III. Neben hausgemachten Problemen des Verbandes (auch: Bezirke, Kreise) tragen ebenso die Vereine eine gehörige Mitschuld an der momentanen Schieflage rund um die Diskussion pro 4er-Mannschaften
Schieflage deswegen, weil die Diskussion um 4/6er-Mannschaften letztlich eine Debatte um intakte oder angebrochene Vereine bzw. deren TT-Sparten ist. Sie gibt demnach Aufschluss darüber, wie es um den TT-Sport im Allgemeinen und besonders im Kreis Frankfurt gegenwärtig bestellt ist.
Eine 4/6er Umfrage, wie hier im Thread beworben, ist weder repräsentativ noch besitzt sie eine besondere Aussagekraft, weil sie nicht die jeweilige Situation der Vereine berücksichtigt, die sich für 4er-Mannschaften aussprechen.
So machen sich ausgerechnet jene Vertreter für 4er-Teams stark, deren Vereine oder Vereinssparten ohnehin in den letzten Jahren/Jahrzehnten an Attraktivität, Reiz und Zugkraft (v.a. Abstiege, Mannschaften-/ Mitgliederschwund) eingebüßt haben.
Sicher ist es legitim und teils nachvollziehbar, wenn man mir ein Spielsystem anbietet, welches schlichter, ausgedünnter (personell) und sparsamer (wirtschaftlich) daherkommt als das bisherige.
Für Vereine mit folgenden strukturellen Gegebenheiten ist das 4er-System anziehend:
- höherklassige Mannschaften (Verbands- /Hessenliga) → es ist profitabler in 4 sehr gute als in 6 gute Spieler zu investieren.
- “aufgeblähte“ Mannschaften (Wundertüten) → es ist wohltuender sich als MF vor jedem Spieltag nur um 1 Spieler (4er) als um 2-3 Spieler (6er) zu kümmern, wenn der Kern an Stammspielern zum Beispiel nur 3 beträgt.
- Mannschaften mit hohem Leistungsgefälle → es ist eher möglich eine Spielklasse (z.B. Kreisliga) mit 3 ligatauglichen Spielern + 1 Überforderten (4er) zu halten, als mit 3 Überforderten (6er).
Insbesondere die Aspekte 2+3 (aufgeblähte Mannschaften, Leistungsgefälle) machen v.a. grundlegende Probleme innerhalb bestimmter Vereine deutlich.
Diese werden durch die Umstellung auf 4er-Teams nicht behoben. Vereinen geht es dadurch nicht besser. Sie werden künftig weder in der Breite personell üppiger besetzt sein, noch steigt deren Mitgliederzahl. Sowohl die Jugendarbeit als auch die Integration von Jugendlichen in Herrenmannschaften wird auf diese Weise nicht erleichtert. Ganz zu schweigen von der abebbenden Stimmung und dem Mannschaftsgeist.
Das ist wie die Gewährung eines Kredits: Es erleichtert für einige Zeit vieles, das eigentliche Problem wird aber nur aufgeschoben. Man erkauft sich Zeit, wenn man so will.
Vielmehr müsste es hierzu eine empirische/beweisende Untersuchung auf vereinsinterner Ebene geben, mit einer im Anschluss anzufügenden Umfrage seitens der TT-Kreise, die da lauten könnte:
Pro 4er-Mannschaften aus der Not heraus oder aus Spielsystem-Überzeugung?
Das setzt natürlich die Annahme voraus, dass sich jeder Verein selbstkritisch auf Herz und Nieren prüft.
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Wenn ich als Vereinsverantwortlicher merke, dass mir seit Jahren die Mitglieder wegbrechen, sporadisch bis keine Jugendarbeit betreibe, das Ehrenamt nicht hinreichend fördere, keine nachhaltig sich selbst tragenden Strukturen entwickle, dann muss ich doch in erster Linie die Ursache bei mir im Verein suchen. Die Lösung kann doch nicht sein auf ein Problem mittels eines abgespeckten Spielsystems zu reagieren, sondern zu schauen, wie man seinen Verein konzeptuell-nachhaltig ausrichten kann.
Ferner können Kreise, Bezirke, Verbände ergänzende Hilfestellungen für Vereine anbieten bzw. verstärkt über Presse/Medienportale dafür werben (was leider zu wenig passiert).
