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Alt 29.12.2020, 17:56
Danielson Danielson ist offline
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AW: Coronavirus allgemein (Covid-19, Virologen, Politik, aktuelle Lage, Impfung usw.)

Zitat:
Zitat von radeberger Beitrag anzeigen
Und ???? bei insgesamt 3 freien Betten, wo wahrscheinlich jetzt 1 Covid Patient im Alter von 80+ Jahren drin liegt.

Was statistisch viel interessanter ist, ist doch die Frage wie viele intensivtherapierte Covid Patienten die Betten lebend verlassen.
Eine sehr berechtigte Frage! Eigentlich ist das Leben über 80 Jahren lebensunwert und länger als eine Woche sollte man Menschen in Kliniken nicht intensiv behandeln.

Was in deiner Kindheit und Sozialisation alles schiefgelaufen ist, darüber lässt sich nur mutmaßen, das Forum ist aber sicherlich der falsche Therapieraum für dich.

Du darfst dich mit dem Artikel hier unten gerne aber weiter auseinandersetzen. Ist halt viel zu lesen auf einmal und der Lokaljournalist ist eben auch nur ein Vertreter der Lügenpresse.

Zitat:
Ein Ende der Fahnenstange, da ist der Mediziner sicher, sei noch lange nicht in Sicht. "Was mir Sorgen bereitet: Wir haben immer wieder Fälle, bei denen es wirklich absolut keinen Hinweis darauf gibt, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sein könnten, die erst nach zwei Tagen auffallen. Die Symptomatik fehlt bei vielen – das ist auch außerhalb des Krankenhauses so." Anfang Januar wird sich noch nichts entspannt haben, da ist Schellmann sicher.

Nur wenn Patienten sterben, dürfen Angehörige kommen, um sich zu verabschieden. Der Kontakt zu ihnen ist aber sehr wichtig, wie Matthias Schellmann betont. Foto: dpa
Die Corona-Pandemie hat die Krankenhäuser auch auf einer anderen Ebene verändert. Besuch ist nur noch in absoluten Ausnahmefällen erlaubt. Der Kontakt mit den Angehörigen ist aber für die Ärzte trotzdem wichtig, gerade weil die Patienten, die intubiert sind, nicht selbst sprechen können. "Das ist fast das Wichtigste: An den Angehörigen dran zu bleiben." Was bleibt, sind Telefonanrufe, die vor allem dann ermöglicht werden, wenn ein Patient intubiert werden soll.

Auf der Isolierstation ist das schon schwieriger – rein technisch, denn die Telefone müssten ja nach jedem Gespräch desinfiziert werden. Es gibt zwar inzwischen ein Patienten-Wlan, aber nicht alle kennen sich mit Skype aus. "Ich finde es furchtbar, dass die Menschen ihre Angehörigen nicht besuchen dürfen. Aber ich halte es für das Haus für notwendig", so pragmatisch ist Schellmann, wenn es um den Schutz der Menschen geht.

Pragmatismus bestimmt auch sein Verhältnis zur Schutzkleidung. "Das stört mich gar nicht!" Inzwischen sei die Schutzkleidung in ausreichender Zahl vorhanden. "Aber natürlich ist es für die Pflege sehr viel anstrengender als für uns Ärzte." Denn die Pflegekräfte seien gut und gerne mal eine Stunde mit einem Covid-Patienten beschäftigt. "Die sind danach erst Mal fix und fertig."

Was passiert, wenn die Ärzte aus dem Kreis ihre Patienten nicht mehr in größere Häuser verlegen können? "Das ist eine spannende Frage", sagt Schellmann. Er rechnet nicht damit, dass es so weit kommt. Aber wenn, "dann kommen wir in Bergamo-Verhältnisse". Es habe lange gedauert, bis sich die Strukturen in Deutschland geöffnet, geweitet hätten. "Aber, die Ressourcen werden wir haben." Wenn’s chaotisch werde, müsse man improvisieren. Das sei deutschlandweit so. Viel drängender ist, dass man die Patienten kaum entlassen könne.

Pflegeheime und ambulante Pflegestationen wollen oder können sich nicht um Corona-positive Patienten kümmern. "Diese Patienten sind nicht mehr so krank, dass eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich wäre. Sie müssen aber weiter versorgt werden." Aber dafür fehlen auch außerhalb der Krankenhäuser Platz, Personal, Zeit. Diese Menschen bleiben dann in den Kliniken – und beanspruchen dort Platz, Personal und Zeit. Vor allem, wenn man bedenkt, dass neben den Covid- auch andere Patienten behandelt oder operiert werden müssen. Zur Erinnerung: Auch neben Covid kann es lebensgefährliche Situationen geben.

Es gibt aber auch Momente, da muss Matthias Schellmann allen Pragmatismus fahren lassen. An zwei Szenen, die ihn besonders berührt haben, erinnert er sich da. "Ein Patient wollte vor der Intubation noch einmal mit seiner Frau und seinem Sohn telefonieren. Er hat genau verstanden, dass es das letzte Gespräch mit seiner Familie sein könnte", berichtet Schellmann. Der Mann ist inzwischen auf dem Weg der Besserung, er muss aber noch im Krankenhaus behandelt werden.

Die andere Szene, die Schellmann im Kopf geblieben ist, ist ein Mutmacher – gerade auch für Pflegekräfte und Ärzte, die seit März mit dieser Krankheit kämpfen. Eine 30-jährige Frau musste wegen Covid-19 über zehn Tage beatmet werden. Sie spricht kein Deutsch, beim Aufwachen hat sie niemanden verstanden, sie war dort allein. "Das müssen Sie sich wirklich vorstellen: Sie schlafen zehn Tage, wachen auf – und es gibt niemanden, mit dem Sie sich verständigen können."

Wenn Schellmann das so eindringlich sagt, bekommt man eine Gänsehaut. Jetzt kommt der Lichtblick, auch der sorgt für Gänsehaut: "Die Frau hat sich danach schnell erholt. Die war tatsächlich so jung, dass sie noch genug Kraft hatte. Das habe ich so noch nicht gesehen." Am Montag durfte sie das Krankenhaus verlassen, zurück zu ihren zwei Kindern. Wenn man so eine Genesung erlebe, komme der Spaß an der Medizin zurück. Dann bleibt es nicht bei Pragmatismus.

Allerorten wird inzwischen appelliert: Bleiben Sie zu Hause, treffen Sie sich mit möglichst wenig Menschen, tragen Sie Maske, wann immer Sie nicht alleine sind. Schützen Sie sich und andere. Das alles kann Matthias Schellmann (natürlich) voll und ganz unterschreiben. Er hofft, dass die Menschen sich auf Weihnachten und auf sich selbst besinnen, dass der Pragmatismus zurückkehrt. Wie bei ihm. Denn der Spaß an der Medizin wird durch die aktuelle Lage getrübt. Im Pflegezentrum in Hüffenhardt gab es einen großen Corona-Ausbruch. Die ersten dieser Menschen sind schon im Mosbacher Krankenhaus in Behandlung. Die Zahlen verheißen nichts Gutes. Es ist Zeit für Pragmatismus – bei jedem Einzelnen!
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