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Alt 04.12.2019, 15:13
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crycorner crycorner ist offline
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Zitat:
Zitat von Deserteur Beitrag anzeigen
Verstehe ich das richtig, dass es also ok ist, jemandem Geld abzuzwacken, für das er hart gearbeitet hat, aber es völlig unvorstellbar ist, jemanden zu besteuern, der für sein Geld nichts gemacht hat? Mal ganz abgesehen davon, dass das Vererben hoher Beträge das Leistungsprinzip völlig auf den Kopf stellt. Ich bin mit Noppe zwar selten einer Meinung, aber das Prinzip vom Zinseszins hat er verstanden.
Ja, das verstehst Du richtig. Bis auf den Blickwinkel. Wenn Vermögen in einer direkten Erbfolge weitergegeben wird, ist das volkswirtschaftlich komplett irrelevant. Dabei beschränke ich das auf Familie. Wenn ein Dritter das Vermögen bekommt, ist das für mich was Anderes.

Erbschaftssteuer ist eine Besitzsteuer. Zwar gibt es recht hohe Freibeträge und innerhalb der familiären Erbfolge keine extremen Steuersätze, aber eine Erbschaft wird im Prinzip wie ein Einkommen betrachtet. Versteuert über eine Besitzsteuer.

Meine persönliche Meinung zum Thema Erbschaftssteuer ist jedoch, dass der Staat da nichts versteuern dürfen sollte innerhalb eines bestimmten Kreises der Familie. Egal ob 400.000 (=Freibetrag) oder 4.000.000.

Alles Weitere, was Du da aufführst, sind Verkehrs- oder Verbrauchssteuern. Das ist was völlig Anderes. Da finden immer mindestens zweiseitige Rechtsgeschäfte statt, an denen der Staat mit verdient. Erbschaft ist ein einseitiges Rechtsgeschäft. So wie auch Schenkung.

Und über das Leistungsprinzip würde ich mir bei den paar Leuten, die das Glück haben, fett zu erben, ohnehin keine Sorge machen. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Erben erbt ja kein Geld, sondern ein Unternehmen. Und da müssen sie dann als Geschäftsführer ran und bringen sehr wohl ihre Leistung. Im Übrigen häufig noch mit ganz anderem Druck im Nacken als unsereins. Da steht dann nämlich die Familie dahinter und schaut dem Spross sehr genau auf die Finger. Weil das eben Familienvermögen ist, von dem dann auch die weiteren Generationen zehren sollen. Und je höher das Vermögen, desto größer die Verantwortung.

Zitat:
Zitat von Deserteur Beitrag anzeigen
Wir haben in Deutschland größenteils den Konsens, dass Vererbung von Macht (Adel) und Dynastiebildung keine gute Idee ist. Wenn sich jetzt aber Gelddynastien (und damit wieder Vererbung von Macht) bilden ist das plötzlich für dich in Ordnung?
Ich hatte bei dem Begriff Dynastie nicht unbedingt an die oberen 10.000 gedacht, sondern auch an alle Mittelstandsfamilien, die es über Generationen hinweg geschafft haben, genug Vermögen aufzubauen, damit die nachfolgenden Generationen ein besseres Leben haben. War eine falsche Begriffsverwendung. Dynastie bezieht sich ja nur auf die ganz mächtigen Familien.
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