Hi Spinshot
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Zitat von Spinshot
Ich habe Zweifel, ob es sinnvoll ist, wenn man sich bestimmte Spielgewinne fest vornimmt. Für mich wichtiger ist das grundsätzliche Zutrauen in meine Fähigkeiten und die Bereitschaft zu gewinnen!
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Also gibt es deiner Meinung nach Spielgewinne, die du dir fest vornimmst und andere, bei denen du dir nichts vornimmst? Worin bestehen den die Unterschiede? Sind es die schwierigen Gegner oder eher die leichten Gegner, bei denen du nichts vornimmst?
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Idealerweise gehe ich völlig offen an ein Spiel ran und sehe zu, dass ich mein Spiel machen kann. Wenn das gelingt, gewinne ich das Spiel. Setzt er mich unter Druck, wird es erst wirklich interessant. Ich muss suchen, wie ich dem spielerischen Druck standhalte oder ihn verringere. In Verbindung mit meinen .d.R erst einzunordenden offensiven Bällen (meinen tagesabhängigen Möglichkeiten) kann ich abschätzen ob ich rechtzeitig in die Gänge komme und ob ich Chancen habe. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich einen 0:2 Satzstand häufiger umdrehen kann. Das war jetzt beiläufiger Schmonzes, entscheidend ist, erst wenn sich eine Chance zum Gewinn des Spieles ergibt, dann wird es zum konkreten, weitgehend bedingungslosen Ziel!
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Du machst dein Siegeswille abhängig von der Tagesform, Stärke des Gegeners, den Spielstand und deiner Routine (gegen bestimmte Gegner), wenn ich das richtig verstehe?
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Vorher hilft es mir nicht (ich habe gelinde gesagt Zweifel an der "Großspurnummer" ), es ist es mir höchstens hinderlich.
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Wieso ist die "Nummer" hinderlich?
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Das "Gewinnen wollen" ist dann immer noch nicht präsenter Gedanke sondern äußert sich dadurch, dass ich ab dann den nächsten Ballwechsel stark fokussiere. Nur das Spiel meines Gegners, mein Spiel und der aktuelle Ballwechsel zählt. Es macht keinen Unterschied ob zum 9:10, 12:12 oder 14:12. [edit] Des Messers Schneide ist mir dann egal.
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Dem kann ich nichts entgegensetzen. Das ist ein schönes Beispiel für Flow. Könnte auch sein, dass des "Messers Schneide" erst den richtigen Kick bringt? Der Nervenkitzel wird bei mir grösser, je länger der Satz in die Verlängerung geht.
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Ich sage es mal so, durch die persönliche "Herbeiredung" , halt den Anspruch des Spielgewinns muss ich eher Anspruch und Wirklichkeit vergleichen und setze mich z.B. bei einem 0:2 Satzrückstand wegen der entstehenden Differenz zwangsläufig unter Druck.
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Ich verstehe das Argument, kann es jedoch für mich nicht so stehen lassen. Ich setze mich mit dem Siegeswillen nicht unter Druck. Stell dir mal vor, du würdest jeden Punkt so spielen, wie in den oben beschriebenen Situationen, wo es eng wird. Da stellt sich doch so was wie Flow ein. Wieso soll nicht vom Anfang eines Matches an eine solche Intensität möglich sein. Wenn von Anfang an jeder Punkt satzentscheidend sein würde, wären wir alle sehr viel mehr im Flow-Zustand. Woher kommt den der Kick, wenn es eng wird? Es ist doch der plötzlich eintretende Siegeswille, denn du merkst, dass du den Gegner schlagen kannst. Wenn du grundsätzlich nur in engen Situationen dieses "Flow-Feeling" hast, stimmt meiner Meinung nach etwas nicht, bei den unbedeutenden Ballwechseln. Vielleicht spielst du deine ganze Routine aus und weisst, dass der "schwächere" Gegner mit Köpfchen und Spielerfahrung zu schlagen ist. Hier besteht auch meiner Meinung nach eine grosse Gefahr der Unterforderung und der damit verbundenen Langweile. Überlege doch einfach mal, an welche Matche du dich noch gut erinnern kannst. Ich erinnere mich kaum an Matche, wo ich quasi im Schlaf gegen schwächere Gegner gewonnen habe. Ich erinnere mich jedoch sehr genau, an die Matche, wo es eng geworden ist. Warum bemühe ich mich nicht stärker gegen "schwächere" Gegner? Ganz klar, weil ich Angst habe, gegen diese zu verlieren. Erst da werde ich wirklich "arrogant" und bringe die Bälle so, dass ich direkt deren Schwachpunkte ausnutze. Jetzt kann man sagen, dass das ein legitimes Mittel ist, zu gewinnen. Aber habe ich wirklich gewonnen? Ich kann nur aus vollem Herzen gewinnen, wenn es mir gelingt, meine eigenen Grenzen zu überwinden und über mich hinaus zu wachsen. Das kann ich jedoch nur, wenn diese Zuversicht da ist, dass ich auch gewinnen kann, wenn ich an meine Grenzen gehe. Ich seh's letztlich so, dass der Siegeswille und die Gewissheit von der Möglichkeit des Sieges mir hilft, mich von meinen Selbstzweifeln zu lösen und über mich hinauszuwachsen.
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Aber immerhin hat mich das Thema veranlasst, es mal mit Flow im Training zu versuchen. Das Resultat eines knapp 3-stündigen Trainingsabends waren etwa 15 Min. Flow (ununterbrochen), in denen ich erstaunlich besser spielte als sonst. Ich kann aber nicht sagen warum. Es funktioniert dann halt. Es ist eine unbewusste Geschichte, ganz nett, bringt mir aber nur dann was, wenn ich ein Spiel gewinnen will. Es geht nicht oft, der TT-Alltag ist Flow-frei.
Sorry, das Posting ist zu lang geworden.
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Wieso muss der TT-Alltag Flow-frei sein?
Es gibt doch so viele Möglichkeiten, die eigenen Grenzen zu überwinden: Beim Einspielen so wenig Fehler wie möglich zu machen; Mal eine extremere Beinarbeitsübung einzubauen; Den schwächeren Trainigsgegener im Match nur mit passivem Spiel zu besiegen. usw.
Nicht umsonst ist der wichtigeste Teil der Flow-Theorie die "Balance zwischen Herausforderung und Können". Du kannst dir irgendeine Situation heraussuchen, die dich herausfordert aber nicht überfordert und plötzlich ist er da, der FLOW. Ziel sind einfach Ausdruck dieses Bedürfnisses, die eigenen Grenzen zu überschreitten. Ohne sorgfälltig abgestimmte Ziele gäbe es keinen Flow, denn das wäre eine recht langweilige Kiste.
Gruss
Martin