Einzelnen Beitrag anzeigen
  #25  
Alt 20.08.2021, 08:03
Benutzerbild von Wolf11
Wolf11 Wolf11 ist offline
registrierter Besucher
Foren-Stammgast 3000
 
Registriert seit: 19.08.2021
Ort: Mannheim
Beiträge: 3.869
Wolf11 befindet sich auf einem absteigenden Ast (Renommeepunkte nur noch im Bereich +10)
AW: Einblick in die Tischtennis-Weltmacht China

Obwohl auch ich der Meinung bin, dass es bei uns möglich sein muss, erstklassige Athleten auszubilden, sicherlich auch anders, habe ich ganz generell gesprochen mit der Tatsache meine gewissen Probleme, dass wir Europäer meinen, uns und unsere Lebensweise immer wieder über andere Kulturen überhöhen zu müssen und anderen Kulturen wie jenen in Südostasien sagen zu müssen, wie man eigentlich richtig zu leben hat.

Das ist beileibe nicht nur eine Frage des Tischtennis und auch nicht nur eine Frage des Sports überhaupt, sondern dies ist sicherlich eine gesellschaftspolitische Frage.

So habe ich beispielsweise vor einiger Zeit mit jemandem lange über Mechanismen des K-Pop diskutiert, der diese böse anprangerte, während er gleichzeitig vergleichbare Mechanismen in unserer westlichen Welt komplett ausgeblendet hat.

Nein, wir in Europa sind nicht der Weisheit letzter Schluss und wir haben weiss Gott genug zu tun, um vor unserer eigenen Tür zu kehren, als anderen zu sagen, was richtig ist.

Wir bezeichnen uns oft als die "freiheitliche" Welt, gerade Politiker tun dies oft und merken oft die westliche Überheblichkeit in diesen Worten nicht.

Ja, das Training ist hart in China, in Südostasien, das Auswahlverfahren ist hart egal ob beim Tischtennis, beim Badminton, in der Musik oder sonstwo, aber es ist auch Bestandteil deren Kultur, dass man mit solchen Dingen völlig anders umgeht und andere Prioritäten hat, die wir zu respektieren haben. Auch in China wird niemand gezwungen und ehrlich gesagt ermüden mich solche Statements wie jenes von Jia Liu etwas, die in China bis zu ihrem 15. Lebensjahr ausgebildet wurde und China dann verlassen hat, weil sie es dort nicht schaffen konnte, um dann viele Jahre später über dieses System herzuziehen. Hätte sie es damals in die chinesische Nationalauswahl geschafft, dann hätte sie sicherlich gerne weiter davon profitiert...

Ja, wir in Europa können auch Athleten hervorragend ausbilden, gerade bei Olympia haben es Briten, Niederländer usw. wieder gezeigt und wir sollten unsere eigene Unfähigkeit (wie bspw. deutsche Athleten in vielen Sportarten) nicht damit entschuldigen, dass wir dies auf autoritäre Systeme Anderer schieben. Japan hat ein anderes politisches System und beherrscht bspw. den Judosport, Südkorea beherrscht das Bogenschießen usw.

Ich persönlich beispielsweise finde es unredlich, wenn man den Olympiasieg eines brillant springenden jungen chinesischen Mädchens im Turmspringen mit dem Drill eines autoritären Systems abtut und man dann gleichzeitig den Olympiasieg der britischen Turmspringer abfeiert als ein Triumph des europäischen Fördersystems..

Ebenso beim Tischtennis. Auch eine Chen Meng ging als ganz junges Mädchen durch die harte chinesische Trainingsschule, nachdem man erkannt hatte, welch ein Riesentalent sie war. Es gibt dazu auch Videos im Netz. Chen Meng ist nun eine junge Frau und hat schon mehrmals in Interviews ihren Eltern gedankt, dass sie ihr das damals ermöglichten und dass sie das werden konnte, was sie heute ist. In unserem all so gelobten Westen hätte sie diese Möglichkeit nicht gehabt.
Mit Zitat antworten