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Alt 04.09.2004, 13:21
Taugenichts Taugenichts ist offline
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AW: Wie erkenne ich ein Tischtennistalent?

Was ist denn das berühmte "Händchen", das ein Talent (im Sinne von angeborener Begabung) ausmacht? - Uebrigens begeben wir uns mit diesem Thread mit einem allfälligen Versuch, Angeborenes von Erlerntem zu unterscheiden, auf ein auch wissenschaftlich sehr kontroverses und offenes Feld, oder?

Sicher spielen die schon mehrfach erwähnten koordinativen Fähigkeiten eine ganz entscheidende Rolle und machen wohl auch einen bedeutenden Teil des "Händchens" aus. Inwiefern sind die aber vorhanden oder trainierbar? Hier gehört wahrscheinlich auch die motorische Lernfähigkeit hin (wie schnell erlernt ein Spieler z.B. einen vernünftigen VH-Topspin?).

Das "Händchen" hat wohl zudem noch etwas zu tun mit der auch schon erwähnten mehr intuitiven Fähigkeit, Ballflugkurven und Verhalten vorausberechnen zu können (wer das nicht so gut kann aber koordinativ eigentlich gut ist wird halt Kunstturner? ). Da wird es wahrscheinlich auch schwierig, konstitutionell mitgebrachtes von erlerntem zu unterscheiden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist das Spielverständnis. Da gehört für mich auch die Antizipationsfähigkeit rein (z.B. sind viele Fussballer technisch beschlagen, aber nur der geniale Spielmacher kriegt den guten Pass im richtigen Moment in die richtige Gasse rein...). Gewissen Spielern muss man ja als Coach nicht sagen, wie sie gegen einen bestimmten Gegner spielen sollen, die machen das automatisch richtig (und vielleicht sogar noch viel cleverer als man es nach einer "Standardmethode" geraten hätte...). Da spielen also gewisse intellektuelle Fähigkeiten mit (wobei Spielintelligenz nicht unbedingt mit anderen geistigen Fähigkeiten zusammengehen muss). Aber auch da ist angeboren oder erlernt kaum richtig unterscheidbar.

Andere Fähigkeiten, die im Thread als hauptsächlich erlernbar diskutiert wurden, sind möglicherweise auch nicht besser zu erlernen als die für das "Händchen" wichtigen Voraussetzungen.
Z.B. die Schnelligkeit (v.a. der Beine): Hängt halt hauptsächlich von der Muskelfaserzusammensetzung (wieviel schnellkräftige Weisse im Verhältnis zu den Roten?) und von den anatomischen Hebelverhältnissen ab.
Ganz schlecht trainierbar ist die Reaktionszeit, die ist quasi sowas wie der "Fingerabdruck".
Die mentalen Faktoren sind auch nicht unbegrenzt zu verbessern. Psychische Stabilität in Stresssituationen ist auch zu einem grossen Teil konstitutionell gegeben. Wenn man ein "Nervenbündel" ist kann man nicht auf eine völlige Charakterumkehr hoffen, man kann nur modifizierende Techniken erlernen (Autogenes Training, etc...) und die stressigen Wettkampfsituationen im Training häufig simulieren (gewisse Aerzte wissen schon, warum sie eher Dermatologe als Intensivmediziner werden, es gibt halt kaum zu überwindende Charakterzüge... ). Ins selbe Kapitel gehört der sogenannte "Wille".

Das optimale Talent wäre also ein Spieler mit Ballgefühl, hohen koordinativen Fähigkeiten, grosser Spielintelligenz und Antizipationsfähigkeit, kurzer Reaktionszeit, grosser Grundschnelligkeit (physiologisch zu messen), grosser psychischer Stabilität und Killerinstinkt (und vielleicht der Fähigkeit, den Gegner mental aus dem Konzept zu bringen), grossem "Willen". Sowas gibt's in der Realität wohl sehr sehr selten. Gottseidank braucht unsere Sportart eine Irrsinnsvielfalt an persönlichen Voraussetzungen (trainierbar oder nicht), so dass grosse Spieler sicher verschiedene Kombinationen zu einem individuellen Spielstil entwickeln können.
Ausserdem würde ich wohl einem solchen Supertalent auf fast allen Ebenen wohl aus pekuniären Gründen eher raten, die Sportart zu wechseln (Roger ist ja Tennisspieler und verdient damit recht gut ).
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