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Alt 27.08.2021, 05:42
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Mr. DEF Mr. DEF ist offline
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Idee AW: Meinungsaustausch innerhalb des TT-Kreises Frankfurt zum Thema "6er- oder 4er-Mannschaften"

IV. Pro 4er-Teams aus Spielsystem-Überzeugung


Angenommen, es gäbe kein strukturelles Problem innerhalb der Bezirke, Kreise und Vereine; die Kommunikationspolitik von der Spitze (Verband) bis zur Wurzel (Mitglieder, Vereine) wäre vollends transparent; Selbstkritik erübrigt sich, weil es einfach nichts zu kritisieren gibt. Kurzum: Alles wäre perfekt u. kunterbunt wie im Teletubbie-Land und die Thematik pro 4er-Mannschaften sei *dem Wandel der Zeit* geschuldet.

Wenn es tatsächlich so wäre, müsste man in der Folge zunächst die oftmals plakativ in diversen Foren-Threads geworfenen Schlagwörter [*neue/andere Zeit*, *weniger Zeit*, *früher aufstehen wg. Arbeit*, *Digitalisierung (?)*, *früher in Kneipe*, *dauert bis nach 0 Uhr*, *JES-Spieler müssen im 3.Prk. zu lange warten und hören deswegen auf*, *3.Prk. muss ewig auf erstes Einzel warten*, *Co²-Fußabdruck höher als bei 4er*, *mehr Nettospielzeit*, *alles dauert zu lange*] einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Beginnend mit den schiefsten u. buckligsten Argumentationen:

* *Digitalisierung (?)*
Was hat denn Digitalisierung mit der Umstellung auf 4er-Mannschaften zu tun? Bitte Aussagen präzisieren!


* *früher in Kneipe*
Sorry, aber ich plädiere doch nicht für 4er-Teams um früher in der Kneipe zu sein. Was für eine verquere Vorstellung. Wenn ich die Halle betrete, dann um Tischtennis zu spielen und nicht um möglichst früh in der Kneipe zu sein. Priorität hat für mich immer TT und nichts anderes.

Und sollte es zur kostbaren Sternenstellung kommen, dass aufgrund eines epischen Duells zweier gleichstarker Mannschaften bis um Mitternacht gespielt wird, dann trinke ich eben im Anschluss in der Halle frohgemut o. enttäuscht ein Feier-/Frustbier mit meinen Spielern oder gar mit den Aktiven beider Seiten. Hat man einen *Stammitaliener* um die Ecke und kündigt vorab an, dass noch 5-10 Spieler vorbeikommen und was essen möchten, dann macht auch dieser nicht selten eine Ausnahme bis 0:30 Uhr. Zumindest bei unserem Forno D´Oro auf der Homburger Landstraße in Ffm.

Und sollten wirklich alle Stricke reißen, dann holt man sich ein *Fuß-Pils* und geht nach Hause. Heute wollen die Leute immer alles gleich zur Disposition haben * vlt. ist das ein Wandel der Zeit und hat was mit Digitalisierung zu tun??


* *JES-Spieler müssen im 3.PRK zu lange warten und hören deswegen auf*
Noch so eine empirisch nicht belegbare Annahme. Gibt es verifizierbare Untersuchungen?

Ein Verein, der Erfahrung im Jugendbereich hat, stellt SBEM/JES-Spieler*innen niemals ins 3. Paarkreuz im Erwachsenenbereich, sondern ins 1./2. PRK, damit sie häufiger spielen können. Zudem gelten für Nachwuchsspieler (SBEM) ohnehin erhöhte Q-TTR-Toleranzen von 70 (mannschaftsintern) und 85 (mannschaftsübergreifend). Noch einmal erhöhte Toleranzwerte (105/120) gibt es für D-Kaderspieler.

Ergo: Die Reihenfolge "mannschaftsintern" frei bestimmen zu können, wird durch die erhöhten Toleranzwerte für SBEM/JES-Spieler*innen sogar erleichtert.

