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Alt 03.12.2020, 14:13
Petar Petar ist offline
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AW: Der Veganer-Thread

1) Ich mag den Geschmack von Fleisch zu sehr (81%)
2) Fleischersätze sind zu teuer (58%)
3) Mir würden keine Malzeiten einfallen (50%)
4) Meine Familie isst Fleisch und würde nicht vegan mit mir werden (41%)
5) Die Einstellung bestimmten Veganern hat mich abgeschreckt (26%)
Lt. einer Studien, die Gründe warum die Mehrheit der Menschen Veganismus ablehnen. (*besonders interessant finde ich Punkt 5)

Der heutige Mensch ernährt sich omnivor und weist bezüglich des Verdauungstrakts mehr Ähnlichkeiten mit fleischfressenden Primatenarten auf als mit pflanzenfressenden. Nach heutigem Kenntnisstand des Verlaufs der Hominisation ist der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) demnach "von Natur aus" weder ein reiner Fleischfresser (Carnivore) noch ein reiner Pflanzenfresser (Herbivore), sondern ein Allesfresser (Omnivore).
Wichtig zu verstehen: Fleischkonsumenten unter uns müssen sich vor niemanden rechtfertigen und genauso kein schlechtes Gewissen haben.

Veganismus (oder Veganizismus) ist eine säkulare Religion unserer Zeit. Eine Religion, kein Glaube. Der Glaube ist nur eine Gewissheit, die eher dem Gefühl als dem Belegbaren folgt. An einem Satz wie "Ich bin Veganer!" erkennt man den Extremisten, der seine schrulligen Ernährungsgewohnheiten zur Identität hochgejazzt hat und dafür Applaus erwartet, Applaus oder Kreuz. Den gemäßigten erkennt man an Sätzen wie "Ich ernähre mich möglichst vegan", weil er sein Hadern mit den Umständen und die Möglichkeiten seines Scheiterns bereits reflektiert hat.
Wer mit sich und seine Religion wirklich im Reinen ist, der missioniert nicht. Leben und leben lassen, mit Betonung auf "lassen". Je älter die Religion, desto entspannter ist sie auch.
Das Szenario sieht folgendermaßen aus: "Als natürlich gilt nicht das Ursprüngliche, sondern das ethisch Gebotene. Denn die natürliche Natur ist schlecht: hier herrscht in der Regel Mord und Totschlag allein aus perfiden Motiv der eigenen Lebenserhaltung. In der veganen Natur hingegen grast der Löwe neben dem Lämmlein, die Affen greifen nur zu Bananen, die freiwillig vom Baum fallen und auch der Mensch ernährt sich ausschließlich von Fallobst, auf dass keinem Lebewesen ein Haar oder auch nur ein Ästchen gekrümmt werde."
Das wiederum liegt daran, dass es dieser Bewegung auch darum geht, ethische und ästhetische Normen gegeneinander auszuspielen. Ernährung, genauso wie Kleidung, Literatur oder Musik, hat zunächst einmal etwas mit Geschmack zu tun. Menschen essen, hören lesen und ziehen an, was ihnen gefällt, was ihnen Spaß macht und Wohlbefinden bereitet. Ethische Normen spielen da erst einmal keine Rolle. Das Schöne ist ethikfrei " zum Glück. Veganismus versucht hingegen, das Ästhetische, den Genuss zu moralisieren. Das geht am einfachsten dadurch, dass man sich darüber echauffiert, dass es überhaupt Menschen gibt, für die es neben ethischen Normen auch noch andere Maßstäbe des Handels gibt" ästhetische zum Beispiel. Ethischen Normen nicht die allerhöchste und alleinige Priorität einzuräumen, gilt in diesen Kreisen als moralischer Hochverrat. Diese Ideologen einer lupenreinen ethischen Lebensführung übersehen allerdings, dass kaum etwas unmoralischer ist als moralischer Totalitarismus. Eine Ethik, die nicht zu ihrer Karikatur verkommen will, muss auch immer in der Lage sein, sich selbst zu relativieren. Ethik, die sich absolut setzt, ist keine Ethik mehr.
Im Grunde ist der Veganismus nichts anderes als eine besonders bizarre Mischung aus Wohlstandsdekadenz und Hypermoralismus. Dass sie im Alltag keine Rolle spielt, stimmt daher hoffnungsfroh. Selbst optimistische Studien kommen auf bestenfalls 0,5 Prozent Veganer in der Welt. (In Deutschland sind es etwa 1,6%).
Warum man Veganismus mit einer Religion, bzw. Sekte vergleicht? Und deine oft gestellte Frage, wie soll der Gott von Veganer heißen? Antwort: Religion muss keinen Gott haben.
Manche Wissenschaftler sagen: Religionen das sind Geschichten über Götter, Geister, Heilige und andere Wesen. Außerdem vermitteln Religionen bestimmte Vorstellungen darüber, wie Menschen sich richtig verhalten und wie sie sich besser nicht verhalten sollen.

Solche Vorstellungen können sich natürlich schnell ändern, vor allem bei kleinen Glaubensgemeinschaften. Deshalb sagen manche Wissenschaftler: Jeden Tag entstehen neue Religionen und jeden Tag sterben alte Religionen aus. Wenn ein paar Menschen sich zusammentun und an etwas glauben, kann eine neue Religion entstehen. Wenn eine Handvoll Gläubige es aber zum Beispiel nicht schafft, ihre Überzeugungen an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben, dann kann eine Religion auch wieder verschwinden.

@Javaguru
Ein Tipp am Rande: Vitamin B12 solltest du immer supplementieren, denn ein langfristiger Mangel kann u.a. zu Schäden am Nervensystem führen.

Geändert von Petar (03.12.2020 um 14:15 Uhr)
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