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Zitat von Noppenzar
Ich bin auch nicht einverstanden mit der plumpen Geldrausballerei per Pauschale. Viele Hoteliers und Gastronomen haben sich dumm und dusselig in den letzten Jahren verdient. Ohne große Prüfung das Geld dort hinterherzuwerfen macht volkswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn.
Mein Pizzabäcker, der erfolgreich seit 6 Monaten auf Lieferdienst (5 Autos und Fahrer) und Fensterverkauf a la McD umgestellt und auch dafür investiert hat kommt sich veräppelt vor. Hätte er das jetzt gewusst, hätte er den Laden einfach zu gemacht. Wortwörtlich "75% Erstattung? Wozu hab ich die Autos angeschafft und das Abholfenster eingebaut? Da kann ich mich auch in die Sonne legen und die 75% kassieren"...
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Ich sehe das vollkommen anders.
Kurz zu Deinem Pizzabäcker: Autos und Lieferdienst ist doch wohl Standart, das haben die doch alle. Soll er arbeiten - wenn der Umsatz nicht reicht wird dieser halt auf 75% aufgestockt.
Der Kneipier meines Vertrauens kann das, wie unzählig viele andere kleine Selbständige, nicht. Der kann keine Getränke liefern oder ein Abholfenster einbauen. Der sitzt jetzt im Regen und muß Pacht, Miete Lebenshaltungskosten etc. etc. bezahlen ohne einen einzigen Cent zu verdienen. Also so wie schon mehrere Monate im Frühjahr. Die Hilfe vom Staat reichte da bereits bei weitem nicht aus. Die ganzen Auflagen in den paar Monaten, in denen er jetzt öffnen durfte, haben ihm zudem massive Umsatzeinbußen beschert. Jetzt soll er zumindest 75% seines Umsatzes vom Staat bekommen - das ist meiner Meinung nach noch viel zu wenig!
Millionen von Angestellten und Arbeitern stockt der Staat das Kurzarbeitergeld von 60% bzw. 67% auf 80% auf, da sagt keiner was.
Meine Nachbarin ist Kindergärtnerin. Die hat seit März vielleicht 2 bis 3 Wochen gearbeitet. Lockdown, krank, Urlaub, Coronafall im Kindergarten, Quarantäne...alles voll bezahlt - zumindest 80%.
Die lag den ganzen Sommer bei Sonnenschein im Garten und kam aus dem grinsen nicht mehr raus.
Und als alleinerziehende hat sie für die 22 jährige Tochter, die im dritten Lehrjahr ist, und eigentlich nur noch auf dem Papier bei ihr wohnt, pauschal nochmal € 600 vom Staat bekommen...als Unterstützung in der schweren Zeit.
Die da oben stellen sich hin und fordern Zusammenhalt und Solidarität, und dass alle gemeinsam die schwere Zeit meistern.
Es wird aber nicht erwähnt, dass es nur ein Teil der Bevölkerung ist, der den ganzen Bockmist bezahlen muß: Kleingewerbetreibende, Gastronomen, Künstler, Eventmanager, Reiseveranstalter usw. usw.
75%??? Viel zu wenig! Solidarisch wäre es, wenn alle, die weiterhin 100% Einkommen beziehen, einen Solidaritätsbeitrag leisten müssten.
Mit steigendem Einkommen prozentual steigend.
Davon kann man dann die entschädigen, die der Staat ansonsten in die Insolvenz und in den Ruin treibt.
Aber das verstehen nur Menschen, die finanziell betroffen sind.
Ich leide als kleiner Einzelunternehmer seit März ebenfalls an massiven Umsatzeinbußen, bekomme vom Staat gar nichts, weil ich durch jedes Raster falle. Muß ich halt weiterhin an meine Rücklagen und meine Ansprüche zurückschrauben, ich komme wohl irgendwie durch - viele andere aber nicht.