Im Osten des Landes leiden diverse Städte unter Bevölkerungsschwund [Shrinking Cities]. Wenn nun vermehrt kleinere Wohnungen gebaut würden, steigt deswegen nicht der Anteil der Bevölkerung. Man erhöht evtl. die Anzahl an Mietern - das eigentliche Problem des Einwohnerverlustes löst man dadurch nicht.
Mehr Mannschaften pro Verein, heißt mehr Gebühreneinnahmen für den Verband, keinesfalls Mitgliedergewinnung!
Übertragen auf die (von wem auch immer) entfachte Diskussion um 4er-Teams, zeigt die Verengung der Weitsicht jedoch auch, dass es einigen Vertretern überwiegend darum geht, ihre eigenen strukturellen Versäumnisse im Verein um Mitgliedergewinnung, Nachwuchsarbeit etc. und dem hiermit verbundenen Schwund an TT-Aktiven irgendwie Herr zu werden. Jeder für sich, koste es was es wolle. Notfalls müssen halt alle in 4er-Teams spielen.
Nachhaltig ist das sicher nicht. Und eine anstoßende Diskussion über mögliche Problemlösungsansätze, um jener misslichen Lage zu entkommen, wird weder von Verbands-/ Bezirks-/ Kreis- noch von Vereinsseite aus gesucht.
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Es gibt nun mal Vereine in Frankfurt die sind sexy und andere weniger. Das ist nicht gottgegeben, sondern Ergebnis jahrelanger Arbeit:
Wenn ich mir anschaue was Kalle seit knapp 25 Jahren als Schlüsselfigur für die TT-Abteilung der Eintracht leistet, dann ist das mit dem Attribut ´herausragend´ allenfalls bescheiden umschrieben:
→ Homepagegestaltung, Abteilungschronik, Jugendarbeit, soziales Engagement, Außendarstellung etc. → alles Top!!
Ebenso die TSG Oberrad, welches als Team beispiellos gut zusammenarbeitet, anziehend ist und in vielen TT-Bereichen mit hohem Sachverstand u. Fachwissen aufwarten kann.
Eine Top-Adresse für junge TT-Begeisterte und gleichzeitig ´Talentschmiede´ ist sicherlich die SG Sossenheim. Was der Verein an Basis- u. Jugendarbeit leistet – nicht nur im sportlichen Bereich, z.B. Mädchentischtennis – sondern auch auf dem Gebiet des soziokulturellen u. integrativen Aspekts (Bildungsangebote, Lernförderung, Schul-AG´s, Mini-Meisterschaften etc.). ist nachahmenswert.
Ohne eine Reihenfolge bilden zu wollen, sind dies für mich die TOP-3 Vereine im Kreis Frankfurt, weil sie es in den letzten Jahren/Jahrzehnten geschafft haben, nachhaltige und in sich gefestigte Strukturen zu entwickeln; jeder Verein für sich und mit jeweils eigener Ausrichtung.
Und nun wird eine Debatte aufgrund eines Threads eröffnet, bei dem Thüringen als Vorbild bei der Umstellung auf 4er-Mannschaften für den HTTV dienen soll. Geht´s noch? Wenn es überhaupt einen Vorzeigeverband innerhalb des DTTB gibt, dann sicherlich der HTTV (Roßkopf, Boll, Franziska etc.). Das impliziert allein schon die geographische Nähe von Frankfurt a.M. (Otto-Fleck-Schneise, DTTB) zu Pohlheim (HTTV).
Zurück zum Thema:
Insbesondere besagte Großvereine oder Vereine mit vorbildlicher Ausrichtung u. gutem Zusammenhalt würden bei der Umstellung von 6er auf 4er-Teams Einbußen erleiden. 1/3 mehr Mannschaften zu melden ohne Aussicht auf Erweiterung der (meist städt.) Hallenbelegungszeiten sowie der Hallenkapazität sind Gift für ansässige Vereine, da sie letztlich in ihrer Größe u. Anziehungskraft – die sie sich über Jahre hinweg erarbeitet haben – beschnitten werden.
Zudem unnötig für die Attraktivität des gesamten TT-Sports: Große oder gut organisierte Vereine weisen schließlich einen hohen Agglomerationseffekt auf (hört man, dass es dort gut ist, gehen auch die anderen hin). Für Hinzugezogene, TT-Unschlüssige, Anfänger oder wechselwillige Spieler können jene Effekte den entscheidenden, positiven Kick auslösen.
