AW: TIBHAR Evolution MX-D
Ich habe diese Woche meine Bestellung mit dem Evolution MX-D und MX-P erhalten. Ich habe die Beläge auf mein Spielholz (Victas ZX-Gear in, IF-Carbon mit Limba-AF) aufgeklebt und auch vorab und zwischendurch abgewogen um direkte Vergleiche ziehen zu können, die bestimmt für viele Leser:innen interessant sein werden.
Die von mir erhaltenen Beläge (ohne Selektionswunsch) und somit randomisierte Exemplare wogen sich auf meiner Küchenwaage wie folgt:
MX-D: schwarz, 2.1/2.2mm, 117g verpackt, 77g ungeschnitten
MX-P: rot, 2.1/2.2mm, 111g verpackt, 75g ungeschnitten
Anhand dessen was ich bereits im Internet gelesen und gesehen habe, gehe ich davon aus, dass es sich beim MX-P mit 75g um ein überdurchschnittlich schweres und somit auf der Härtegrad-Skala am oberen Ende befindliches Exemplar handelt. Das werde ich bei Testurteilen und zukünftigen Spieleindrücken berücksichtigen.
Ich habe unten Bilder für euch angehängt, um die Schwämme bzw. die Noppengeometrie des Obergummis der beiden Beläge zu vergleichen. Bei meiner Begutachtung waren für mich in der Porigkeit der Schwämme zunächst keine Unterschiede zu erkennen. Da ich immer wieder von der Grobporigkeit des MX-P gelesen habe und dass der MX-D im Vergleich mittelporig/etwas feinporiger sein sollte, war das für mich etwas überraschend. Liegt vielleicht am harten/schweren MX-P Exemplar? Anhand der Fotos kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen. (Foto 1+2+3) Es ist aber bekannt, dass sich die Schwammtechnologien unterscheiden, und da ist klarerweise nicht nur die Porigkeit ein entscheidender Faktor. Insofern möchte ich hier noch keine weiteren Schlüsse ziehen. Ist offiziell etwas über das Obergummi bekannt bzw. die Unterschiede zu MX-P/MX-S? Oder wurde das gleiche Obergummi verwendet? Mir scheint die Noppen wären zwar in Größe und Form gleich, aber möglicherweise mit minimal geringerem Abstand beim MX-D als beim MX-P? (Foto 4) Ich habe nicht gemessen, vielleicht täuscht hier auch nur meine Wahrnehmung aufgrund der unterschiedlichen Belag-Farben?
Nach bewusst großzügigem Verkleben der Beläge mit Revolution No. 3 (4+2 Schichten) verblieben am 87g schweren Holz schlussendlich 54g MX-D und 52g MX-P, ergibt ein Gesamtgewicht von 193g. In etwa 2g sind dabei pro Belag-Seite dem Kleber zuzuordnen. Durchaus schwer aber aufgrund der ausgewogenen Gewichtsverteilung des Victas-Holzes fühlt es sich trotzdem nicht zu kopflastig an, wenngleich ich einen Schläger unter 190g definitiv bevorzuge. Wer abgesehen vom MX-D, der noch etwas schwerer als der MX-P ist, auch auf der anderen Seite Evolution spielen möchte, sollte das Gesamt-Gewicht jedenfalls im Hinterkopf behalten. Entweder leichtere Exemplare selektieren lassen oder weniger großzügig Kleber auftragen, dann wird es möglich sein 4-5g insgesamt einzusparen. Im Drucktest fühlt sich der MX-D erwartungsgemäß etwas härter an als der MX-P.
