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Zitat von alba
Was lernen wir aus der Geschichte? Direkt nach der spanischenGrippe begannen die goldenen 20-er.
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Das ist historisch so nicht korrekt. Erstmal kam es zu der Hyperinflation und daraufhin zu einer massiven Umverteilung in der Gesellschaft. Die "bürgerliche Mitte", die über wenig Sachwerte verfügte wurde faktisch enteignet. Nach der Währungsreform begann ein Aufschwung, der in etwa mit dem der letzten 10 Jahre vergleichbar war. Es gab zwar Arbeit, aber das Großkapital hat weit überproportional profitiert. "Babylon Berlin" galt für die kleine Oberschicht, die Masse lebte in Mietskasernen mit Flurklo und vielen Kindern auf engstem Raum. Seuchen wie Diphterie, Tuberkulose, Masern oder Mumps waren, mangels verfügbaren Impfungen und Hygiene, an der Tagesordnung. Nach der Krise ab 1929 verfiel die Mittelschicht, die kaum Reserven hatte, in flächendeckende Arbeitslosigkeit. Danach kam Hitler, der durch massivste Staatsverschuldung und Aufrüstung, zwar einen gewissen Wohlstand brachte (und nebenbei die Superreichen noch reicher machte), Deutschland 1939 aber faktisch vor der Staatspleite stand. Der eigentlich für 1940/41 geplante Krieg wurde auch deswegen von ihm vorgezogen. Ähnliches galt für Japan 1941, die durch das Ölembargo der USA faktisch vor dem Ruin standen.
Soviel mal zur Geschichte, wobei das Szenario "Entschuldung durch Krieg" seit der Erfindung der Atombonbe (wer zuerst schießt stirbt als Zweiter) nahezu ausgeschlossen ist.
Man hat insofern aus der Geschichte gelernt, dass im Grunde immer der Weg eines "New Deals" gewählt wird, wie ihn die USA nach der großen Depression gegangen sind. Heute heißt das "Konjunkturpaket".
Ob das diesmal so funktioniert wie in den letzten Krisen weiss noch niemand. Da man fast sämtliche Konjunkturhebel schon in der letzten Krise "verbraucht" hat, fängt man jetzt an mehr oder minder ungezügelt Geld zu drucken. Das wird nicht in eine Situation wie Anfang der 20er führen als sämtliche Barvermögen vernichtet wurden, allerdings wird es nach mathematischer Logik durch die Erhöhung der Geldmenge und durch die Verknappung mancher Güter (globale Lieferketten, Insolvenzen) zu einer merkbaren Inflation bei Alltagsgütern kommen, Luxusgüter werden zunächst eher deflationär sein, da sie weniger nachgefragt sind (Ausnahme Gold).
Mittelfristig erwarte ich einen erheblichen inflationären Wertzuwachs bei stabilen Assets durch eine Marktbereinigubg, steigende Abgaben und Steuern für die breite "Mitte" bei stagnierenden Löhnen und Renten.
Insofern werden wir eine weitere Spaltung der Gesellschaft erleben. Wer die Krise übersteht und ein knappes Gut anbietet, was zum Beispiel auch für Messebauer gilt, die in der Krise nicht insolvent gehen oder Restaurants, die überleben, wird sich eine goldene Nase verdienen. Wer bei einem Autozulieferer arbeitet wird sich aber auf mehrere "Nullrunden" bei stark steigenden Preisen des täglichen Lebebs einstellen müssen. Schon im Februar/März sind die Preise für Obst/Fleisch in Deutschland um knapp 9% angezogen. Ich bin mir auch recht sicher, dass die TT-Händler, nach anfänglichen Angeboten, um erstmal Cash zu generieren, die Preise auf Sicht nochmal deutlich anziehen werden. Gleiches wird bei anderen Sportmarken passieren, die sich zur Zeit über Kredite weiterfinanzieren. Siehe Adidas und der Staatskredit. 2008/2009 hat man die Krise die unteren 10% der Bevölkerung zahlen lassen. In fast allen westlichen Staaten. Das wird diesmal so nicht funktionieren. Also wird man es über Inflation lösen. Um Unruhen zu vermeiden wird man die Grundrente umsetzen und, wie die SPD schon angekündigt hat, den Mindestlohn etwas draufsetzen, wahrscheinlich auf 12 Euro oder ähnlich. Der Rest wird über Inflation gelöst werden. Die Höhe kann man ausrechnen. Nehmen die Staatsschulden um 30% zu, was bei einer Steigerung von 60% auf 80% des BIP der Fall wäre, dann entschuldet man sich, indem man eine Inflation von 30% erzeugt. Je nachdem wie der Dollar und die USA sich entwickeln vielleicht auch ein Teil über Abwertung des Euro.
Ergo zahlt es diesmal die breite Mitte, sofern diese nicht selbst etwas ausgleicht indem sie Aktien oder andere Sachwerte hält.
Sorry für den langen Text, aber hier von einem Anfang einer goldenen Zeit zu sprechen und das ganze noch historisch falsch zu begründen halte ich für äußerst fragwürdig.