Zitat:
Zitat von Schrottkopf
Schwieriger wird es schon, wenn es darum geht, wie man mit nichttödlichen Organismen umgeht. Ich weiß jetzt nicht, ob du Kinder hast - aber stell dir einfach mal vor, die bringen Läuse von Spielkameraden mit heim... Darf man dann die Haare mit Läuseshampoo waschen, obwohl es für die Läuse kein angenehmer Tod ist, wegen verklebter Atemöffnungen zu ersticken? Falls deine Antwort darauf ja is - warum darf man das? Weil der Grad der Unbequemlichkeit das rechtfertigt? Man könnte sich ja auch eine Glatze schneiden... Was ist mit einer Stechmücke in deinem Schlafzimmer - die bringt dich höchstwahrscheinlich nicht um... Was ist mit einer Rattenplage in der Stadt? Kakerlaken, Küchenschaben, Ameisen? Falls du einen Garten hast, was ist mit Schnecken, die deine Nahrungsmittel bedrohen? Gift scheidet vermutlich aus, aber dürfen es dann Bierfallen sein?
Oder setzt du lieber auf Biologie mithilfe von Laufenten? Aber nutzt du dann die Laufenten nicht auch aus, um eben nicht entscheiden zu müssen, ob du die Schnecken persönlich abmurkst oder stattdessen auf Salat verzichtest?
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Wenn Veganer diese Frage ernsthaft beantworten (und sich nicht einfach nur angegriffen fühlen, weil es wie eine Relativierung der "guten Sache" wirkt, wirst Du nicht zweimal die gleiche Antwort hören.
Ich versuche, das mal zu beantworten: Ich trage jede Mücke / Fliege einzeln aus dem Haus. Bin mittlerweile ein guter Fliegenfänger (Life-Hack: Mit Klarglas-Trinkglas ganz langsam fangen). Läuse würde ich mit den entsprechenden Hilfsmitteln töten. Für mich persönlich ist dieses Leben nicht schützenswert genug, um die Nachteile zu ertragen. Vögel und Mäuse, die unseren Katzen zum Opfer fallen, versuchen wir zu retten. Und zahlen dafür auch notfalls Geld beim Tierarzt. Müssten wir bislang aber nicht, es gibt aktive Tierschützer, die sich um solche Tiere kümmern können. Da muss man ggf. eine Weile fahren, aber das ist okay. Unsere Katzen hassen uns dafür. Eine Heuschreckenplage würde ich bekämpfen, eine Rattenplage würde ich versuchen, so gut wie möglich ohne tote Tiere in den Griff zu bekommen.
Schlussendlich hat jeder sein Wertesystem. Jeder muss ja mit seinen Entscheidungen leben. Sollte ich mit einem Frutarier diskutieren, würde ich im genau das sagen: Ich mache für mich selbst Unterschiede, ob das zum Einen Lebewesen sind, die sich ihres Lebens bewusst sind und zum Anderen, inwieweit dieses Lebewesen Schäden anrichtet, die meine Moralvorstellungen aufwiegen. Obst und Gemüse können wachsen und reagieren durch biochemische Prozesse auf ihre Umwelt, für mich reicht das aber noch nicht, um das als schützenswertes Leben anzuerkennen. Da wäre mir die Diskussion "was ist Leben" zu philosophisch.
Natürlich ist es toll, wenn sich jeder über solche Dinge auch mal Gedanken macht, aber vordringlich ist beim Vegetarismus / Veganismus doch, die bewusste Tötung und Ausbeutung von Tieren zu vermeiden. Eine Kuh schwirrt ja nicht bei mir nachts im Schlafzimmer rum und versucht, mich zu stechen. Die steht irgendwo in einer Box oder wenn sie Glück hat auf einer Weide, erzeugt durch künstliche Befruchtung, effizient gemästet und gemolken, solange der Milchoutput stimmt, danach ebenso effizient und möglichst günstig getötet und zu Lebensmitteln für Menschen und Haustiere verarbeitet. Oder als tierische Hilfsmittel für Kosmetik oder Getränke beispielsweise..