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Für den Erhalt von Vereinsdiversität sind 4er-Spielsysteme freilich eine Alternative in der untersten Spielklasse (3. KK), würden ansonsten kleinere Vereine von der Landkarte verschwinden.
Die Betonung liegt auf „alternativ“. Denn die unterste Spielklasse kann als Starterklasse gelten. Gleichzeitig dient sie als buntes Sammelsurium für Spieler*innen unterschiedlichster Ausrichtung. Leute in gediegenerem Alter sind hier ebenso anzutreffen wie Neu-/Wiedereinsteiger oder reine Vergnügungsspieler, für die Geselligkeit u. Spaß mehr Priorität haben als irgendeine Klassenzugehörigkeit.

Doch war es meines Erachtens ein Fehler des Kreisvorstands-Ffm. die 3.Kreisklasse mit einer zusätzlichen 4er-Gruppe zu erweitern, anstelle einer möglichen 6er-Gruppe, die man nach Jahren der Abstinenz wieder ins Leben hätte rufen können.
Frankfurt ist neben Groß-Gerau der einzige Kreis im Bezirk Süd, welcher ausschließlich 4er-Mannschaften in der 3. Kreisklasse bildet, während alle übrigen Kreise (Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Odenwald, Offenbach) auch 6er-Gruppen als Alternative anbieten. Der Kreis Bergstraße spielt gar durchgehend in 6er-Teams (KL bis 3.KK).
Als einwohnerstärkste Region Hessens ist es unverständlich, warum der Kreis Frankfurt in dieser Hinsicht einzig 4er-Gruppen (3.KK) befürwortet, zumal es Fürsprecher von 6er-Mannschaften durchaus gäbe. Ein gutes Beispiel, wie man die Sachlage in der 3.KK besser hätte organisieren können,
zeigt der Kreis Offenbach:
Verglichen zur Vorsaison 20/21 (85 Mannschaften) verzeichnete der Kreis OF für die anstehende Runde 21/22 einen Rückgang an gemeldeten Mannschaften. Reagiert wurde mit kleineren Spielklassen (KL bis 2.KK) sowie der Beibehaltung von zumindest einer 6er-Grupppe in der 3.KK (neben den ohnehin bereits existierenden zwei 4er-Gruppen). Und siehe da:
- der DJK B.-W. Bieber meldet für die neue Runde nun 2 Teams für die 6er-Gruppe (3.KK) statt bisher 1 Team.
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der TTV Offenbach meldet für die neue Runde nun 1 Team für die 6er-Gruppe (3.KK) statt bisher 3 Teams in der 4er-Gruppe.
[Grund war der Zusammenschluss der 5.+6. Mannschaft zum neuen 5er-Team, da die Erkenntnis reifte, dass die Belastung (Braunschweiger System = 3 Einzel-Spiele) für die meisten Spieler (Alter: 65-84J.) oftmals zu hoch war. Ferner wurde die fehlende Stimmung bei 4er-Teams beklagt]
Eben genannte Beispiele zeigen, dass es einen grundlegenden Bedarf an 6er-Gruppen für die 3. Kreisklasse gibt! Warum nicht auch wieder in Frankfurt?

Eine weitere Mangelhaftigkeit an die sich der Kreis Ffm. seit Jahren gewöhnt hat, ist die nicht vorhandene Auf-/Abstiegsregelung zwischen 2.-3. Kreisklasse. Ein zusätzliches, negatives Alleinstellungsmerkmal im Bezirk Süd (neben Kreis Groß-Gerau).
Während in den meisten Kreisen auch 4er-Mannschaften der 3. Kreisklasse aufstiegsberechtigt/aufstiegsverpflichtet sind (bzw. bei Aufstieg auf 6 Spieler aufstocken müssen), entfällt im Kreis Frankfurt die Auf-/ u. Abstiegsreglung komplett. Dadurch schwächt man nicht nur die 2.KK, sondern es kommt teils zu der skurrilen Situation, dass blutige Anfänger in der 2. Kreisklasse starten, während es in der 3. Kreisklasse Spieler mit über QTTR-1300 gibt.
Fazit:
Durch den jahrelangen Wegfall der Auf-/Abstiegsregelung sowie der ´alternativlosen´ Erweiterung von 4er-Gruppen in der 3. Kreisklasse, ist ein eigener Mikrokosmos und Nährboden für 4er-Teams im Kreis Frankfurt entstanden.
Somit untergräbt man alle darüberstehenden Ligen (6er-Teams) von unten heraus!