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AW: TTBL | 1. Bundesliga Herren 2020/2021
Eines kann ich mir nicht verkneifen.
Feststellung:
Amateur 1 versucht sich an einer Einschätzung der Drucksituation in einem Schlüsselspiel des TTBL-Finales:
Zitat:
Zitat von D. Lirium
Shang Kun gegen Timo Boll, ich denke dass dieses Spiel so vorentscheidend ist, dass dadurch auch am Ende die Mannschaft des Siegers das Finale gewinnen wird.
Der Druck im Spiel Darko Jorgic gegen Anton Källberg ist dann für denjenigen so hoch, der gewinnen muss, dass das entscheidend ist.
Wenn Shang Kun gewinnt, dann führt Saarbrücken 2:1 und Jorgic weiß genau, selbst wenn er verliert, dass dann noch das Doppel kommt, während Källberg weiß, dass er gewinnen muss und Düsseldorf weiß dass sie jetzt sogar beide Spiele gewinnen müssen, während Saarbrücken eines der beiden Spiele zum Titelgewinn reicht. Und umgekehrt gilt dasselbe, wenn Timo Boll gewinnt, dann haben Jorgic und Saarbrücken diesen Druck.
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Das war in Ordnung und nachvollziehbar. Die Antwort dazu weniger:
Eskalationsspirale Stufe 1:
Amateur 2 stellt die Situation eines Schlüsselspieles in einem TTBL-Finale auf eine Ebene mit einem Abschlussdoppel in der Kreisliga  :
Zitat:
Zitat von Firedisc
Naja, so eine Situation ist jetzt nicht wirklich neu, vor allem nicht für Profis. Den Druck Dein Spiel zu gewinnen am Spieltag hast Du auch in der Kreisliga wenn du als Letzter vor dem Abschlussdoppel an den Tisch musst.
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Eskalationsspirale Stufe 2:
Amateur 3 gibt Timo Boll nicht nur Mentaltipps, sondern erklärt diesem auch, dass ihm Bolls Aufschlag- Rückschlagspiel gefallen hat und Boll darauf aufbauen kann, " aber nicht mehr vorne am Tisch, da ist Källberg & Konsorten einfach zu schnell geworden." und gibt Timo Boll weitere taktische Tipps:
Zitat:
Zitat von spintakki
Um richtig heiß zu laufen hilft es sicher auch die alten Videos von dir nochmal zu sehen, in denen du die Chinesen bezwungen hast; die langen Ballwechsel aus der Halbdistanz, die hast du für dich entschieden, weil du einfach (fast) keine Fehler gemacht hast. Dagegen der Rh Block vorne am Tisch geht (viel) zu häufig über den Tisch...
Dagegen kannst du hinten in der Halbdistanz arbeiten wie ein Derwisch. Und diesen Willen jeden Ball mit noch mehr Spin von hinten gegenzuziehen und dafür zu ackern bis zum Umfallen
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Kann man alles hier nachlesen:
https://forum.tt-news.de/showthread....68#post3238868
 Viele Grüße von David Dunning und Justin Kruger
Wissenswertes über den Dunning-Kruger-Effekt:
Zitat:
Warum haben oft gerade inkompetente Menschen das größte Selbstbewusstsein? Das liegt am Dunning-Kruger-Effekt. Eine kurze Erklärung des Phänomens.
Egal, ob es um Berufliches oder Privates geht: Diejenigen, die am allerwenigsten über ein Thema Bescheid wissen, sind leider oft die, die glauben, sie wüssten es besser als andere. Schuld ist der Dunning-Kruger Effekt, den die Psychologen Justin Kruger und David Dunning von der Cornell University im Jahre 1999 im Rahmen einer Studie entdeckt haben.
Die besagte Studie ergab, dass gerade Menschen mit wenig ausgeprägten Kompetenzen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Und die Schlange beißt sich selbst in den Schwanz: Eben genau wegen ihrer Inkompetenz sind diese Menschen wiederum nicht in der Lage zu erkennen, dass sie inkompetent sind. Stattdessen glauben sie, dass sie anderen überlegen sind und haben ein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein.
Der Teufelskreis der Inkompetenz
Darauf schlussfolgerten Dunning und Kruger,
dass weniger kompetente Menschen dazu neigen, sich selbst zu überschätzen
dass sie außerdem die Kompetenz und Intelligenz anderer verkennen
dass sie deshalb das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht erkennen und nicht die Notwendigkeit sehen, sich weiterzubilden und damit ihre Kompetenz zu steigern.
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Zitat:
Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen. Diese Neigung beruht auf der Unfähigkeit, sich selbst mittels Metakognition objektiv zu beurteilen.
An der Cornell University erforschten David Dunning und Justin Kruger diesen Effekt in weiteren Experimenten und kamen 1999 zum Resultat, dass weniger kompetente Personen
dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen,
überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen,
das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht richtig einschätzen,
durch Bildung oder Übung nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen können, sich und andere besser einzuschätzen.
