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Alt 21.07.2021, 10:56
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AW: Was kann man gegen das Problem tun, dass Kinder und Jugendliche mit dem Tischtennis aufhören?

Wie viele kleine Vereine haben auch wir ein ungutes Gefühl beim Blick auf die Zukunft unseres Vereins in 10 bis 15 Jahren. Wir investieren sehr viel Zeit und Geld in unsere Jugendarbeit und wir haben immer eine Anzahl von bis zu 20 Kindern und Jugendliche im Training. Leider erreichen sehr wenige davon den Damen/Herrenbereich.
Unsere Trainer sind gut ausgebildet und versuchen den Kindern/Jugendliche modernes Tischtennis zu vermitteln. Das in den Trainerlehrgängen vermittelte Leitbild orientiert sich am Spitzensport. Viele Kinder haben allerdings gar nicht die physischen und motorischen Fähigkeiten dieses moderne Tischtennis je zu erlernen. Oft sind dies Kinder welche bereits vorher in Sportarten wie Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis gescheitert sind. Diese verbinden mit Tischtennis die Vorstellung eines eher geselligen,
physisch nicht sehr fordernden Hobbys. Daneben haben wir immer wieder viele Späteinsteiger welche von anderen Sportarten wie Fußball zu uns wechseln. Die große Kunst besteht nun darin, diesen Kindern/Jugendlichen eine Art von Tischtennis zu vermitteln, welche sie in die Lage versetzt am Spielbetrieb halbwegs erfolgreich teilzunehmen. Denn nichts ist motivierender als Erfolg - Misserfolg hingegen führt dazu, dass der Schläger an den Nagel gehängt wird. Und genau darin sehe ich die Defizite bei der Trainerausbildung. Schaut man sich die Unterlagen des VDTT an, sieht man darin nur schulmäßige Topspin Technik bei Kindern. Es findet sich kein Bild eines übergewichtigen Kindes mit eigenwilliger Technik und Schlägerhaltung.
Diese Trainer beschäftigen sich dann während des Trainingsbetriebs auch größtenteils nur mit den talentierten Kindern, welche die Vorgaben umsetzen können. Die oben angesprochene Gruppe ist dagegen gar nicht in der Lage, das von den Trainern erwartete Topspinspiel umzusetzen. Im Spielbetrieb versuchen sie mangels Alternativen das Topspinspiel trotzdem umzusetzen und scheitern vollkommen. Ich denke, dass diese Zielgruppe mit einem anderen Tischtennis Leitbild geschult werden sollte, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, einigermaßen erfolgreich am Spielbetrieb in unteren Jugendklassen teilzunehmen und später auch im Erwachsenenbereich mit entsprechender Motivation auf Bezirksebene ( < TTR 1500) zu spielen. Schwerpunkte sollten Schlagarten wie Schupf, Block und Konter (Schuss) sein. Dazu noch eingeübte Spielzüge und fehlerverzeihendes Material - vielleicht Antitop oder Noppen.
Aber hierzu sind die ausgebildeten Trainer nicht in der Lage, weil sie es nicht gelernt haben. Noch ein Vergleich aus dem Schulbereich: Hat ein Gymnasiallehrer die Ausbildung einen Förderschüler zum Hauptschulabschluss zu bringen ?
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