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Alt 14.02.2020, 02:30
User 549405 User 549405 ist offline
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AW: Trainingskultur im Tischtennisverein

Ich fühle bei so vielen Beiträgen hier schmerzhaft mit.

Ich hab Tischtennis nach ewiger Pause seit der Jugend für mich wieder entdeckt und bin seit einem Jahr erneut in einem Verein. Mit ein bisschen Wehmut - hätte ich unsere tolle Sportart doch nicht so viele Jahre ruhen lassen!

Seit dem stehe ich immer 3-4x die Woche in der Halle. Hab mal einen Wochenendkurs besucht, eine Einzelstunde genommen, was mich beides spielerisch spürbar weiter gebracht hat. Aber das ist halt nix regelmäßiges. Ich bin eigentlich richtig motiviert und hätte Lust, mich mehrmals die Woche an Balleimern abzurackern und bis zum gehtnichtmehr zu powern. Selbst für Beinarbeits-Training könnte ich mich begeistern, was ich zur Jugend ja gehasst habe.

Ich würde echt gerne wissen, was so "geht" und wo mein persönliches Limit ist.

Die Realität ist, dass ich mich in meinem Verein zwar richtig wohl fühle, aber wir natürlich kein Systemtraining haben und keinen Trainer. Also wie in jedem Amateur-Verein. Meine Trainingssituation sieht so aus, dass meine Partner meist (erwachsene) Neueinsteiger sind oder altgediente Herren mit unkonventionellem Spielstil. Die ersteren versuche ich dann etwas zu coachen, weil ich dank meinem Jugendtrainer doch ein paar Basics gelernt habe die ich weitergeben kann. Und das auch dankbar angenommen wird, auch wenn meine Möglichkeiten natürlich bescheiden sind. Aber mit stärkeren Spielern zwischen 1400-1500 trainiere ich nur selten. In der Regel spiele ich mit Leuten, wo ich nicht das Gefühl habe 110% geben zu müssen, sondern wo 80% reichen. Mit entsprechender Körperspannung stehe ich dann an der Platte.

Zur Einordnung, ich hab seit meiner Erst-Einstufung letzte Halbserie ca. 100 TTR gewonnen und bin jetzt bei knapp 1200. Und bin da direkt an einer ersten Wand angelangt. Gefühlt sind für mich Spieler bis 1300 absolut machbar. Ab 1400 würde ich sagen dass ich keine Chance habe. Aber in der Realität bekomme ich bereits ab 1250 mein Angriffsspiel nicht durchgezogen und mache zu viele unenforced errors. Probleme bei der Aufschlagannahme, falsche Entscheidungen wann ich einen VH Eröffnungs-Topspin mache, schlechte Beinarbeit, keinen Mut Bälle zu schießen die ich im Training locker verwandeln würde, kein hartes Nachspielen, und so weiter. Sobald ich mich auf mitspielen oder Schupfduelle einlasse bin ich auf der Verliererstraße. Wenn ich Druck machen kann gewinne ich. Das sind selten Niederlagen mit denen ich meinen Frieden habe, sondern meist welche wo ich denke: das wäre durchaus machbar gewesen, aber ich hab's nicht gebracht, weil ich mein Spiel nicht durchgezogen bekommen habe.
Das Ergebnis straft mich blöderweise Lügen. Wer gewinnt hat besser gespielt!

Wie komme ich da raus? Wenn ich im Training mit besagten Partnern nur diagonal bei 80% meiner Geschwindigkeit Konter oder TS spiele, kommen die ersten zwei Bälle auf meine VH zurück. Der Dritte landet in der Mitte. Der Vierte in meiner Rückhand - was ich umlaufe weil wir ja Vorhand üben. Der Fünfte in meiner weiten Vorhand und damit unerreichbar für mich.

Wenn ich dann alle zwei Wochen mit einem 1500er oder 1600er trainiere, ist die Geschwindigkeit auf einmal bei 130% für mich, und ich bin derjenige der die Bälle über die Platte schlägt/blockt wie ein Idiot. Auf einmal ist da Druck im Ball. Und die Topspins haben Rotation. Die Angaben sind dünn getroffen. Dann spielen wir 30 min, wechseln Trainingspartner und ich bin wieder in der 3. KK angelangt.

Am übelsten ist es vor Ligaspielen. Mein Spielstil ist offensiv, ich brauche beim Einspielen ein gewisses Ballgefühl und Sicherheit. Ich will da beidseitig 5-10 TS nacheinander diagonal ziehen können. Am liebsten danach noch parallel. In der Realität ziehe ich zwei, dann landet der Ball in meiner Rückhand oder hinter der Platte - weil mein Partner - höhö - säbelt, oder auf Punktgewinn einen Endschlag ansetzt. Da hilft auch keine klare Bitte, wie ich mir Einspielen vorstelle.

Toll, wenn ich für die Mannschaft bei der ich aushelfe Punkte hole. Nicht toll wenn ich beim Einspielen punkte. Das ist _so_ frustrierend. Ich bin dadurch schon demotiviert bevor das eigentliche Spiel angefangen hat. Die übliche Diskrepanz zwischen Training und Punktspiel verstärkt das nur.

Wie komme ich da raus? Ich hab mir mittelfristig 1400 TTR als Ziel gesetzt. Aber ich trainiere fast nur mit Menschen die zwischen 1000-1200 liegen. Wie gestalte ich das für mich effektiv? Ich bin wirklich motiviert zu lernen. Ich schaue viele Tutorials auf Youtube, übe auch mal trocken daheim vor dem Spiegel ... trotzdem fühlt sich das für mich gerade als Sackgasse an.
  • Wie gestalte ich grundsätzlich 20 min effektives Training mit einem technisch schwächeren Spieler?
  • Was für Übungen sind dafür geeignet?
  • Worauf sollte ich mein Augenmerk richten, dass ich auch etwas davon habe? Da gibt es doch bestimmt etwas wovon wir beide profitieren.

Viele Grüße aus der letzten Kreisklasse.
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