Ich habe bis 2017 in Österreich sieben Jahre 1. Bundesliga gespielt und war ab 2009 bis 2017 beidseitig mit T05 unterwegs. Der Foren-Name hier spiegelt nicht meine Spielweise wider sondern stammt noch aus Kindheitstagen wo auch gerne etwas weiter abseits der Tischplatte agiert wurde. In den letzten Jahren spiele ich nur mehr hobbymäßig und habe seither aus Neugier auch unterschiedliche medium-harte ESN-Beläge verschiedener Hersteller getestet. Darunter R47, R48, ACC, O7P und zuletzt auch die Tibhar-Beläge Aurus Prime und Quantum X Pro. Das sind alles sehr gute Beläge, die trotz nominell gleicher Schwammhärte von 47.5 Grad dennoch in ihrer jeweiligen Abstimmung spürbar unterschiedlich ausgelegt sind. Gerade der Vergleich zwischen dem MX-D und dem Aurus Prime wurde hier öfters erwähnt und macht aus meiner Sicht viel Sinn, da die Beläge für den gleichen aggressiven Spieler-Typ geeignet sind. Evolution-Beläge hatte ich bislang noch nie auf dem Schläger, daher war ich gespannt, wie ein persönlicher Test ausfallen würde, nachdem die Beläge sich höchster Popularität und besten Rezensionen erfreuen.
Gestern Abend ging es dann zu einem ersten Training in die Halle. Dass MX-D und MX-P verbrüdert sind, verspricht bereits das Entwicklungs-Ziel und die Werbeprosa. Insofern spielen sich die beiden Beläge zumindest auf den Ersteindruck auch ähnlich und das im positiven Sinne. Ich habe gestern abgesehen von einigen Bällen beim Einspielen noch nicht viel den Schläger gedreht sondern den MX-D auf der VH und den MX-P auf der RH gespielt. Hat jedenfalls unglaublich Spaß gemacht mit der Kombi und es lief beidseitig richtig gut. Für genauere Aufschlüsse und das Herausarbeiten der Unterschiede möchte ich mich nach erst einer Einheit noch zurückhalten. Da werden in den nächsten Wochen noch weitere Trainings und vor allem auch ein ausführlicherer Test des MX-P auf der Vorhand notwendig sein.
In Vergleich zum Aurus Prime, den ich auf gleichem Holz zuletzt gespielt habe, lassen sich allerdings klare Tendenzen für mich bereits erkennen. Sowohl Prime als auch MX-D sehe ich primär als Beläge für aggressives, spin-orientiertes Vorhand-Spiel. Auf der RH-Seite sind harte, schnell ausgelegte Beläge aus meiner Sicht eher für fortgeschrittene bzw. technisch gute Spieler, die sie auch mit der vergleichsweise kurzen RH-Bewegung entsprechend aktivieren bzw. im Passivspiel und über dem Tisch kontrollieren können, geeignet. Den MX-D habe ich auf der Rückhand nur beim Einspielen kurz getestet, daher sind meine folgenden Aussagen zum MX-D soweit nur für die VH-Seite zu verstehen. Ich hatte gestern den MX-P auf der Rückhand und mit dem kam ich auf Anhieb sehr gut zurecht. War überrascht wie variabel sich der auch im Return und über dem Tisch trotz hoher Temporeserven spielen lässt. Der Prime z.B. hat mir auf der RH nicht gefallen, ist aber auf der VH unter den von mir im Abschnitt zuvor genannten und getesteten ESN-Belägen definitiv erste Wahl gewesen.
Der Ballabsprung beim Prime ist höher und aufgrund des straffen Obergummis spielt sich der Prime für mich trotz nominell weicherem Schwamm gefühlt härter als der MX-D. Im Bereich aller Spin-orientierten und technisch gut getroffenen Schläge wo der Prime seine Stärken hat, ist auch der MX-D fantastisch. Das Spielgefühl ist jedoch etwas anders und für mich gefühlt *komfortabler* beim MX-D. In den Schlägen wo sich der Prime vom Timing her recht anspruchsvoll spielt und lieber aktiv gespielt werden will (kurze Rückschläge, lange Unterschnitt-Returns, gerade Blocks, generell passives Spiel) spielt sich der MX-D für mich variabler und sozusagen gutmütiger. Man hat irgendwie das Gefühl der Belag ist auch im Spiel über dem Tisch vergleichsweise sehr gut spielbar. Die Dynamik, die bereits in seinem Namen steckt, entwickelt sich für mich sehr nachvollziehbar. Im Vergleich zum Prime würde ich sagen, dass sich der MX-D auch im passiven Block, kurze sowie lange Unterschnitt-Rückschläge und generell über dem Tisch kontrollierter spielt und im offenen Spiel aber die gleiche Gefährlichkeit hat, da jederzeit die entsprechenden Temporeserven aktiviert werden können. Alle Stärken im spin-orientierten Spiel, die den Prime auszeichnen und zu einem für mich fantastischen VH-Belag machen, hat der MX-D auch.
