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Alt 23.01.2021, 21:29
Noppenzar Noppenzar ist offline
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AW: Coronavirus - Wann glaubt ihr, geht's wieder an die Tische?

Zitat:
Zitat von Schrottkopf Beitrag anzeigen
Wenn Ihr schon das Insolvenzrecht thematisiert, hier eine kurze Klarstellung:

Es ist mitnichten das Insolvenzrecht ausgesetzt - aktuell entfällt nur der Zwang zur Anmeldung wegen des Insolvenzgrundes der Zahlungsunfähigkeit, wenn man darlegen kann, dass der Zustand durch Corona verursacht wurde. Negatives Eigenkapital oder Zahlungsunfähigkeit aus anderen Gründen verpflichten jeden Geschäftsführer nach wie vor, einen Insolvenzantrag zu stellen, sonst geht er in die Privathaftung bzw bekommt strafrechtliche Probleme!


Indem man relativ unbürokratisch Liquidität zur Verfügung stellt (ich hatte tatsächlich das sensationelle Erlebnis, dass die KfW einen größeren Kreditantrag in weniger als 24h genehmigt hatte), pumpt der Staat durchaus Geld ins System, um solche Ansteckungseffekte zu vermeiden - mit der Aussetzung der Antragspflicht verschafft man jedem auch nur einigermaßen vernünftig aufgestellten Unternehmen die Zeit, solche Liquiditätshilfen zu beantragen... das sind halt nur Kredite und keine Geschenke - aber gesunde, produzierende Unternehmen bekommen aktuell keine Liquiditätsprobleme. Gerade die Tatsache, dass die eigenen Kunden später zahlen (was ich ehrlich gesagt momentan noch nicht mal merke) soll so entschärft werden.

Es gibt natürlich auch sehr viele negative Beispiele von Kleingewerblern oder Gastronomen, die ihre Hilfen nicht ausbezahlt bekommen oder Gesundheitsämtern, die Zahlungen nach dem Quarantänegesetz unter fadenscheinigen Ausreden verweigern (kostet mich gerade echt Nerven...) - aber das Insolvenzrecht ist an all diesen Problemen nicht schuld!
Das ist schon richtig, aber das Kernproblem bleibt ja für die Empfänger der staatlichen Kredite:

Sie müssen getilgt werden und sind auch nicht zinsfrei. Das wird zwangsläufig zu höheren Preisen führen, da die bisherige Kalkulation dann nicht mehr aufgeht. Von Zinsanstiegen will ich gar nicht reden. Dann bist du bei den sogenannten "Zombieunternehmen".

Das Einzige, was personalintensive Bereiche wirklich entlastet ist das Kurzarbeitergeld. Mancher Mittelständler spart dadurch Millionen, weil er ja die Leute auch nicht von heute auf morgen vor vor die Tür setzen kann wie in den USA. Sicher muss man da in Vorleistung gehen, aber das sollte in den allermeisten Fällen kein Problem sein.

Und andere wie Vapiano, Maredo, Klier etc.? Die waren vor Corona schon am Limit. Da gehen einfach die Geschäftsmodelle nicht auf oder waren extrem auf Kante und Hebelung durch Wachstum ausgelegt (ein Laden finanziert den nächsten, der den übernächsten usw.).

Solche Modelle, meistens auf Kosten der Mitarbeiter, braucht kein Mensch. Andere ohne Gewinnerzielungsabsicht auch nicht.

MMn. müsste man bei den Hilfen genau schauen. Wo wird Schindluder getrieben? Wo war vorher schon alles fast kaputt? Wo können Gesellschafter Eigenkapital nachschieben? Wo versteuert das Unternehmen? Werden trotz Hilfen noch Gewinne ausgeschüttet?

Da muss man den Einzelfall beurteilen. Wenn aber Lufthansa in Malta versteuert und Tui mit einer Billigflagge fährt, dann muss man die entweder aus nationalem Interesse verstaatlichen oder es gibt halt nichts.

Wichtig wäre mit dem Gießkannenprinzip aufzuhören und sich individuell jeden Fall anzuschauen.

Wenn ein Hopp für die Adler Mannheim und Rhein-Neckar Löwen insgesamt 1,6 Mio Coronahilfe bekommt und für die MA Kurzarbeitergeld und parallel per Börsengang von Curevac 2-4 Milliarden verdient, dann ist das nicht mehr der breiten Masse vermittelbar.
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