Dass JES-Spieler*innen immer mal wieder aufhören, hat damit nichts zu tun. Vielmehr können über Aspekte des Zusammengehörigkeitsgefühls, der Wertschätzung u. Ehrerweisung, des guten Vereinsgeistes und der gelingenden Organisation in u. außerhalb des Vereins, junge Spieler*innen vom Verbleib bzw. Weitermachen überzeugt werden. Damit wären wir wieder beim strukturellen Aspekt (Attraktivität, Reiz, Zugkraft etc.) von Vereinen angelangt.

Manchmal nützen auch die besten Voraussetzungen nicht, um jemanden zum Weitermachen zu überzeugen. Und wenn ein junger Mensch * mitunter noch in der Findungsphase * etwas labil oder unschlüssig in Bezug auf sein Tun daherkommt und nicht abschließend weiß, ob TT der richtige Sport für ihn ist, dann ist das ja ein Stück weit normal und nicht verwerflich.

Aber deswegen werde ich doch nicht das gesamte Spielsystem in Frage stellen!


* *1 PKW-Argument* // *Co²-Fußabdruck höher als bei 4er*
Das 1 PKW-Argument ist tatsächlich das ´löchrigste´ von allen, weil es annimmt, dass jeder Spieler auf ein Auto angewiesen sei. Für eine Großstadt wie Frankfurt a. M. mit flächendeckendem ÖPNV-Verkehrsnetz, ausgeprägten Fahrradwegen und E-Mobilität sowie unzähligen Anschlussmöglichkeiten sehr, sehr unwahrscheinlich. Zudem sind angrenzende, benachbarte Stadtteile meist fußläufig erreichbar.

Charakteristisch für Großstädte ist gemeinhin eine erhöhte Kopplungsaktivität ihrer Einwohner. Das heißt: Viele Spieler nehmen ihr TT-Rüstzeug morgens mit zur Arbeit, um nicht nochmals nach Hause zu müssen.

Eine Sammelstelle, wonach man sich in Frankfurt trifft, um gemeinsam zur anstehenden Auswärtsbegegnung zu fahren (1-PKW) ist aufgrund o.g. räumlich-struktureller Besonderheiten kaum realistisch.

Gastspiel in Ginnheim (als Bsp.):
1 Person wohnt in Nied
1Person wohnt in Bornheim
1Person wohnt in Kalbach
1Person wohnt außerhalb in Bad Vilbel


Wo soll hier der geographisch-geeignetste Treffpunkt für ein *Sammeltaxi* liegen?

Selbst wenn nur 1 Fahrer mit seinem Auto die gesamte Strecke zu seinen Mitspielern abführe, um sie aufzupicken und nach Spielende wieder vor Ort abzusetzen, würde er letztlich genauso viel Strecke *machen*, wie jeder Einzelne für sich genommen (vorausgesetzt alle wären auf das Auto angewiesen). Der CO2-Ausstoß pro-Kopf bliebe demnach gleich.

Das 1 PKW-Argument um im Kreis Frankfurt für (umweltfreundliche) 4er-Mannschaften zu werben ist absurd. Abgesehen davon, wäre es innerhalb Frankfurts am umweltfreundlichsten gänzlich auf ein PKW zu verzichten.

Mich würde gerne brennend interessieren, ob diejenigen, die sich hier im Forum vehement für das 1 PKW-Argument (pro 4er) in Frankfurt einsetzen, künftig gemeinsam mit nur einem PKW zu den anstehenden Auswärtspartien fahren? NEVER!!!


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Es mag ländliche Regionen oder Kreise geben, wo das 1 PKW-Argument für 4er-Teams spräche. Aber nur unter einer ganz besonderen Konstellation (die wiederum selbst zu hinterfragen wäre).

Beispiel:
Eine 4er-Mannschaft eines Haufendorfes (Kleinstsiedlungsform, ungefährer Radius ca. 500m) trifft sich entlang der Hauptstraße und fährt mit 1 PKW zum Gastspiel ins nächste Haufendorf (dies setzt voraus, dass jeder einzelne Spieler nach der Arbeit erst nach Hause fährt, um sich an der Sammelstelle zu treffen).

