Die Grenzen des Sagbaren haben sich verschoben. Daran sind die AfD und ihre Dulder schuld. Es ist vielfach eine Mär, wenn behauptet wird, Höckes oder Kalbitz' Partei sei eine Protestpartei, die Politikverdrossenen eine Stimme gebe. Die Partei, die mit Volksverhetzern auf Demonstrationen mitmarschiert und nicht bereit ist, sich von der Nazi-Ideologie zu distanzieren, erfreut sich beispielsweise nicht zu unterschätzender Beliebtheit unter westdeutschen Jugendlichen, die nicht zu den sozial abgehängten kategorisiert werden können. So grassieren wohl immer mehr Chats, in denen beispielsweise Abiturienten Nazi-Meme austauschen oder sich antisemitisch äußern.
https://www.rnz.de/nachrichten/metro...id,497559.html
Nun kann man sagen, das passiert halt in Mannheim, einer Stadt, die nicht zu den reichsten in Baden-Württemberg gehört, in der es Problemviertel gibt, die deutschlandweit Bekanntheit erlangt haben.
Nur das, was im städtischen Mannheim passiert, ist auch schon in Schulen angekommen im ländlichen Nordbaden bzw. Nord-Württemberg, wo ich unterrichte. Wirtschaftlich ist die Region als stark zu bezeichnen. Arbeitgeber hier sind beispielsweise SAP, Audi oder die Schwarz-Gruppe. Die Kriminalitätsrate ist niedrig. Die Schüler, die sich an diesen Chats in meiner Region beteiligt haben und beteiligen, hatten KZ-Gedenkstätten besucht und sich in der Schule fächerübergreifend mit dem Holocaust auseinandergesetzt. Trotzdem reißen dann die Gymnasiasten online antisemitische Witze und verharmlosen oder verherrlichen den Nationalsozialismus. Ich gehe bei einigen davon aus, dass sie nicht wissen, was sie tun - und sich mit unbedachten Provokationen wichtigmachen wollen. Bei allen schließen ich das aber nicht aus. Das ist oftmals nicht nur Protest oder Provokation, um sich Gehör zu verschaffen, sondern insgeheim auch Bekenntnis zu einer Ideologie. Etwas anderes anzunehmen, wäre naiv.
Es bringt nichts, über AfD-Wähler zu schimpfen. Den Fehler hat einst Hillary Clinton gemacht, als sie Trump-Wähler als dumm bezeichnet hat. Aber die führenden Politiker der rechtsnationalen Partei müssen natürlich verbal hart angegangen werden. Und einen Pakt mit Höcke, wie in Thüringen kurzzeitig geschehen, darf es nicht geben. Noch sind die "Anständigen" in der Mehrheit. Sie sind es aber irgendwann nicht mehr, wenn die Gefahr von rechts weiter verharmlost wird, indem behauptet wird, in der AfD formiere sich lediglich Protest gegen die Politik der etablierten Parteien.