Hier dürfte es kein Allheilmittel geben, da die Situationen in den Vereinen sehr unterschiedlich ist.
Fakt ist, dass ein Verein bzw. eine Abteilung laufende Kosten zu bestreiten hat und dafür "flüssig" bleiben muss. Beiträge für Verbände, LSB, Versicherungen u.ä. muss jeder Verein weiter stemmen (bei uns ziemlich genau 25 % unserer Einnahmen durch Beiträge). Viele (nicht alle) müssen weiterhin zumindest anteilig zum Unterhalt der Sportstätten beitragen (ist auch in Ordnung; eine Halle muss auch geheizt/gewartet/... werden). Manche Vereine/Abteilungen haben noch hauptamtliche Mitarbeiter, die selbstverständlich weiterbezahlt werden müssen. Dazu kommen noch sonstige feste Ausgaben (Homepage, Datenschutz, ...). Die dürften i.d.R. doch deutlich geringer ausfallen.
Unser Gesamtverein hat nach jahrelanger Planung vor 1,5 Jahren begonnen, sämtliche Sportstätten zu sanieren/umzubauen. Natürlich hauptsächlich über Förderungen finanziert, aber ein relevanter Eigenanteil war und ist zu leisten. Nun ist die erste Halle fertig und "neu" und kann nicht genutzt werden. Die Kosten dafür und für weitere Bauvorhaben laufen selbstverständlich weiter. Durch umsichtige Planung und gutes Wirtschaften vor Baubeginn funktioniert das zwar nach wie vor, einfacher wird es allerdings nicht.
Natürlich fallen auch Kosten weg. Übungsleiterstunden sind hier wohl der größte Punkt. Weiterhin fällt da Verbrauchsmaterial, ggf. Fahrtkosten, Turnierstartgelder und Vereinsaktivitäten u.ä. darunter. Je nachdem kommen auch ein paar Kosten hinzu, vor allen Dingen für etwaige Online-Angebote (Lizenzen) und kommende Hygieneauflagen (Desinfektionsmittel u.ä.). Hygieneausstattung kann tatsächlich sehr teuer werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass ein Verein, der aktuell ein Alternativangebot meistens online anbietet, mehr Argumente hat, den vollen Beitrag einzufordern.
Zu beachten ist auch ein gewisser Mitgliederrückgang in dieser Zeit. Insbesondere im urbanen Raum und im Jugendbereich ist eine gewisse Fluktuation normal. Wenn allerdings die Neuanmeldungen fehlen, geht die Mitgliederzahl selbst bei einem "gesunden" Verein merklich nach unten ( > 10%).
Im Endeffekt haben die meisten Vereine/Abteilungen, je nach Beitrags/Einnahmen- und Ausgabenstruktur, wohl um die 50 % fixe Kosten im Vergleich zu den Einnahmen. Der eine sicher mehr, der andere sicher weniger. Dies bestätigt sich auch in der Aussage, dass hier ein Verein die Hälfte der Beiträge erlässt. Viel mehr dürfte an Nachlass nur selten möglich sein.
Mit diesem Überschuss, der allerdings mehr oder weniger einmalig ist, kann nun unterschiedlich verfahren werden (mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Bildung einer nicht-zweckgebunden Rücklage (Vorteil vor allem für finanzschwache Vereine zur Konsolidierung; Nachteil: zur Erhaltung der Gemeinnützigkeit nur begrenzt möglich; kein greifbarer Nutzen für Mitglieder) --> eigentlich nur für finanzschwache Vereine eine Option
- direkte Weitergabe an die Mitglieder in Form einmalig gesenkter Beiträge (Vorteile vor allen Dingen für die Mitglieder durch finanzielle Entlastung; insbesondere Bindung der Mitglieder; Nachteile: weniger Geld in der Vereinskasse) --> für Vereine, die bereits ein gewisses Polster haben interessant
- Bildung einer zweckgebundenen Rücklage zur Materialbeschaffung/Renovierung/... (Vorteile: mittelfristig greifbare Vorteile für Mitglieder; Nachteil: Mitglieder bezahlen weiter voll, ohne aktuelle Gegenleistung) --> für mittelsolvente Vereine, die ihren Mitgliedern perspektivisch ein besseres Vereinsgefühl bieten möchten interessant
- Anschaffung von Material aus aktuellen Überschüssen und ggf. bisherigen Rücklagen (insbesondere Tische, vielleicht auch ein guter Ballroboter für den Nachwuchs oder Schlägersets für finanzschwache Jugendliche; für mehrere Tische muss wohl in den meisten Fällen mit Rücklagen aufgestockt werden; Vorteile: bessere Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten, dadurch evtl. zusätzliche Motivation; Nachteile: fehlende Entlastung der Mitglieder; evtl. Zugriff auf Rücklagen) --> für Vereine, die tatsächlich Bedarf an neuem Material haben interessant (dürfte auf die meisten zutreffen

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- ÜbungsleiterInnen, Ehrenamtler und Jugendliche in Onlinekursen aus- und weiterbilden (Vorteile: perspektivisch eine Investition in die Zukunft; Nachteile: keine Entlastung der Mitglieder; schwer greifbar; aktuell wenig Angebote) --> finde ich für fast alle Vereine eine bedenkenswerte Möglichkeit
- eineN externeN TrainerIn für die Mitglieder buchen, evtl. in Form eines Trainingslagers oder mehrerer Trainingsbesuche, aktuell natürlich ohne konkreten Termin (Vorteil: Trainingsmotivation und spielerische Verbesserung in der Zukunft; weniger aus Vereinssicht auch die Unterstützung freier TrainerInnen; Nachteil: keine Entlastung der Mitglieder; nur eine begrenzte Anzahl der Mitglieder profitiert tatsächlich; langfristiger Erfolg fraglich) --> für Vereine mit vielen ambitionierten (Nachwuchs-)SpielerInnen interessant
- eine gigantische Feier/Vereinsturnier mit freier Verpflegung angepasst an den Verein, gerne auch über mehrere Tage (von Hüpfburg bis Bierwagen sozusagen) wenn es wieder möglich ist (Vorteile: Bindung der Mitglieder; Erlebnisse überdauern häufig länger als Materielles; Nachteile: keine Entlastung der Mitglieder) --> ich finde, wenn es die Pandemiesituation und der Geldbeutel eines Vereines zulässt, sollte das, im Sinne des Vereinslebens, bei jedem auf dem Zettel stehen
So muss am Ende jeder Verein entscheiden, was er in dieser Situation tut. Sicher kann man auch verschiedene Ansätze kombinieren und es muss selbstverständlich auch auf die Situation des Vereines passen. Bei den meisten Vereinen reden wir auch über eher überschaubare Summen. Einige tausend Euro dürften nur die allerwenigstens Vereine haben. Bei den meisten läuft es wohl eher auf einen 3-stelligen oder einen kleinen 4-stelligen Betrag hinaus.
Zum Abschluss möchte ich zu bedenken geben, dass eine pauschale Beitragsaussetzung möglicherweise nicht von der Satzung gedeckt ist. Ob man da ein Fass aufmachen muss, kann jeder für sich selber entscheiden.
Und ich glaube, wir sind uns einig, dass von der Pandemie stark betroffenen Mitgliedern entgegengekommen werden sollte.