch schneller ab.
Warum?
Die Erklärung, dass der Sprung zu den Erwachsenen so schwer sei, ist mir zu kurz gegriffen. Gut geführte Vereine schaffen es, viel mehr Jugendliche langfristig für TT zu begeistern.
Ich denke es liegt eher daran, dass der Unterschied zwischen einem meistens gut gemachten Jugendtraining und einem vogelwilden Herren-Trainingsbetrieb viel zu krass ist. Woher soll die Leistungsmotivation kommen, wenn das Herrentraining völlig vernachlässigt wird? Es wird vermittelt, dass bei den Herren jeder sein eigenes Ding macht. Leistung ist komplett Privatsache, manchmal wird Leistungsstreben sogar verlacht (aus Neid).
Über Studium etc. muss man gar nicht reden: Wenn man in einem Stadtgebiet mit Uni wohnt und nicht nur die aufhören, die wegziehen, sondern auch die, die bleiben, dann ist es eine faule Ausrede. Viele Studenten haben mehr als genug Zeit um abends Sport zu treiben, wenn sie wirklich Bock drauf haben, abgesehen von Klausurenphasen.
Und ja; es wird immer erschwerende Faktoren von außen geben. TTR finde ich Blödsinn, der ist maximal in größeren Vereinen ein Unsicherheitsfaktor. Keiner ist gezwungen, auf den zu achten.
Plastik ist durch, wer es nicht anders kennt, wird sich nie beschweren.
Wichtig wäre aus meiner Sicht, dass man sich auf die Aspekte konzentriert, an denen man was ändern kann. 1-2 Stunden angeleitetes Training die Woche ist kein Hexenwerk, ein Co-Trainer-Kurs lässt sich an einem Wochenende absolvieren. Macht man es gleich zu dritt oder zu viert, kann man sich schön abwechseln mit dem Training.
Im Zeitalter der sozialen Medien sind TT-Vereine immer weniger nötig als (ausschließlich) Ort des sozialen Kontakts. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der sportliche Aspekt nicht untergeht. Sonst gehen die jungen Erwachsenen lieber in die Bar oder skypen beim Zocken daheim.
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Du hoschd Rächd un I han mei Ruh
Geändert von Armendariz (25.10.2019 um 20:20 Uhr)
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