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Alt 30.01.2020, 14:30
Nieschreiber Nieschreiber ist offline
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AW: Zukunft der Automobil Industrie - Neuordnung auf dem Weltmarkt durch Elektromobil

Was genau willst Du damit sagen?
Was hat das eigentlich mit dem Thread-Thema E-Mobilität zu tun?

Dass Herr Musk gern bereit ist, auch mal sauviel Geld zu verbrennen um Aufmerksamkeit zu erhalten, ist ja nun auch nicht neu.

Sind nun die Auftragsbücher des Herrn Musk für Akku-Parks zur Netzstabilisierung voll? Wieviel Gewinn hat er denn nun seit dem damit erzielt?

Versteh' mich bitte nicht falsch, ich find's ja gut, wenn der weltweite Energieertrag mittels Solaranlagen besser als erwartet steigt. Hab' ja selbst seit 5 Jahren eine solche Anlage. Trotzdem sehe ich, dass der CO2-Ausstoss immer noch steigt. Und mal etwas kleiner als global vor der eigenen Haustür gekehrt, sehe ich wie unfähig unsere in Veranstwortung stehenden Politiker sich verhalten, wenn es um Konzepte für eine Eneriewende geht. Die kriegen es gerade mal hin, mir mit meiner popeligen 7,15 kW/p-Anlage mit der dafür nötigen Steuererklärung maximal auf den Sack zu gehen. In den hoch subventionierten Offshore Windparks wird weiterhin, wenn der Wind kräftig bläst fleißig Geld für ungenutze Energie gezahlt, weil die nötigen Trassen fehlen, die garantierten kW/h-Preise aber gezahlt werden müssen.

Bei der E-Mobilität wünsche ich mir, dass ehrlicher damit umgegangen wird. Da wird leider viel bullshit erzählt. Ich weiß aus praktischer Erfahrung, was sich so ein Plugin-Hybrid auf den für diesen Fahrzeugtyp typischen, innerstädtischen Kurzstrecken an Strom in der Winterzeit ganz real reintut. Ich weiß auch was Ökostrom kostet, weil ich ihn beziehe bzw teils selbst erzeuge.

Was die Realität bei der Haltbarkeit von LiIon-Akkus bei Fahrzeugen angeht, kenne ich mich zumindest rein praktisch ein klein wenig aus. Fahre seit ca 5 Jahren nen 45 km/h E-Roller - ein nützliches und sehr praktisches Stadtfahrzeug übrigens. Nach nun ca 5 Jahren und knapp 6000 gefahrenen Kilometern haben die Akkus noch wohlwollende 70% der Nennkapazität. 6000 km entsprechen ca 60 Vollladezyklen. Mich stört das (noch) nicht, denn für mein Nutzungsprofil reicht das immer noch locker aus. Nur mit den begeisterten Erzählungen der E-Mobilitäts-Theoretiker hat das rein gar nichts zu tun. Da wird gefühlt gar mehr gelogen bzw noch rosiger prognostiziert als bei den Angaben von Verbrennern.

Hier gibt es jemanden, der beruflich recht häufig mit Norwegern zu tun hat. In Norwegen werden vergleichsweise viele E-Autos gefahren. Gerade in den Wintermonaten kannste selbst die ehrlichen, pessimistischen Reichweitenangaben in der Praxis locker halbieren. Das ist die Realität. Die Norweger jammern allerdings nicht rum, sondern arangieren sich mit den tasächlichen Gegebenheiten. Solange sie von A nach B kommen und dort wieder laden können, machen die daraus kein Drama.

Um es kurz zu machen E-Mobilität ist im Jahr 2020 machbar, aber halt mit finanziellem Mehraufwand und technikbedingten Nachteilen im Vergleich zu Verbrennern. Das ist die Realität.

Leute, die auf Idividualverkehr angewiesen sind, weil sie im ländlichen Raum leben, der mit dem ÖPNV schlecht angebunden und der leider in den letzten Jahrzehnten auch immer schlechter geworden ist, die nicht zu den Spitzenverdienern zählen, können sich derzeit E-Mobilität gar nicht leisten. Ohne eigene Immobilie, bei der gesichert für eine Ladevorrichtung gesorgt werden kann, macht es schon der bescheidenen Ladeinfrastruktur wegen wenig bis gar keinen Sinn.

Sorry, bei all meiner Begeisterung für E-Mobilität, die in erster Linie darauf fußt, dass die Einsicht vorhanden ist, dass sich was ändern muss, kann ich die real vorhandenen Probleme, die für sehr viele Leute noch unüberwindbar sind, nicht mit detailverliebten, rein theoretischen Annahmen und Behauptungen wegdiskutieren.

Menschen wird man meiner Meinung nach nur überzeugen können, wenn man ehrlich ist. Dazu gehört auch, dass den Menschen klar gemacht werden muss, dass sie keinen Anspruch darauf haben ihre lieb gewonnene Bequemlichkeit aufrecht zu erhalten. Leider fällt letzteres den in der Verantwortung stehenden Politikern mehr als schwer, denn nach der Wahl ist vor der Wahl.
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