Der MX-D scheint alle Spielbereiche des modernen Tischtennis sehr gut abzudecken ohne gravierende Schwächen in Einzelbereichen wie dem Rückschlagspiel oder dem Passivspiel aufzuweisen. Für die anderen Beläge, die ich in den letzten Jahren so gespielt und getestet habe, würde ich das nicht sagen. Die Beläge haben in der Regel klare Stärken in den Bereichen für die sie ausgelegt und konzipiert wurden. Dabei blieben aber wieder andere Teilbereiche etwas auf der Strecke, was im Endeffekt dazu geführt hat, dass sich die Beläge bei manchen Schlägen anspruchsvoll und etwas zickig spielen ließen. Das gilt klarerweise nicht nur für die ESN-Beläge sondern auch für den T05. Das Problem sehe ich beim MX-D bislang nicht. Hoffentlich bestätigt sich dieser Ersteindruck auch im Laufe der Zeit.
Beim MX-P wird immer wieder von vielen bemängelt, dass der in Grenzbereichen auch mal explodiert und unkontrolliert wird. Nach einer Trainingseinheit kann ich das für den MX-P, da ich ihn auch erstmal nur auf der RH gespielt habe, noch nicht beurteilen, allerdings hatte ich diesen Eindruck beim MX-D gestern auf der Vorhand nie. Irgendwie waren keine verdutzten Blicke auf den Belag nach abgerutschten oder ausgebrochenen Schlägen notwendig, wie man sie sonst so immer wieder gerne macht.
Um mein erstes Fazit nochmals zusammenzufassen: Beim MX-D handelt es sich um einen herausragenden Belag, der für aktives, aggressives, modernes Tischtennis perfekt geeignet ist und scheinbar in allen Bereichen des aktiven wie auch passiven Spiel sehr gut funktioniert. Der MX-D spielt sich bei aktiven Bällen schnell und dynamisch und im Passiv-Spiel und über dem Tisch für diese Kategorie von Top-Belag aus meiner Sicht überraschend variabel und kontrolliert. Die Dynamik kommt nur dann zum Vorschein, wenn sie Spielerseitig aktiviert wird, und nicht ungewollt bei Rückschlägen oder passiven Schlägen. Auch Kurz-Ablegen ging sehr gut, griffiges Obergummi, kein störender Katapult. Bei diesem Belag wird es sehr schwierig sein wirkliche Schwächen ausfindig zu machen, da einfach das Gesamt-Paket für mich sehr stimmig scheint. Viele Stärken und keine offensichtlichen Schwächen zeichnen diesen Belag aus. Für all jene, die medium-harte, nicht klebrige Beläge vor allem auf der VH spielen können und wollen, denen sei ein Test zu empfehlen. Die nominell etwas härtere Auslegung sollte da nicht abschrecken. Der Belag spielt sich aus meiner Sicht eher medium-hart und nicht hart, wie vielleicht von manchen befürchtet.
Das soll bitte nicht heißen und so zu verstehen sein, der MX-D wäre ein Leichtspiel-Belag, den jeder kontrollieren kann und sich demnach sofort auf die Vorhand kloppen sollte. Entsprechendes Spielniveau und vor allem Technik wie bei jedem schnellen Premium-Belag sollte schon vorhanden sein. Aber für ambitionierte Ansprüche und technisch stabile Spieler, die nicht auf den Zug der Hybrid-Beläge aufspringen wollen, sollte der Belag für viele zukünftig wahrscheinlich erste Wahl sein auf der Vorhand.
Ich werde die Kombi die nächsten Wochen jedenfalls weiter testen und kann dann hoffentlich auch brauchbare Vergleiche zum MX-P ziehen und etwaige Unterschiede herausstreichen. Auch in Bezug auf die Haltbarkeit und wie lange die Spieleigenschaften auf diesem hohen Niveau konstant bleiben, werden dann erste Aussagen möglich sein.
Geändert von Ballonverteidiger (11.06.2021 um 00:15 Uhr)
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