Zitat:
Die Insolvenz gibt es auch nicht. Sehr viele, vor allem große Konzerne, machen in den letzten Jahren Rekordgewinne. Auch sehr viele kleine Personengesellschaften laufen sehr gut. Bei denen, die angeblich unrentabel sind, oder Insolvenz beantragt wird, lohnt es sich sicherlich, genau hinzuschauen.
- Wieviel Geld wurde bereits vorher aus der Firma gezogen ?
- Wie ist die Verflechtung mit anderen Firmen, oftmals werden zwei Firmen parallel geführt, dabei dann eine zugunsten der anderen in die Pleite getrieben, die andere ist fein raus.
- Auf welcher Grundlage wurde die Firma gegründet. Ein Großteil der Pleiten in den letzten Jahren beruhte wohl auf dem Technologie-Hype zuvor. Da wurden Firmen von Leuten gegründet, die man getrost als "windig" oder schlimmer bezeichnen kann.
- Insolvenz und Konkurs sind lukrativ, da die Rechnung von anderen beglichen wird.
- Gelegentlich werden sogar florierende Unternehmen zahlungsunfähig, da die allgemeine Zahlungsmoral katastrophal ist und Banken auch nicht gerade eine rühmliche Rolle spielen.
|
[/QUOTE]
Bei soviel vorurteilsbeladenem Halbwissen zu wirtschaftlichen Zusammenhänge bin ich als beruflich mit dieser Thematik befaßter manchmal einfach nur sprachlos.
Zum Stichwort INSOLVENZEN nur soviel:
1. Wird vor der Insolvenz von den Gesellschaftern und/oder der Geschäftsführung Geld aus dem Unternehmen herausgezogen, kann und wird dies vom Insolvenzverwalter zurückgefordert. Und sei sicher, daß dies die erste Baustelle ist, die ein Insolvenzverwalter prüfen wird, denn davon ist bei vielen Insolvenzen (diejenigen ohne ausreichend Masse), die Höhe seines Honorars abhängig.
2. Bei dem Fall der Verflechtung mit Mutter- bzw. Schwestergesellschaften ist der Fall exakt genauso gelagert. Abgesehen davon bekommt der Unternehmer, der eins seiner Unternehmen in die Pleite führt, für die anderen keine Kredite mehr bei Banken (wenn er dafür nicht sowieso mit seinem gesamten Vermögen haftet), Lieferanten liefern nur noch gegen Vorkasse, Kunden stellen die Lieferfähigkeit in Frage usw.
3. Die Mehrzahl der Unternehmen, die in den letzten Jahren in die Insolvenz gingen, waren Kleinbetriebe aus den Problembranchen Bau, Textileinzelhandel, Druckereien, Werbeagenturen u.ä. Die wenigen Biotech- und Internetinsolvenzen spielen da zahlentechnisch überhaupt keine Rolle. Ursache war (neben allen hausgemachten Problemen) die allgemeine wirtschaftliche Lage.
4. Sicher ist die Zahlungsmoral bzw. die Zahlungsfähigkeit der Kundschaft genauso wie die Kreditkündigung seitens der Banken oftmals der AUSLÖSER einer Insolvenz, so gut wie nie aber die URSACHE. Und wirklich floriende Unternehmen gehen auch nicht von einem auf den anderen Tag in die Insolvenz. Jede Insolvenz hat eine Vorgeschichte und deren Laufzeit läßt sich in Jahren bemessen, nicht in Tagen oder Wochen.
5. Insolvenzen sind im Regelfall nur für den Insolvenzverwalter und die Teilnehmer an den Zwangsversteigerungen lukrativ. Ansonsten handelt es sich im Regelfall um mehr oder weniger gigantische Wertvernichtungen. Betroffene sind nicht nur die Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verlieren, sondern in erster Linie auch die Unternehmer, bei denen oft die gesamte Existenz daran hängt.Und die Handvoll betrügerischer Konkurse in denen sich Schwindler auf Kosten von Gläubigern bereichern, spielen bei 40.000 Pleiten auch keine Rolle.
Würde mich freuen, wenn diese Informationen helfen ein bißchen Dunkel in das Thema Insolvenzen zu bringen, aber ich werde einfach den Verdacht nicht los, daß hier jemand nur seine Vorurteile und sein einseitig geprägtes Weltbild pflegen möchte.....
Mit ratlosem Gruß
Balian