Zitat:
Zitat von Horasio
Stimmt doch nicht.
Ich komme mir schon etwas doof vor, weil ich auch viele Schwächen im Programm sehe (Steuern, Erbschaftsteuer, Tempolimit usw.), aber die FDP macht den Vorschlag einen Teil der gesetzlichen Rente in einen Aktienfonds zu investieren.
Das finde ich ziemlich genial! Damit würde die Bevölkerung z.B. auch am Erfolg von Digitalkonzernen partizipieren, die sonst viel zu wenig Abgaben zahlen.
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Ich finde das norwegische oder schwedische Modell auch gut, allerdings hat es gegenüber dem Umlageberfahren auch zwei Schwächen, die nicht unerwähnt bleiben sollten und rein mathematisch sind:
1) bezogen auf die Bevölkerungsanzahl müsste ein Fonds wie norwegische in Deutschland 15 Billionen an Assets haben. Kopieren das noch mehr Staaten kommst du irgendwann in den Bereich, wo es keine Anlagemöglichkeiten mehr gibt. Schon der norwegische Fonds hält 1,2% am Aktienkapital im DAX.
2) die Nagelprobe für diese Form kommt im etwa 10 Jahren, wenn die Babyboomer in großer Zahl in Rente gehen und viele ETF's von den Anlegern monetarisiert werden. Was passiert, wenn viele Rentner gleichzeitig ihre Positionen liquidieren oder auch wenn Norwegen irgendwann die Ölförderung einstellt und mehr aus dem Fonds rausgeht als reinkommt.
Dazu kommt noch ein rein handelstechnischer dritter Punkt: was passiert wenn alle Staaten und Privatpersonen in solchen Fonds/ETF's in der westlichen Welt dort anlegen und bei einem Rücksetzer Stopp-Loss Kurse der Fonds reihenweise fallen?
Ein viertes Problem existiert schon bei den aktuellen Kursen. Schon jetzt sind auf aktuelle Nachkäufe bei Valueaktien die Dividendenrenditen nicht mehr gut. Dasselbe Problem gibt es aktuell in den Großstädten auch schon im Immobilienbereich bei den Mietrenditen. Was passiert, wenn Staatsfonds oder jetzt schon BlackRock die größten Anteilseigner sind bei schlechtem KGV und KUV? Der Renditedruck auf die Vorstände steigt, stark steigende Preise könnten die Folge sein. Im Kleinen sieht man diese Effekte auch im Private Equity Bereich, wo Großanleger schon vermehrt Mittelständler und sogar kleinere Firmen mit 10-20 Mio Umsatz aufkaufen.
Ich finde es prinzipiell auch gut, aber man sollte die klassische Säule nicht ganz aufgeben. Die gesetzliche Rente wird immer schlechtgeredet, hat aber den einen Vorteil, dass sie im aktuellen System inflationsgeschützt ist. Hier könnte man mit dem Schweizer Modell Druck vom Kessel nehmen. Das Hauptproblem dieses Systems hat RG 1998-2005 mit dem Niedriglohnsektor geschaffen. Das hatte am Anfang zwar positive Konjunkturauswirkungen, aber durch den Lohndruck kommen halt auch viel weniger Beiträge ins System. Schröder hat sich damals auf dem WEF in Davos damit gebürstet den größten und besten Niedriglohnsektor in Europa geschaffen zu haben. Das hatte auch kurzfristig einen enormen Konjunktureffekt und war durch die Aufstockung wahrscheinlich die größte staatliche Subvention für Mittelständler und Großkonzerne in der Geschichte der BRD. Die große Anrechnung kommt aber dann, wenn die Billigjobber in Rente gehen und die Grundrente greift. Dann wird es für den Staat teuer. Dasselbe Problem hat man bei den Pensionen. Daher, da bin ich mir sicher, kommt in den nächsten 20 Jahren irgendwann das Schweizer Modell. Alle Zahlen Alles von Allem ohne BBG. Hoffentlich dann zu weit niedrigeren Beitragsprozenten wie in der Schweiz.