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Alt 02.09.2004, 13:42
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Spinshot Spinshot ist offline
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AW: Kann man Doppel-spielen lernen?

Das gehört schon dazu, ein Doppel nicht durch sein Spiel kaputt zu machen. Als riskant offensiver Spieler muss mein Partner damit leben, dass ich meine Bälle mitunter erst mal einnorden muss und durchaus häufiger der erste Satz wegen mir ziemlich in die Grütze läuft. Ich kann auch noch die erste Hälfte des 2. Satzes verbocken, aber dann muss erkennbar sein, dass mein Spiel läuft und ich meinen Part spielen kann. Mit steigendem Druck komme ich meist in die Gänge und meist geht der Satz dann noch gut. Klappt es nicht, nehme ich mich zurück und versuche, eigene Fehler minimierend, meinen Partner bestmöglich ins Spiel zu bringen. Das ist das genaue Gegenteil von zwei Doppel spielenden Einzelspielern.

Es kommt sogar vor, dass es sinnvoller ist, wenn ich den "Ballhalter" mache. Das gehört auch zu einem guten Doppel, die Rollen ändern zu können.
Eigentlich ist es völlig klar, dass der spielstärkere (Doppel effektivere) Spieler das Doppel dominiert und der andere ihn ins Spiel bringt.
Spielte ich also mit Dir Doppel und Du wärst hinten effektiver als ich vorne, dann verlagerte sich mein Schwerpunkt auf Spielen, ich punktete vor allem sicherer.

Mein Partner und ich sind in der Spielstärke dicht beieinander (wir spielen beide vorderes PK). Es gehört dazu, dass je nach Tagesform der eine oder andere das Doppel dominiert.
Es ist auch normal, dass einer dem anderen sagt, was für eine Vorbereitung er für seine Bälle wünscht. Es ist immer verbaler und nonverbaler Dialog. Ich weiß durch Beobachtung genau wie meine Aufschläge zurückkommen müssen, damit mein Partner mit denen was anfangen kann und nicht sogar in Schwierigkeiten gerät. Mein Ball ist vor allem dann gut, wenn ich einen direkten Punkt gemacht habe oder mein Partner den Return vernünftig weiterspielen kann. Damit lässt sich das für mich einzugehende Risiko vernünftig abschätzen.

Ärger hatte ich mit meinem jetzigen Doppelpartner noch nie. Es kommt höchstens vor, dass ich bedauere nicht mehr zum Doppel beitragen zu können. Aber es ist eine wichtige Sache zu akzeptieren, dass man mal in großartiger Manier im Doppel aufspielt und das nächste mal vom Partner durchgeschleppt wird.
Ein Doppel durch das eigene Spiel kaputt zu machen (dem Partner alle Möglichkeiten zu nehmen!) ist einer der größten, möglichen Fehler. Dazu gibt es nie eine Notwendigkeit. Daran kann man aber arbeiten!

Manchmal geht das nicht. Einer, mit dem ich > 10 Jahre Doppel gespielt habe (und 8 Jahre Badmintondoppel, das ist die hohe Kunst, feinstes Schlägerschach) hat lange darauf bestanden im Doppel viel Schießen zu müssen (weil, Schießen ist schick) und es mitunter kaputt geschossen. Ob der grundsätzlichen Doppeluntauglichkeit dieser Spielerei hat es immer wieder zwischen uns geknirscht. Irgendwann hat er dann doch sein Doppel taugliches Allroundspiel aufgezogen und alle Probleme waren vom Tisch. Wenn einer gut drauf ist, dann lässt ihn der andere, umgekehrt gehört auch bremsen dazu und wir haben viele schöne Doppel gespielt. (Ein gutes Badmintondoppel ist ein Traum, da muss man - ohne den Zwang des abwechselnden Spielens - noch viel stärker und taktischer zusammenspielen)

Wenn man so einen Mist spielt, dass der Partner das überkompensieren muss, dann ist ist das zuviel. Das darf nicht ohne Not passieren. Der Zwang zum kooperativen Spielen im Doppel entsteht schlicht dadurch, dass man in aller Regel ein Doppel nicht alleine gewinnen kann.

Gruß, Nik
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Gruß von der Ostsee
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