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AW: Olympia 2020 (23.07. - 08.08.2021, Tokio, JPN)
Hallo an Alle
Schreibe zum ersten Mal hier. Habe das Forum erst vor einigen Wochen "entdeckt" und finde es klasse, dass hier über TT so ein reger Austausch besteht.
Zu Olympia möchte ich auch noch meinen "Senf" hinzugeben, nachdem ich so einiges hier gelesen habe, was während Olympia geschrieben wurde.
Die absoluten "Superstars" von Olympia waren für mich ganz eindeutig die chinesischen Damen, was hier in einer doch sehr männerdominierten sportlichen Bewertung der Spiele viel zu kurz kam. Chen Meng, Sun Yingsha und Wang Manyu spielten hier mehr oder weniger in ihrem eigenen Universum und sie bewegen sich da noch um eine ganze Stufe höher als die chinesischen Männer, die ja auch schon komplett dominant sind.
Auch die chinesischen Männer sind eine Klasse für sich. Sie stehen deutlich über dem Rest der Welt, sind nicht nur spielerisch sondern auch mental allen anderen deutlich überlegen, aber sie sind schlagbar. Sowohl Ma Long als auch Fan Zhendong gewannen ihre Semifinals mit 4-3 und äußerst knapp im 7. Satz. was auch ihre mentale Überlegenheit unterstreicht, aber sie waren schlagbar, Dima und Lin Yun-Ju waren ganz dicht dran.
Bei den chinesischen Frauen ist so etwas undenkbar. Chen Meng und Sun Yingsha gewannen ihre Semifinals mit 4-0 und selbst Mima Ito, die beste Nicht Chinesin der Welt, war gegen Shasha im Endeffekt völlig chancenlos. Europäerinnen hatten in den vergangenen 5 Jahrzehnten keinerlei Chance und werden auch sicher in dem kommenden Jahrzehnt hier ohne jede Chance sein. Und auch wenn mal eine Doo Hoi-Kem 2 Sätze gegen eine Chinesin gewinnt, wird sie bei einem relevanten Turnier wie WM oder Olympia kaum eine Chance haben.
Manche werden jetzt vielleicht sagen, dass bei den Damen auch die Konkurrenz nicht so groß ist wie bei den Herren, aber diese Argumentation ist nach meiner Meinung absolut nicht zutreffend. Im Gegenteil. Ich denke, ins Verhältnis Männer/Frauen gesetzt, sind die Möglichkeiten einer Mima Ito, Mia Hirano oder Doo Hoi-Kem eher größer wie die eines Harimoto Ovtcharov oder Lin, aber die chinesischen Frauen sind einfach zu übermächtig und nahezu unschlagbar.
Chen Meng wurde verdient Olympiasiegerin und ich habe ihr diesen Erfolg sehr gegönnt. Ich beobachte ihre Karriere etwas seit ihrer längeren Verletzung Mitte des letzten Jahrzehnts und keine hat diesen Triumph so verdient wie sie. Sie ist nun bald 3 Jahre am Stück Erste der Weltrangliste und auch wenn da die Corona-Zeit inkludiert ist, steht sie da völlig zurecht so lange da oben, denn auch in den 1-2 Jahren davor war sie die stärkste Spielerin mit u.a. 4 Grand-Final-Wins in Folge.
Sun Yingsha war bei Olympia einfach nur sensationell. Abgesehen vom verlorenen Olympia-Finale gegen ihre ältere Mannschaftskollegin hatte sie in all ihren anderen Spielen zusammengerechnet ein Satzverhältnis von 28: 1. Lediglich Mima Ito konnte einen der 8 Sätze gegen Shasha gewinnen, die sie in Einzel und Team gegen sie spielte. Ich kenne keine, die mental so stark ist wie Shasha. Und das mit 20 Jahren. Ihr gehört die Zukunft.
Und Wang Manyu steht den beiden in so gut wie nichts nach. Auch ihr gehört die Zukunft. Und dahinter gibt es noch eine ganze Armada von jungen Spielerinnen wie etwa eine Wang Xiaotong und viele andere, die problemlos ebenfalls die komplette übrige Welt schlagen können.
Bei den chinesischen Männern ist der Vorsprung gegenüber der übrigen Welt und erst recht Europa nicht annähernd so groß wie bei den Frauen, auch wenn er natürlich auch exorbitant groß ist. Aber die chinesischen Männer werden von Zeit zu Zeit immer auch mal eine Niederlage bei großen Meisterschaften einstecken können, bei den chinesischen Frauen ist das nahezu unmöglich. Nur 2 Frauen in den letzten 50 Jahren haben das geschafft (Pak Hyun-Sun und Hyun-Jung-Hwa), das letzte Mal vor fast 30 Jahren (eine eigentlich unfassbare Bilanz), und es bedarf eines Jahrhunderttalents, dass das wieder einmal passieren kann.
Noch zu den Deutschen
Sie haben die Erwartungen, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Sportlern, die gleich en masse versagt haben, fast vollkommen erfüllt. Großartig die Silbermedaille mit dem Team, großartig die Bronzemedaille von Dima, auch wenn sie etwas glücklich gegen Lin zustande kam. Aber soweit muss man erst mal kommen. Er hat allerdings im Teamwettbewerb gleich 3 Einzel verloren, was andeutet, dass Platz 3 vielleicht auch etwas überperformt war. Bei Timo bin ich etwas gespalten. Wie fast immer war auf ihn im Teamwettbewerb Verlass, aber das erneute Scheitern im Achtelfinale des Einzels war eine herbe Enttäuschung. Sowas kann immer passieren , aber wenn es bei den großen Wettbewerben wie Olympia und WM in Serie passiert und sich durch eine ganze Karriere hindurchzieht, ist das doch schon etwas enttäuschend.
Auch das Abschneiden der deutschen Frauen war in der Gesamtheit sehr gut. im Team war Platz 3 das Äußerste, was möglich gewesen wäre, da man im Semifinale gegen China spielen musste, und dass es schliesslich nur Platz 4 wurde, lag vor allem an Minnie Yam Soo-Wai, die einen Traumtag erwischte. Das Viertelfinale für Ying Han war ein Riesenerfolg und das absolut maximale, was sie erreichen konnte, da sie im Viertelfinale gegen Shasha spielen musste. Shan Xiaona spielte stark im Team. Nur an Petrissa Solja scheiden sich wieder einmal die Geister. Ganz stark im Mixed, brillant gegen Chen Meng, aber enttäuschend gegen Mo Zhang, Doo Hoi-Kem und Jeon Ji-Hee, für eine Europameisterin zu wenig.
Zum Schluss noch ein kurzer Kommentar zu dem Statement von Rossi. Kann man zweifellos machen, aber in der Wortwahl war er doch mehr als unglücklich. Seine Aussage, dass er sich auf 2024 gemeinsam mit Timo in Paris freut, war, so glaube ich, nicht das richtige Zeichen, hier wäre etwas mehr Distanz vielleicht besser gewesen.
Geändert von Wolf11 (20.08.2021 um 03:02 Uhr)
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