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Alt 24.04.2020, 10:22
Jacks_h21 Jacks_h21 ist offline
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Jacks_h21 kommt allgemein ganz gut an (Renommeepunkte mindestens +60)
AW: Corona: Empfehlungen zum vereinsbasierten Sporttreiben im Tischtennis

Anmerkungen zu den einzelnen Empfehlungen:

Vorbemerkungen:
1. Präventionsmaßnahmen zur Infektionsreduktion sind immer Maßnahmen zur Risikoreduktion. Wer den absoluten Schutz will, erreicht dies nur mit zu Hause bleiben und vollständige Isolation. Jeder, der das Haus verlässt, setzt sich bereits einem Infektionsrisiko aus * und das wohlbemerkt bereits, bevor er überhaupt die Trainingshalle erreicht. Alle Präventionsmaßnahmen sollten also die bestmögliche Risikoreduktion bezüglich der Virusübertragung bieten, aber keinen absoluten Schutz vorgaukeln.
2. SARS-CoV-2 wird nach heutigem Kenntnisstand nahezu ausschließlich durch Mensch-Mensch-Kontakte und hier durch infektiöse Atemaerosole über sehr kurze Distanzen (<1,5 Meter) übertragen. Anders als bei vielen Bakterien gibt es bei Coronaviren KEINE KLASSISCHEN SCHMIERINFEKTIONEN * eine Infektion über kontaminierte Flächen und Gegenstände ist überhaupt nur denkbar, wenn die Kontamination mit infektiösen Aerosolen in einem sehr kurzen Zeitraum stattfindet, bevor eine Austrocknung des Aerosols (Austrocknung zerstört die Lipidhülle des Virus) stattgefunden hat (Beispiel: in Hand husten --> Türklinke anfassen --> nächster fasst Türklinke an und greift sich anschließend ins Gesicht). Auf einem trocken gehaltenen Tischtennisball werden allein durch den Ballflug die Aerosole abgeschüttelt bzw. kleinste Tröpfchen austrocknen * die Vorstellung also, dass sich auf einem Ball infektionsfähiges Virus in ausreichend hohen Konzentrationen befindet, um tatsächlich eine Infektion des Spielpartners zu ermöglichen, kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Die zu treffenden Maßnahmen sollten sich an den allgemeinen Empfehlungen zur Risikoreduktion einer Coronavirus-Übertragung orientieren. Also:
1. Abstand halten (mind. 1,5 m)
2. Handhygiene: Händewaschen vor dem Sport, am besten auch Händedesinfektion zwischendurch
3. Husten-Hygiene: Husten in die Ellenbeuge.
4. Bei Anzeichen einer Erkältung unbedingt zu Hause bleiben!
Diese Regeln verlieren in der Halle keinesfalls ihre Gültigkeit.

Zusätzliche Regeln machen nur dort Sinn, wo sie zur besseren Einhaltung dieser allgemeinen Regeln beitragen. Deshalb wird im Folgenden eine nähere Betrachtung der vom DTTB vorgeschlagenen Empfehlungen vorgenommen:

- Obergrenzen für Teilnehmerzahl in der Halle machen Sinn, um die Abstandsregel zu gewährleisten. Wir sollten uns angewöhnen, die Tische im Trainingsbetrieb auch entsprechend weit zu stellen (Vorschlag: 3 m Abstand)
- keine Leihschläger*? Die Besitzverhältnisse ändern nichts an der Ansteckungsfähigkeit. Sicher sollte ein Schläger nicht unmittelbar von einer Hand in die Hand eines anderen Spielers wandeln. Sinnvoller wäre also eine Regelung wie *kein Schlägertausch innerhalb der Trainingseinheit* (wie erwähnt: Es gibt keine klassische Schmierinfektion)
- Trainingspaarungen: Wenn die Abstandsregel eingehalten wird, ist die Häufigkeit des Partnerwechsels unerheblich.
- Für Angehörige von Risikogruppen wird das Risiko nicht geringer, wenn sie unter sich trainieren. Die Risikominimierung findet durch die Umsetzung der Empfehlungen und nicht durch Abgrenzung der Risikogruppen statt. Die CoViD-19-Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen zeugen davon, dass sie Separierung per se nicht vor dem Risiko schützt. Diese Empfehlung birgt dagegen ein Risiko der Ausgrenzung exakt dieser Gruppe. Die Entscheidung, ob sie am Training teilnehmen oder lieber zu Hause bleiben, sollte den Betroffenen selbst überlassen werden (siehe Vorbemerkung 1)
- Schläger, Bälle und Tisch desinfizieren? (hier wird einmal mehr die Schmierinfektion postuliert, die es bei SARS-CoV-2 so nicht gibt). Sinnvoller ist die Händedesinfektion nach jeder Paarung. Siehe allgemeine Empfehlungen, denn die Hände wären der primäre Ort, über den bei Aerosol-Kontamination eine Übertraung möglich wäre.
- Kein Doppel macht Sinn, wegen der Abstandsregel.
- *jeweils eigenen Ball nutzen*? -->unnötig, da keine Schmierinfektion
- Kein Ballroboter und kein Balleimer-Training? --> unnötig, da keine Schmierinfektion
- *kein Seitenwechsel*? Dieser Empfehlung liegt wohl die Vorstellung zugrunde, dass sich in der Luft auf der einen Seite irgendwie noch virushaltiges Aerosol in infektionsfähiger Konzentration befinden könnte. Bei der Luftzirkulation in Sporthallen eine seltsame Vorstellung, dass die Luft dort quasi stehenbleiben würde. Sinnvoller wäre der Hinweis auf eine gute Hallenbelüftung.
- Umkleideräume und Duschen nicht benutzen: Das sollte von den örtlichen Gegebenheiten abhängig gemacht werden * Umsetzung der Abstandsregel wäre auch hier ausreichend.
- Kein Händeschütteln und Abklatschen ist eine echt sinnvolle und praktikable Empfehlung!
- Für Trainer gilt die Abstandsregel, zudem haben sie eine Vorbildfunktion * und nicht zuletzt deshalb sollten sie einen Mundschutz tragen! Gerade vor dem Hintergrund, dass manche Trainer von einer Halle zur nächsten fahren und somit zu Super-Spreadern werden könnten, macht auch der Mundschutz in ihrem Fall vermehrt Sinn.

Fazit: Wenn man sich von der Idee der Schmierinfektion, gegen die sämtliche epidemiologischen Erfahrungen sprechen, lösen könnte, dann könnte man zu kompakteren und besser umsetzbaren Empfehlungen kommen.



Das schrieb eine Studierte auf FB zu den Vorschlägen des DTTB

Geändert von Jacks_h21 (24.04.2020 um 10:26 Uhr)
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