Zitat von dagmar.ingo
auch ich habe mir die 17 Seiten interessiert durchgelesen und würde gerne eine positive Erfahrung hier teilen.
Wir sind ein reiner Tischtennisverein im Kölner Westen, aktuell 6 Herren- und 7 Jugendmannschaften. Mein Sohn hat dort vor gut 5 Jahren angefangen, weil der Verein die Halle seiner Grundschule nutzt und der damalige Jugendwart als Rentner auch viel Zeit zur Mitgliederwerbung in den Schulen leistete. Zu der Zeit spielte die 1.Herren auch mal ein Jahr Verbandsliga, aber zumindest immer in der Landesliga. Die Jugendabteilung war zahlenmäßig gut aufgestellt (meist so um die 50), aber litt darunter, dass einige - sobald der Erfolg da war - zum großen Nachbarn abwanderten.
In den 2 Jahren danach stieg die 1.Herren bis in die Bezirksklasse ab, der Jugendwart hatte aus verschiedenen Gründen oft keine Zeit und zog sich zurück, die Anzahl der jugendlichen Mitglieder - auch bedingt durch ein unstrukturiertes Training nahm ab. Mir stellte sich die Frage, mich hier zu engagieren oder meinen Sohn woanders hinzuschicken. Ich habe mich engagiert, den Posten des Jugendwarts übernommen, und im Vorstand haben wir gemeinsam beschlossen, hier bewusst ein Jahr Defizit hinzunehmen, aber durch Verpflichtung entsprechender Trainer wieder entsprechend anspruchsvolles Jugendtraining anzubieten. Dazu gehört, dass man sich auch von Kindern trennen muss, die nur stören. Aber es gehört auch dazu, untalentierten fleißigen Kinder dennoch die Möglichkeit zu geben, Tischtennis zu spielen.
Wir haben dann in einer hitzigen JHV die Beiträge um ca. 30% angehoben (sind bei 11€ pro Monat) und haben gehofft, dass die verbleibenden Kinder uns treu bleiben. Passiert ist folgendes: es hat sich rumgesprochen, dass es bei uns wieder gutes Training gibt, wir hatten einen Zulauf von Kindern, die unsere Halle (24x12m) mit 9 Tischen an die Kapazitätsgrenze bringen.
Sportlich haben wir die Anzahl der Jugendmannschaften in der Breite auf 7 erhöht. Nachdem dann auch noch zum ersten Mal ein Spieler des großen Nachbarvereins zu uns wollte und Eigengewächse sich entsprechend entwickelt haben, stieg die Jugend in die NRW-Liga auf, mehrere Spieler sind im WTTV-Kader, und die 1.Herren spielt wieder Landesliga (mit 2 Spielern, die alle Auf- und Abstiege in der Vergangenheit mitgemacht haben, mit 3 Jugendlichen, und mit 3 Spielern, die neu dazukamen).
Natürlich gehört hier auch einiges an Glück hinzu: Beispielsweise einer der neuen Spieler der 1.Herren, dem Jugendarbeit Spaß macht und der sich auch um die Betreuung einer Jugendmannschaft kümmert und auch mal eine Extra-Stunde mit einem 10jährigen an der Platte verbringt.
Aber zum Glück gehört auch Arbeit, den Verein positiv darzustellen: Regelmäßig trainieren bei uns Jugendliche anderer Vereine, die dort keine oder nur wenig Trainingspartner haben. Und das wichtigste aus meiner Sicht ist es, dass die jugendlichen Spieler Spiele auf entsprechendem ähnlichem Niveau haben. Ich will nicht Meister der Aufbauklasse mit 20:0 Punkten werden, über ein 5:5 oder 6:4 freue ich mich in den unteren Ligen am meisten. Neben der Liga gehören Ranglistenturniere mit vielen Spielen dazu. Hier habe ich mich auch im Kreis stark gemacht, dass wir die Vorranglisten mit 7 Spielen im Schweizer System spielen. Wir haben im Kreis ein Sichtungsturnier ausgerichtet, im Mai haben uns 120 Kinder an eine organisatorische Herausforderung gestellt. Und überall um uns rum haben wir einen regen Zulauf an Kindern. Mein Fazit hier: für die Jugendarbeit muss man vereinsübergreifend denken.
Vieles habe ich hier auch gelesen, dass andere Freizeitaktivitäten angeboten werden. Auch das machen wir in kleinem Rahmen, aber hauptsächlich will ich den Kindern das bieten, weshalb sie bei uns sind: Tischtennis spielen! D.h. ich versuche, zu einzelnen Turnieren mit allen Interessierten zu fahren. Aber wie oben beschrieben, es muss für die Jungs und Mädels Sinn machen. Und wenn es Spaß gemacht hat, kommen sie das nächste Mal wieder mit und kommen mit Begeisterung ins Training.
Was bei vielen Vereinen fehlt, sind in unserem Raum qualifizierte Trainer. Hier habe ich noch kein Allheilmittel. Und dass viele Kinder mit 14 aufhören, ist auch bei uns ein Problem. Aber mir geht es darum, hier für eine entsprechende Zeit die Kinder vom Tischtennis zu begeistern, und der ein oder andere wird dem Sport erhalten bleiben. Und genau diese Zielgruppe muss ich davon begeistern, sich im Verein zu engagieren und das so weiter zu leben.
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