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AW: DER Thread für politisch Interessierte
@BB:
Kurz und einfach erklärt:
Unter bestimmten Bedingungen sind in den Niederlanden zum einen der Körperschaftssteuersatz dort geringer (21,7% über 200.000 Euro, 15% darunter, Gewerbesteuer fällt nicht an, in Deutschland in der Summe ca. 30% Unternehmenssteuer), Erträge dort werden in Deutschland nicht konzernintern zugerechnet und, das Interessanteste, Kapitalerträge und Dividenden sind in den Niederlanden bei geschickter Struktur der B.V. steuerfrei. Dazu gibt es, wie schon gesagt, keine Kapitalabfussteuer in Drittländer.
Nutzt also ein Konzern zunächst die Steuerfreiheit auf Gewinne in Irland und schiebt das Geld dann abgabenfrei in die Niederlande UND bringt dort etwaige Kapitalerträge unter UND nutzt den relativ niedrigen Körperschaftssteuersatz für die notwendig dort ausgewiesenen Gewinne (da lohnt es sich dann für den Staat, weil Kapitalerträge nur steuerfrei sind, wenn sie < 50% der Betriebsergebnisses des Kerngeschäftes in den Niederlanden sind), dann rechnet sich das durchaus, besonders wenn man im Kerngeschäft auch noch in den Niederlanden aktiv ist, was ja für nahezu sämtliche Großkonzerne gilt.
Soweit in möglichst einfachen Worten erklärt.
Beim zweiten Punkt wäre es ganz simpel. Frag die Lobbyisten und Parteispender warum es nicht gemacht wird.
Das Problem ist ja nicht, dass es nicht möglich wäre eine halbwegs gerechte Besteuerung und Abgabenlast zu ermöglichen. Es ist schlichtweg nicht gewollt. Und Deutschland ist ja keine Ausnahme. Im Grunde läuft das in der gesamten westlichen Welt ähnlich. Manches ist hier besser, einiges woanders. Je internationaler und vermögender, desto internationaler kann sich derjenige Aufstellen und dementsprechend die jeweiligen Vorteile ausnutzen. Die komplette Mittelschicht, dazu zähle ich alles Unterhalb dieser Extremvermögen von 20, 30 Mio plus X, zahlt weit überproportional. Und warum tun das die wirklich Reichen (alles darunter ist nicht "reich", das ist höchstens "wohlhabend")? Weil sie es können! Weil sie mit Arbeitsplatzverlagerungen drohen, Betriebsschließungen und Kapitalabwanderung ins Ausland. Und die Staaten haben sich in einem Wettlauf um möglichst gute Bedingungen völlig verrannt und haben die Finanzhoheit zumindest in diesem.Segment abgegeben. Dass es langfristig zu massiven Interessenkonflikten kommt und durchaus irgendwann soziale Unruhen drohen nimmt man hin, da man in diesen finanziellen Bereichen auch örtlich sehr flexibel ist.
Geändert von Noppenzar (23.02.2021 um 19:17 Uhr)
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