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Alt 01.11.2019, 16:36
alba alba ist offline
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AW: Vereinssterben - Risikofaktoren und Gegenmaßnahmen

Zitat:
Zitat von KevKev Beitrag anzeigen
Hier mal ein Ansatz zum Thema von mir:


Eins meiner Lieblingszitate lautet "Die Jugend macht zwar nur 20% unserer Bevölkerung aus, aber 100% unserer Zukunft". Das kann man bestimmt auch auf Vereine übertragen. Damit meine ich nicht die Anzahl an Jugendmannschaften, sondern ein Stichpunkt, den ich zuletzt häufig gehört habe: Junges Engagement.

Meine folgenden Ausführungen basieren auf meiner bisherigen Erfahrung und der aktuellen (durchweg positiven!) Situation in meinem Verein. Dazu sei gesagt, dass wir ein kleiner, eigenständiger TT-Verein mit je 4 Herren- und 4 Nachwuchsmannschaften sind.

Ich selbst bin 18 Jahre jung und meines Zeichens Jugendwart sowie -trainer. Noch bevor ich Anfang des Jahres volljährig wurde, hat mein ehemaliger Jugendwart mich an die Arbeit herangeführt und "eingelernt". Natürlich immer offen bzgl. der zu investierenden Zeit sowohl mirgegenüber, als auch gegenüber meinen Eltern. Dieses Jahr habe ich dann ohne Zögern das Amt des Jugendwartes übernommen.
Der Verein hat es einfach geschafft, mich so sehr von den organisatorischen Geschehnissen zu begeistern, dass es mir riesig Spaß macht, Zeit hierfür zu investieren. Außerdem habe ich das Gefühl, wirklich etwas verändern zu können - auch außerhalb meiner "Kompetenzen" als Leiter der Jugendabteilung.

Und hier würde ich ansetzen: Man muss das Engagement im Verein für junge Leute attraktiv machen. Ich rede weiß Gott nicht von finanzieller Vergütung o.Ä. Geld können Jugendliche wenn überhaupt nur unregelmäßig und kurzfristig gebrauchen. Außer sie sind Studenten, aber so viel Geld wie wir brauchen, kann kein Verein bezahlen...
Was viel wichtiger ist, ist insbesondere das Gefühl, ernst genommen zu werden und wirklich etwas bewegen zu können. Denn das resultiert dann darin, dass man Spaß an seinem Engagement hat und dass man die Zeit gerne investiert. Auf Gutdeutsch gesagt: Je geiler ich die Arbeit finde, desto öfter und intensiver befasse ich mich auch damit.

Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich, dass die jeweiligen jungen Erwachsenen überhaupt "der Typ dafür" sind. Da gehört mit Sicherheit auch immer ein bisschen Glück dazu und daher ist das keine allgemeingültige Lösung, das muss ich zugeben. Aber sofern diese Voraussetzungen gegeben sind, muss man als (kleiner) Verein meiner Meinung nach genau dort anpacken. Die Eigengewächse langsam an die Verantwortung herantragen und einarbeiten. Sie nicht überfordern, aber ihnen gleichzeitig trotzdem schon Sachen zutrauen. Ihre Vorschläge anhören, ernst nehmen und sich auch mal etwas von ihnen sagen lassen.
Man muss den Jugendlichen vermitteln: "Wir vertrauen dir und lassen dich machen. Aber wenn du Fragen hast, Hilfe brauchst oder dir unsicher bist, sind wir alle gerne bereit dir zu helfen. Wir haben vollstes Verständnis dafür."
Die jungen Funktionäre sollen niemals gänzlich alleine gelassen werden, aber auch nicht zu sehr "bemuttert".


Bevor mich irgendwer falsch versteht: Ich fordere natürlich kein Funktionärs-Durchschnittsalter von 20 Jahren. Erfahrene Funktionäre die wissen wie es läuft, welche die jungen Erwachsenden ein wenig an die Hand nehmen können, sind natürlich elementar wichtig - Sonst geht es wohlmöglich früher oder später "drunter und drüber". Diese Erfahrenen sind aber in meiner Vorstellung in der Pflicht, ihr konservatives Ego ein Stück weit zurückzuschrauben. Eine Einstellung a la "Die Grünschnäbel haben doch keine Ahnung, denen darf man keine Verantwortung übertragen" ist meiner Meinung nach gleichwertig mit dem schleichenden Tod eines Vereins. Im Gegensatz dazu ist junges Engagement die Lebensversicherung.
Leute wie Du sind ein seltener Glücksfall für jeden Verein. Tausendmal wichtiger als der 18-Jährige, der vielleicht 1800 TTR hat, aber nur an sein eigenes Weiterkommen denkt. Die Gretchenfrage ist aber, ob Du dem Verein langfristig erhalten bleibst. In dem Alter ist das halt noch nicht klar. Die Wahrscheinlichkeit, dass Du wegen des Studiums, Berufs, oder der Liebe den Wohnort wechselst, ist wahnsinnig hoch.
Um zu zeigen, wie unterschiedllich die "Jugend von heute" tickt:
Ich habe jetzt den 5. Bundesfreiwilligen im Verein. Der 1. ist (wie der jetzige) eigens hierhergezogen, war hoch motiviert und leistet in seinem jetzigen Verein tolle Arbeit. Der 2. kam nach dem Abi aus der Nähe zu uns, war und ist TT-Freak, hat aber nach der Erfahrung bei uns zunehmend auch in seinem eigenen Verein Verantwortung übernommen. Der 3. ein syrischer Flüchtling aus unserer Stadt, da ging es mehr um Verbesserung des Alltagsdeutsch, ich sehe ihn nur noch selten. Der 4. kommt aus dem eigenen Verein, ihm ging es eher darum, die Zeit bis zum Studium sinnvoll zu überbrücken. Mehr möchte ich besser nicht schreiben. Nun also der 5., der erst wenige Tage hier ist, aber einen überaus engagierten ersten Eindruck hinterlässt.
Ich habe versucht, alle gleichermaßen zu unterstützen, auch immer wieder Eigeninitiative (ein Projekt passend zu den Interessen des jeweiligen Bufdis) eingefordert.
Der eine hat das wunderbar umgesetzt, der andere eher abgeblockt, einer scheiterte am fehlenden Glauben an die eigenen Fähigkeiten, wieder ein anderer beließ es bei wortreichen Bekenntnissen. Ist natürlich alles mein subjektives Empfinden.
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Stopp dem Windelmüll!
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