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AW: 4er Teams Bundesweit
Diese Diskussion ist lediglich das Produkt jahrelanger Versäumnisse. Mitgliederschwund ist kein aktuell neu auftretendes Problem. Zudem fehlen den Vereinen zunehmend junge Spieler, die in Nachwuchsmannschaften spielen, Jugendliche, die den Sprung in die Herren vollziehen und auch junge Erwachsene immer mehr. Der Nachwuchsarbeit wird eine immer geringere Bedeutung beigemessen. Das Ergebnis ist verheerend. Es gibt tatsächlich immer mehr Vereine, denen nur noch eine komplette Sanierung oder eine Fusion helfen kann.
Für die Verbände müssten mehr Mannschaften (damit geht die Reduzierung auf 4er-Teams einher) mehr Geld in die Kassen bringen. Mir fällt es schwer zu glauben, dass hier nicht auf finanzielle Aspekte geschaut wird, wenn so etwas entschieden wird. Wo bleibt die enge Kommunikation mit der Basis, eine breit angelegte Diskussion usw.?
Hat dies in der Vergangenheit geklappt? Meiner Meinung nach eher nicht bzw. nur in einer unzureichenden Form.
6er-Mannschaften sind bei den Herren ein bewährtes System bei dem Mannschaftsfeeling und auch Stimmung aufkommt. Wir haben in der 1.Bundesliga gesehen, wie ein unattraktives System der Liga offensichtlich nicht zu mehr Medienpräsenz oder Zuschauerinteresse verholfen hat * gegenteiliges ist eher der Fall.
Es gibt offensichtlich immer mehr Sportler, die sich mehr mit dem Spielende bzw. der Spieldauer beschäftigen, als mit der Sportart und dem Wettkampf sowie der Freude daran an sich.
Diejenigen, die diese Form nicht wollen, haben wunderbare Alternativen in Form von offenen Turnieren (die teilweise abends sogar unter der Woche angeboten werden), 2er Mannschaftsturnieren oder Trainingseinheiten ohne eine Verpflichtung einzugehen. Wie Rudi schon sagte, selbst Vierermannschaften benötigen oftmals wesentlich mehr Spieler, als die Sollzahl. Dies liegt meines Erachtens daran, dass es Sportler gibt, die eben keine Verpflichtung eingehen wollen.
Wenn ich dann lese, dass ein System nicht mehr zeitgemäß ist oder dass Jugendlichen die Spieldauer zu lange ist, weil sie sich sonst nichts mehr vornehmen können, dann kommen an dieser Stelle doch ein paar Fragezeichen auf.
Wenn jemand zu einem Spiel fährt, hat er ja bereits eine Aktivität geplant. Wenn wir jetzt von einem Mannschaftssport sprechen, ist ja davon auszugehen, dass nach dem Spiel noch etwas gemeinsam gemacht wird. Wird das dann zeitlich auch reglementiert, wie lange es dauert bis das Essen in der Gaststätte fertig ist? Was ist, wenn die Gaststätte voll ist oder es eine Stunde dauert bis das Essen kommt? Oder nimmt man nach dem Spiel schnell seine Tasche, damit man wegkommt? Mag sein, dass es solche Mannschaften gibt. In solch einer Mannschaft zu spielen wäre mir vollkommen fremd, da würde ich meine Zeit bereits vor einem Mannschaftsspiel schon anderweitig verplanen, da dies in meinen Augen nichts mit einer Mannschaft zu tun hat. Es kann gut sein, dass in solchen Mannschaften den Jugendlichen, die ersteinmal integriert werden müssten, so etwas entsprechend vorgelebt wird und auch diese schließlich schauen, dass sie möglichst schnell wegkommen. Oder aber, sie haben einfach andere Prioritäten und der Sport ist ihnen einfach nicht so wichtig. Ich jedenfalls kenne zahlreiche junge Spieler, die nach einem Spiel am liebsten noch eins Spielen würden.
Vielleicht lernen wir vor allem aus der Corona-Krise, dass es nicht immer höher, schneller und weiter gehen muss. Vielleicht lernen wir auch mal aus einer anderen Perspektive zu denken und hinterfragen, ob der Sport sich ändern muss oder ob man die eigenen Ansichten ggf. überdenken muss. Dann stellen wir vielleicht fest, dass es eine schöne Sache ist, sich Zeit (für sich, für seinen Sport, für seine Kollegen, für Geselligkeit etc.) zu nehmen und sich nicht zu hetzen. Oder man stellt für sich fest, dass andere Sachen zu priorisieren sind.
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