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Alt 20.09.2004, 21:25
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AW: Lohnt Jugendarbeit ?

Zitat:
Zitat von mastermind777
Schon klar, der Titel ist einigermaßen provokativ. Natürlich ist Jugendarbeit unwahrscheinlich wichtig, schon aus gesellschaftspolitischen Gründen, um die Jugend von der Straße zu holen.

Andererseits ist es bei mir im Verein schon so oft (zu oft) vorgekommen, dass z.B.
- die Jungen mit der ersten Freundin aufhörten (die war wichtiger),
- angesichts des heutigen riesigen Freizeitangebots sich irgendwann anderen Sportarten / Beschäftigungen etc. zuwendeten,
- von höherspielenden Verein (Verbandsliga aufwärts) abgeworben wurden.

Und das waren eben halt oftmals riesengroße Talente (z.B. Meister des Verbandes in ihrer Altersklasse), die sich im Verein wirklich wohlfühlten, und in die unsere Trainer und Betreuer jede Menge persönlicher Zeit und Aufwand investiert hatten um sie dorthin zu bringen. Aber von einem auf den anderen Tag waren sie dann weg, meist ohne Danke oder so. Und da fragt man sich doch schon mal, ob das wirklich alles lohnt.

Wie denkt ihr darüber ?
Ich glaube Jugendarbeit lohnt sich nicht, zumindest nicht in dem Sinn, dass der Verein erfolgreiche Mannschaften hat, das kann man einfacher haben. Wenn unser Verein und die, welche die Jugendarbeit unterstützen die Mittel und Energie in fertige Spieler gesteckt hätten würde die erste Mannschaft höher spielen, es gibt bei uns Vereine, die dies schon jahrelang praktizieren.

Doch die Frage stellt sich uns nicht, es ist doch schön wenn man im Fernsehn eine Fußballspielerin der Nationalmannschaft sieht und sagen kann, die hat mal bei uns TT gespielt. Als ich in das Alter der ersten Freundin kam habe ich auch mit dem Sport, damals Wasserball, aufgehört. Als ich nach einigen Jahren versuchte mit Wasserball wieder anzufangen war der Zug abgefahren. Ich bin nur immer hinterhergeschwommen und war nie da, wo ich hätte sein sollen. Doch ich denke immer wieder gern an die Jugendjahre im Verein zurück, möglichst jeden Tag im Schwimmbad das war wunderbar.

Zum TT bin ich erst als Familienvater gekommen, unser Sohn war behindert doch schon als Kleinkind entdeckte er und nicht wir seine Liebe für das Tischtennis. Er konnte den Sport durch seine Behinderung zwar nicht selbst ausüben, war aber ein begeisterter Zuschauer, der nie genug davon haben konnte. Immer wenn wir in die Hallen kamen ging ein belebender Ruck durch seinen Körper. Wir wurden äußerst liebevoll von der TT- Gemeinde aufgenommen. Wir hatten selbst angefangen TT zu spielen. Nach dem unser Sohn 1997 verstarb suchte unser Abteilungsleiter , der alle Arbeiten bis dahin allein gemacht hat Nachfolger und die Arbeit wurde verteilt. Seitdem bin ich im Verein der Jugendwart.
Als ich zum ersten Jugendtraining in die Halle kam war da ein Junge, der versuchte mit den Bällen einen Eimer zu treffen.
Da ich noch nie ein begnadeter Techniker war hatte ich immer versucht geeignete Trainer zu finden.
Wir haben drei Trainer für die Jungen und Schüler und seit kurzer Zeit zwei Trainerinnen für die Mädchenmannschaft ( es gibt leider in Bremen nur 5 Mannschaften von denen haben wir die größte aber auch die am wenigst erfolgreichste). Bei den Mädchen haben wir einen großen Zulauf bei den Jungen und Schülern könnten wir, nach dem uns viele verlassen haben, weil sie ihre Freizeit anders gestalten wollten, noch einige gebrauchen. Der Junge mit dem Eimer spielt heute in der 2. Herren. Drei weitere spielen als freigeholte Jugendliche ersatzweise in den Herrenmannschaften. Einer davon überlegt sich den Verein zu verlassen, da er in dem anderen Verein in einer höher spielenden Jugendmannschaft hofft spielen zu können. Er will aber im Fall des Wechsels unseren Verein im Jugendtraining unterstützen.

Für mich stellt sich nicht die Frage ob sich Jugendarbeit lohnt, sondern ich sehe es als meine Pflicht an, der ich gern nachgehe, die Freude, die ich als Jugendlicher und Vater durch den Sport erfuhr, weiterzugeben.
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