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AW: Saison 2020/2021 und Corona
@chokdee:
Dass die offiziellen Statistiken teilweise wirr sind, ist klar. Das finde ich aber auch nicht verwunderlich, wenn ich die mathematischen Fähigkeiten von einem Großteil der Medizinstudenten im physikalischen Praktikum gesehen habe.
Super finde ich auch die Aussage bei der Auswertung des epidemiologischen Gutachten, wo sie bemängeln, dass es bei mehr als 90% der Fälle keine Angaben gibt, ob die entsprechende Person auf der Intensivstation behandelt wurden oder nicht. Von fast 90% der Patienten, die im Krankenhaus waren, gibt es aber die Aussage, ob sie auf der Intensivstation waren oder nicht. Gibt es Leute, die auf der Intensivstation behandelt werden, ohne im Krankenhaus zu sein?
Noch viel besser finde ich die italienische Auswertung, anhand derer sie die Mortalität berechnen. Sie teilen dort die Gesamtanzahl der Toten mit grippeähnlichen Symptomen, von denen es bei 90% nicht einmal einen bestätigten Coronatests gab, durch die Gesamtanzahl der zu dem gleichen Zeitpunkt positiv getesteten. Dass die Leute im Schnitt erst nach 10 Tagen gestorben sind, spielte da auch überhaupt keine Rolle.
Der 13.-14. März als wahrer Beginn des Rückgangs klingt plausibel, denn das war der Tag der Schließung der Schulen und man hat in Supermärkten, Bussen und Bahnen ab dem Tag sehr deutlich bemerkt, dass die Leute viel vorsichtiger geworden sind. Wenige Tage später wurden dann noch die Buchläden, Kaufhäuser usw. geschlossen. Alles andere als 13.-20. März als tatsächlicher Beginn des Rückgangs wäre absolut unverständlich gewesen. Das zeigt aber, dass der Lockdown wirkt. Dass die gemessenen Kurven gegenüber dem Infektionsbeginn zeitlich versetzt sind, wurde nie verschwiegen.
Aber es ist zu sehr vereinfacht, dass man bei einer Steigerung der Testanzahl auf jeden Fall proportional mehr Infizierte findet. Das stimmt, wenn man eine beliebige Testgruppe anschaut, aber nicht, wenn man die Messungen nur auf die wahrscheinlichsten Verdachtsfälle beschränkt. Der Anstieg ist bei einer zunehmenden Anzahl Tests nicht linear, da man nun Personen testet, bei denen eine Infektion weniger wahrscheinlich ist. Das schreibt er zwar auch in der Anmerkung, argumentiert es aber weg. So wie ich es mitbekommen habe, wurde mit den wahrscheinlichsten Fällen angefangen und wenn man noch Kapazität hatte, wurden weniger wahrscheinliche Fälle getestet (ich kenne 2 Personen, die man nicht testen wollte, die dann plötzlich angerufen wurden, heute haben wir die Kapazität, dich zu testen).
In einem im Artikel gezeigten Schaubild, steigt die Zahl der positiv Getesteten anfänglich unabhängig von der Anzahl der jeweiligen Tests. Es ist also falsch, die Infiziertenzahlen einfach durch die Anzahl der gemachten Tests teilen.
Der Faktor 2,8 der so entsteht, ist eine untere Abschätzung, der Faktor 41 eine obere, das eine deutlich unterschätzt, das andere deutlich überschätzt, aber wo genau der wahre Wert liegt, ist unbekannt und lässt sich auch nicht mehr ermitteln.
Auch im weiteren Verlauf rechnet diese Studie aus meiner Sicht zu sehr künstlich nach unten. Die Frage, wer welche Interessen vertritt, kann man auch bei diesem Artikel stellen. Sollte der Autor die Zahlen möglichst weit nach unten rechnen? Aber du hast recht, ich vermisse in Deutschland auch jemanden, der dafür sorgt, dass fundierte Daten gesammelt werden. Was sollte das Verbot, Coronaleichen zu obduzieren?
So langsam erreichen wir den Punkt, an dem die Anzahl der Personen, an denen man sich anstecken kann, auf einem ähnlichen Niveau ist wie zum Zeitpunkt des Lockdown, ob dieser Zeitpunkt richtigerweise vor 3 Tagen war oder in 3 Tagen ist, darüber lässt sich streiten. Allerdings scheinen die Neuinfektionen in 3 Ländern wieder zu steigen, am stärksten in Bremen. Ob Bremen vor etwa 10 Tagen die Anzahl Tests massiv aufgestockt hat, kann ich leider nicht beurteilen, da dies leider nicht veröffentlicht wird.
In Deutschland insgesamt ist die Zahl der Todesfälle noch nicht überhöht, wie man für Hessen und Berlin gut auf euromomo.eu sehen kann. in England die Zahl der Todesfälle krass überhöht. Auch wenn das die offiziellen Zahlen noch nicht sagen, scheinen England und Spanien wesentlich stärker betroffen zu sein als Italien und Frankreich. Seltsamerweise sind in England auch die Todeszahlen in der Altersklasse bis 65 Jahren stark überhöht, das sieht man so ausgeprägt in keinem anderen Land, ansatzweise noch in Spanien.
Ich finde es schade, dass es eine solche Kurve nicht für den Landkreis Tirschenreuth oder auch Deutschland insgesamt gibt. Generell ist Deutschland bei der Veröffentlichung der aktuellen Todeszahlen sehr langsam. So sind jetzt erst die Zahlen bis zum 15. März herausgekommen, dass man bis zu dem Zeitpunkt nichts erkennen kann, war zu erwarten, bis dahin hatten wir bundesweit 12 offizielle Coronatote.
Geändert von Trillian (26.04.2020 um 21:07 Uhr)
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