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Alt 10.06.2021, 15:27
Petar Petar ist offline
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Wer ist wir und wie wird denn mit ihnen umgegangen?

Vielleicht klärst Du für Dich zunächst einmal, was ein Corona-Leugner ist, bevor Du wild mit dem Begriff herum wedelst.
Gut. Ich gebe dir ein Beispiel. Vielleicht verstehst du es dann. Vielleicht auch nicht.

Neuer Zürcher Zeitung, 13.05.2020

«Covidioten»: Wie die pauschale Abwertung von Corona-Protesten vernünftige Kritik verdrängt
Die Kritiker der Corona-Massnahmen sind keine homogene Masse. Auch wenn der Umgang mit den Demonstrationen der letzten Wochen dies oft nahelegt: Nicht jeder, der demonstriert, spinnt.

Auftritt «Covidiot»
Dieser Anknüpfungspunkt – der gemeinsame Zweck – scheint einer wachsenden Zahl von Kommentatoren zu genügen, um ein pauschales Urteil zu fällen. So sprach der Politikwissenschafter Claus Leggewie in der «Welt» von einem «kollektiven Wahn», und in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nannte ein Redaktor das Auftreten der Demonstranten verräterisch und ihren Einsatz für die Demokratie bloss «vermeintlich». Zum «Corona-Skeptiker» gesellten sich der «Corona-Leugner» und der «Covidiot». Besonders schnell verbreiten sich diese Begriffe in den sozialen Netzwerken, angereichert durch ältere Beleidigungen. So bezeichnete der Fraktionsvorsitzende der FDP im bayrischen Landtag, Martin Hagen, die etwa 3000 Demonstranten in München am Wochenende allgemein als «Vollpfosten».
Was diese Kritiker eint, ist ihr Unwille zu differenzieren. Ja, es gibt die Verschwörungstheoretiker und die Alu-Hüte, und es gibt die Demonstranten, die jeden Mindestabstand ignorieren und damit sich und andere gefährden. Aber es gibt auch den anderen, massvollen Protest. Die Initiative «1 bis 19» etwa, die nach eigenen Angaben aus Ärzten, Ökonomen, Anwälten, Künstlern, Soldaten, Ingenieuren und Studenten besteht, kritisiert die aus ihrer Sicht unverhältnismässigen Grundrechtseinschränkungen und eine fehlende Langzeitstrategie der Regierung. Die parlamentarische Opposition hat in den Augen dieser Demonstranten bisher versagt. Deshalb stehen sie auf der Strasse – ohne Verschwörungstheorien zu verbreiten und ohne «Widerstand» zu brüllen, aber mit ausreichendem Abstand zueinander.
Wer solche Demonstranten mit den Wüterichen in einen Topf wirft, sei es aus Ignoranz oder mit Absicht, erweist der demokratischen Kultur einen Bärendienst. Mehr noch: Wer ohne zu unterscheiden mit Begriffen wie «Covidioten» hantiert oder Tausende Bürger pauschal als «Vollpfosten» beleidigt, der ist letztlich keinen Deut besser als die Verschwörungstheoretiker: Er produziert ein schlichtes Feindbild, weil ihn die komplexe Realität überfordert.
Was bedeuten die Schmähungen für die bürgerlichen Regierungskritiker? Können sie es ignorieren, dass man sie als Idioten und Virus-Leugner darstellt? Kaum. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich viele von ihnen zurückziehen werden, um eine Stigmatisierung zu vermeiden. Übrig bleiben dann die anderen.
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