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AW: DER Thread für politisch Interessierte
Aber auch der letzte Punkt geht auf die Preise.
Im Valuebereich meine ich die Dividendenrendite und auch die Zinsen auf Unternehmensanleihen. Die Großanleger wollen ja Return of Invest und das ist bei langfristiger Investition halt die Dividende/Anleihenzins.
Daher guckt man ja auch auf das KGV. Ein Kursgewinn als Altersvorsorge ist schön, aber nur durch Verkauf monetarisierbar. 10,15 oder auch 20% Dividendenrendite, die man auf Kaufkurse von 2008/09 oder 2002 bekommt sind bei Aktien, die man sowieso halten will, da das Unternehmen einfach stabil und gut ist, für Rentner top.
Perfekt sind doch solche Mehrsäulenmodelle wie bei BMW. Wer da 45 Jahre lang am Band war bekommt einerseits eine gute Rente, konnte vom Einkommen ein Haus bauen, das sich im Wert vervielfacht hat, dazu kommt oft noch eine üppige Betriebsrente, und dann halt die Möglichkeit Firmenaktien zu erwerben. Wer das getan hat und regelmäßig die Dividenden reinvestiert hat, der geht heute zum Teil als mehrfacher Millionär in Rente.
Dieses Mehrsäulenmodell ist ja auch keine exklusive Neuerfindung der FDP. Das gab es alles schon mal in den 70ern/80ern. Jeder Konzern hatte das bis die Bundesregierung die steuerlichen Vorteile der Unternehmen bei der Rückstellung gestrichen hatte. Das war irgendwann in den 80ern oder 90ern. Egal ob Öffentlicher Dienst, RWE oder viele andere Firmen. Wer da 40 Jahre war hatte mehr Betriebsrente als staatliche Rente.
Das wirtschaftliche Kernproblem in Deutschland sitzt mMn. ganz woanders. Mangelnde Staatseinnahmen resultieren zum Großteil auf der Konzentration auf den Export und der sträflichen Vernachlässigung der Binnenkaufkraft. Da gibt es ein schönes Buch zu. "Armes reiches Deutschland". Das war sogar ein Bestseller nur hat den Kern des Buches wohl kaum jemand verstanden.
Ich verdeutlichte es nochmal an einem einfachen Beispiel:
Größter AG in der Nachbarstadt ist bei uns Friedrich Grohe. Ehemals ein Familienunternehnen, der Urinhaber war damals schon DM Milliardär, die Firma hat ausgezeichnet bezahlt. 100% Sonntag, 25%/50% Überstunden usw. usw.. Da gibt es ganze Stadtteile mit EFH Siedlungen wo nur alte "Grohianer" wohnen. Anfang der 2000er haben sich die Söhne des Gründers in die Schweiz verzogen, haben das Ganze steueroptimiert für eine knappe Milliarde Euro an KKR verkauft. Die haben nach den Schröderreformen wrstmal die Löhne zusammengestrichen, massiv Stammbelegschaft entlassen und ohne Ende Leiharbeiter reingeholt. Was sie aber nicht daran hinderte das Vorstandsbüro nach Düsseldorf zu verlegen in feinste Lage an der Oberkasseler Brücke. Begründet mit Lebensqualität und dass man anders keine Vorstände fände. Parallel hat man noch den Kaufpreis als Kredit auf die Firma umgeschrieben. Irgendwann hatte die Firma ihren eigenen Kauf abbezahlt und der Laden wurde mindestens einmal, ich meine sogar zweimal weiterverkauft, bis man dann an den japanischen Weltmarktführer für 3,7 Mrd veräußert wurde. Die gehen die Sache jetzt wieder klassisch unternehmerisch an und die Lage in der Belegschaft hat sich seitdem merklich beruhigt. Fakt ist aber, dass binnen 20 Jahren dort knappe 4 Mrd bewegt wurden, die dem System der Firma mehr oder minder entzogen wurden und bei den Finanzkonzernen landeten. Bezahlt hat es die Belegschaft.
Ein anderes Beispiel welches durch die Presse ging ist das Sundwiger Messingwerk. Auch Toparbeitsplätze, gehörte bis vor 1 Jahr zum Familienkonzern Diehl. Rüstungsindustrie. Alles klassisch unternehmerisch seriös. Jetzt sind sie an den "Deutschen Mittelstandsfonds" verkauft worden, ein Konglomerat aus Milliardärsfamilien, die Geld anlegen wollen. Erste Amtshandlung war der Versuch aus dem Tarif zu gehen. Nach massivem Arbeitskampf hat sich das aktuell erstmal erledigt. Ob auch hier über "Gesellschafterdarlehen" und die darauf fälligen Zinsen und Tilgungen Geld rausgezogen werden soll entzieht sich meiner Kenntnis. Noch mussten sie ja nach der Übernahme nicht publizieren.
Man könnte noch viele Beispiele mehr anführen und kommt immer wieder auf dasselbe raus, dass extrem viel Geld nach ganz ganz oben umgeleitet wird.
Auch bei Vonovia finanzieren die deutschen Mieter mit ihrer Miete die Dividende des größten Einzelaktionärs. Es ist der norwegische Staatsfonds! Der Mieter finanziert indirekt die Rente des Norwegers...
Dann hast du die Subs im Handwerk, Pflege, Landwirtschaft, Fleischindustrie aus Osteuropa. Auch da geht das Geld aus Deutschland raus. 1.500 verdient, 500 hier für Matratze, Wasser und Spaghetti und 1000 gehen in die Heimat. Sind sie alt bekommen sie deutsche Rente, die direkt nach Rumänien überwiesen wird und nicht hier verkonsumiert wird. Dazu, das war schon bei den Gastarbeitern ein steuerliches Problem, die sog. "Unterstützung bedürftiger Angehöriger". Eigentlich mal gedacht, um hier steuerliche Entlastung für Angehörige zu schaffen, deren Eltern im Pflegeheim etc. sind, wird das seit 40 Jahren massiv ausgenutzt.
In der Summe müsste man fast das gesamte System reformieren, alle Tatbestände die legal Geld aus dem System ziehen neu definieren und dann letztendlich bei einer Art Schweizer Modell landen. Dazu muss man dann auch irgendwann das Problem des Kapitalabflusses/Umverteilung in den Griff bekommen und die Binnenkaufkraft stärken. Umso mehr indirekte Steuern wären möglich, was viel Druck von System nehmen würde.
Nur wird das nicht passieren. Die linken Parteien sind zu dumm, um die Zusammenhänge zu verstehen und die CDU kann nicht gegen ihren mächtigen "Wirtschaftsrat", ein Milliadärssammelsurium, arbeiten. Ob man da die Grundrente einführt, 2% an einen Fonds abgibt oder die Leute bis 70 arbeiten lassen will geht nur an die Symptome. Letztendlich müsste man an die Ursachen ran.
Geändert von Noppenzar (27.07.2021 um 17:53 Uhr)
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