„Wenn man inkompetent ist, kann man nicht wissen, dass man inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die Sie benötigen, um eine richtige Antwort zu geben, sind genau die Fähigkeiten, die Sie benötigen, um zu erkennen, was eine richtige Antwort ist.“ – David Dunning, 2005
Scheinbares Wissen
Unwissenheit wird gelegentlich auch durch ein von Dunning so bezeichnetes "reach around knowledge" getarnt. Demnach zeigen Menschen diese auch auf eine Weise, die eine weitere Erklärung dafür liefert, warum sie ihre Unkenntnis nicht erkennen. Forscher haben Menschen dabei ertappt, wie sie Wissen über Themen zum Ausdruck brachten, von denen die Forscher mit Sicherheit sagen konnten, dass man darüber nichts wissen kann, weil diese Themen in der Wissenschaft nicht existieren.
Bei einer Untersuchung wurden die Teilnehmer aufgefordert, ihr Wissen über 150 verschiedene Themen einzuschätzen. Unter diesen Themen befanden sich 30 Themen, die lediglich eine Erfindung der Experimentatoren waren. Von den echten Themen gaben 44 % der Befragten an, sie einigermaßen zu kennen. Von den nicht existierenden behaupteten die Befragten dasselbe für etwa 25 % der Themen. Die Autoren bezeichnen diese Tendenz als over-claiming, eine Form der Selbstaufwertung, die unabhängig von den intellektuellen Fähigkeiten sei. Menschen äußerten demnach auch Meinungen über nicht existierende soziale Gruppen und dergleichen. Eine beträchtliche Anzahl der Personen behauptete, über genügend Hintergrundwissen zu verfügen, um sich darüber eine Meinung bilden zu können.
Halbwissen
Nach einer Studie von Carmen Sanchez und David Dunning kann der Dunning-Kruger-Effekt auch bei Halbwissen auftreten. Ganz am Anfang eines Lernprozesses wissen die Personen zumeist, dass sie noch etwas zu lernen haben, was sie vor Selbstüberschätzung schützt. Nachdem sie einige Erfahrungen gesammelt haben, können sie aber sehr anfällig für den Dunning-Kruger-Effekt werden.
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Zitat:
Im selben Artikel ein Fazit auf eine Untersuchung der US-Wissenschaftler Stuart und Hubert Dreyfus, mit einer Einstufung „mentalen Aktivitäten zum Erwerb von Fertigkeiten“ in fünf Stufen:
- Anfänger
- Fortgeschrittener
- Kompetenter
- Versierter
- Experte
Im Hinblick auf Wissen richtig einzuschätzen war das Fazit: "Einsteiger gehen mit Respekt an eine Sache heran und Halb-Anfänger neigen dazu, sich zu überschätzen und sich für Experten zu halten."
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Ein Forum lebt natürlich von dem Zusammenspiel von Unwissenheit und Know-how. Es gibt User die wissen fast nichts, wenig, bisschen was, durchschnittlich wenig/viel, überdurchschnittlich viel, einiges, vieles, sehr viel und können je nach Kenntnissen, Fähigkeiten und Wissensstand Fragen anderer beantworten, die weniger wissen.
Aber manchen würde doch etwas mehr Realismus gut tun. In den verlinkten Artikeln steht etwas über "Scheinbares Wissen" und "Halbwissen". Soweit ich das beurteilen kann, denken öfters gerade die Hobbyspieler in den ganz tiefen Hobbyligen wie Kreisliga, Bezirksliga und Landesliga, dass sie in Diskussionen über Spiel, Taktik und Material im Profizirkus auf Augenhöhe mit den Profis und echten Experten mitreden können und sie denken dass sie tatsächlich Bescheid wissen, von was sie da sprechen.
Hobbyspieler aus der Verbandsliga, Oberliga und Regionalliga sind zwar selber auch meilenweit von der Bundesliga entfernt, aber es ist selten, dass von diesen Spielern jemand auf die Idee kommt, eine Oberliga Abstiegsrelegation mit einem Champions League Viertelfinale zu vergleichen oder Ma Long Trainings-, Mental- und Taktiktipps für Olympia geben zu wollen.
Es gibt in beiden Bereichen natürlich Ausnahmen. Aber die Spieler die ich meine, das sind meistens auch diejenigen, die mit 1300, 1500 oder 1700 TTR-Punkten Material spielen, welches eigentlich für Spieler mit 1900, 2100 oder 2300 TTR-Punkten bestimmt ist und die sich und Material nicht wirklich einschätzen können. Wie gesagt, es gibt Ausnahmen. Aber zu diesen Ausnahmen gehören meistens nicht diejenigen, die sich durch meinen Beitrag auf den Schlips getreten fühlen.
Grüße vom zweitbesten Hobbyspieler!
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