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Alt 23.01.2021, 18:32
Gallifax Gallifax ist offline
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AW: Zukunft der Automobilindustrie - Neuordnung auf dem Weltmarkt durch Elektromobilität

Zitat:
Zitat von Noppenzar Beitrag anzeigen
Ich bin mal ein paar Runden mit einem Model S eines Bekannten und mit dem i3 einer Freundin gefahren. Das Model S, na ja. Die Haptik mir dem Bilfschirm ist mehr als gewöhnungsbedürftig, Sprachsteuerung habe ich nicht probiert. Die Verarbeitung der Karosse und das Fahrwerk sind dem Preis nicht angemessen. Ami halt. Anders der BMW. Alles gut und für die Stadt top, aber nur da, bei einer Reichweite von Round about 100 KM. Beschleunigung ist natürlich top, aber vom Kauf halten mich letztendlich zwei entscheidende Faktoren ab:

1) man kann nicht lange schnell fahren, da regeln die runter.
2) "Tanken" dauert zu lange. Als Vielfahrer ist auch die Reichweite zu gering im tatsächlichen (!) Betrieb.

Und der dritte Punkt ist dann noch der unkalkulierbare Wertverlust. Ich kaufe seit eh und je ausschließlich drei bis fünf Jahre alte Autos und fahre sie, je nach Verarbeitung bis ca. 8-10 Jahre Alter. Da gibt es im E-Auto Bereich Null Referenzwerte.

Bei Wenigfahrern, Firmenwagen und Kilometerleasing sieht das natürlich anders aus, da das Restwertrisiko überschaubar ist. Das einzig Interessante ist ein Dieselhybrid.

Das Kernproblem ist und bleibt beim E-Auto der schnelle Weg des Stroms in das Auto bei bezahlbaren Kosten. Wenn du eine 100 KW Batterie in 5 Minuten volladen willst, dann brauchst du ca. 1 MW Anschlussleistung und das Problem der Wärmeentwicklung beim Ladeverlust ist damit noch nichtmal gelöst.

Betreibst du also so eine klassische "Tankstelle" mit 10 Plätzen, dann brauchst du 10 MW und dazu spezielle Kühlboxen, wo das Auto auf Minus XX während des Ladevorgangs gekühlt wird. Das ginge dann nur mit Stickstoff und für den Rest des Autos wäre das sicher nicht förderlich. Dazu kämen Anschlusskosten, Trafostation etc..

Wenn dann noch irgendwann der Staat die dann wegfallende Kraftstoffsteuer auf den Strompreis umlegt , dann hast du Preise, da wirken die von Innogy heute dann lächerlich niedrig. Von den nötigen Überlandleitungen will ich gar nicht anfangen.

Ah ok. Wobei de aktuelle Stand selbst beim MS schon anders ist als Du es jetzt beschreibst. Ich meinte aber eher das M3.

Zu 1. Stimmt bei den älteren, beim M3 ist das nicht mehr wirklich ein großes Thema, bei den neueren Generationen, bei Tesla finden ja permanent updates statt, wird es überhaupt nicht mehr Thema sein. Zu realen nicht lobbybeinflussten Tests empfehle ich Bjorn Nyland, ist aber auf English.

Mir wäre es nicht so wichtig, aber wenn das Deine Basis ist ok.

zu 2. Was ist zu lange und was zu wenig Reichweite? Sehe ich Stand jetzt nicht mehr als Problem an, in ca 1 Jahr wird das neue MS auch über 600 Meilen Reichweite haben. Ladecyclus auch nochmal stark verkürzt. In zwei-drei Jahren mit der neuen Batterie ist es noch sehr viel besser, dann wird die Diskussion überhaupt nicht mehr stehen. Ladepausen nutzt man normal zum Arbeiten, entspannter ist man auch. Will man natürlich 1600 km durchbolzen, was man mit dem Verbrenner auch macht, verstehe ich Dein Argument wenn Pausen überflüssig sind.

Also was Wertverluste angeht gibt es schon Referenzen, derzeit Wertverluste sehr gering im Vergleich zum Verbrenner, dazu gibt es Veröffentlichungen im Netz. Wertverluste bei Verbrennern werden in den nächsten 3-5 Jahren deutlich schlechter werden, je mehr E-Autos auf die Straße kommen. Das uns Entwicklungsländer unseren Müll noch abkaufen wird langsam unkalkulierbarer, da die selbst schon anfangen auf Elektro zu setzen, wenn auch in anderem Maßstab, Eigenentwicklungen etc. In jedem Fall wird die Nachfrage nach Verbrennern gebraucht stärker sinken, das spricht nicht für Werterhalt.

Das Kernproblem ist und bleibt beim E-Auto der schnelle Weg des Stroms in das Auto bei bezahlbaren Kosten. Wenn du eine 100 KW Batterie in 5 Minuten volladen willst, dann brauchst du ca. 1 MW Anschlussleistung und das Problem der Wärmeentwicklung beim Ladeverlust ist damit noch nichtmal gelöst.

Bezahlbare Kosten für jemand der keine eigen Autostromvertrag machen kann kann ein Problem sein, muss aber nicht, Ausnahme bisher sowieso Tesla, ob das so bleibt?
Technologisch ist das schon gelösst mit der noch schnelleren Ladung, gerade aktuell in Israel, allerdings die Kosten noch hoch. 10-20 Min geht aber auch wen Du mich fragst. Kühlung ist kein Problem , sowohl Kabel als auch Batterie werden gekühlt, bei der Batterie haben alle ein BMS heutzutage.


Das klassische Tankstellenmodell ist tot wenn Du mich fragst. Geladen wird da wo Du sowieso stehst: Zu Hause, im Hotel, beim Zoo, beim Einkaufen, beim Arbeitgeber etc.. Du brauchst natürlich Schnellader für Langstrecke. 1 MW ist nicht nötig, wie gesagt Kühlung ist nicht das Problem und ohne Stickstoff machbar. Da müsstest Du mal lesen was der Stand der Technik ist, dann siehst Du es ist nicht mehr weit.

Ehrlich wenn ein Auto 800 km Reichweite hat muss ich nicht ständig Schnellladen, ist zumindest meine Ansicht.

Lademöglichkeiten wird es irgend wann geben wie wir jetzt Möglichkeiten haben mit Karte zu zahlen, da bin ich recht sicher denn es muss nicht immer Schnelladen sein. Die Technologie um noch schneller zu Laden ist schon vorhanden und hauptsächlich von der Zellchemie abhängig. Wenn man sieht wie die Patentierungen da bei Tesla laufen denke ich max 3-4 Jahre noch.

Insgesamt ist es so das Dein usercase auf die Masse der Leute nicht zutrifft, die Meisten brauchen sehr viel weniger Reichweite, womit der Bedarf nach Schnelladung stark absinkt. Achja das Thema Steuer: Der Staat holt sich das Geld beim Strom das ist klar, ich denke aber man wird dafür sorgen das Strom bezahlbar bleibt, wird es müssen.

Edit : Trassen. Nun geht auch unterirdisch. Man muss es nur wollen, allerdings muss man Gesetze schaffen die es einfacher machen, man kann nicht nach Nachhaltigkeit streben aber gleichzeitig jeden Weg dahin blockieren.
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Geändert von Gallifax (23.01.2021 um 18:41 Uhr)
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