Doch selbst in dieser ´selten-günstigen´ Konstellation wäre zu hinterfragen, ob das 1 PKW-Argument bei 4er-Teams tatsächlich umweltfreundlicher ist, als bei 6er-Teams? Ich würde sagen: NEIN.

Denn letztlich ist es doch umweltschonender mit 1 PKW (z.B. Touareg) zusammen 6 Personen mitzunehmen als nur 4; schließlich nimmt der individuelle CO2-Verbrauch pro Kopf durch die vermehrte Anzahl an Insassen zwangsläufig ab. Das ist wie bei einem vollbesetzten Bus:
Je voller ein Linienbus, umso umweltfreundlicher fährt er, da der individuelle CO2-Fußabdruck pro Person bei steigender Anzahl der Fahrgäste kontinuierlich abnimmt. Je mehr Leute ich mit nur einem Fahrzeug mitnehmen kann, desto besser für die Umwelt. So gesehen sind 6er-Mannschaften umweltfreundlicher als 4er!


Insgesamt können bis zu 24 PKW-Konstellationen (evtl. mehr) ausfindig gemacht werden. Darunter auch die für einige Foren-User nicht für möglich zu haltende Situation, wonach eine Reduzierung der Mannschaftsstärke von 6er auf 4er zu mehr PKWs führen kann:

1. Ein sehr unrealistisches, dennoch mögliches Szenario:
Eine TT-Spielgemeinschaft (4er-Team) nimmt an der jährlichen span. Weihnachtslotterie ´El Gordo´ teil und knackt den 900Mio-Jackpot. Daraufhin kauft sich jeder von ihnen ein Lamborghini Egoista (nur 1 Sitzplatz; den gibt es wirklich!) und belegen noch eilig ein Schnellfahrtrainingskurs auf der Tim-Wiese-Fahrschule (Boah ey, guck´ ma, guck´ ma, guck´ ma *Bolide!) am Thorsten-Legat-Institut für angewandte Kraftfahrzeugtechnik, um anschließend ihre ´Asphaltschnitten´ mit 440Km/h sicher durch die Odenwälder Serpentinen hinein ins nächste Haufendorf zum anstehenden Auswärtsspiel zu jagen.

Der 3-fache Familienvater kommt hingegen im Touareg mitsamt seiner kompletten Mannschaft zum parallel stattfindenden Gastspiel, wo noch in 6er-Teams gespielt wird.


Frage: Welcher individuelle CO2-Fußabdruck ist niedriger? Der von 4er oder 6er-Teams?


2. Ein sehr realistisches Szenario:
Zwei Spieler (4er-Mannschaft) besitzen jeweils einen Cabrio (2-Sitzer), die beiden anderen Spieler gar kein Auto. Mit wie vielen PKWs müssten sie mindestens zum Gastspiel antreten? Antwort: 2

Der gleiche 3-fache Familienvater wurde durch den Wegfall des 3. Paarkreuzes in eine andere Mannschaft versetzt und steht als Gemeinschaftsfahrer nicht mehr zur Verfügung. Er tritt nun in einer anderen Mannschaft seines Vereins an, wo weiterhin in 6er-Teams gespielt wird. Erneut kommt er im Touareg mitsamt seiner kompletten Mannschaft zum parallel stattfindenden Gastspiel.

Frage: Welche Anfahrt ist umweltfreundlicher? Die von 4er-Teams (2x PKW, Cabrio) oder 6er-Teams (1x PKW, Touareg)?


Ergebnis:
Man kann das PKW-Argument biegen wie man will, es stellt sich weder in die eine noch in die andere Richtung als pauschal umweltfreundlicher dar.



* *3.Prk. muss ewig auf erstes Einzel warten* // *alles dauert zu lange* // *mehr Nettospielzeit*
Bist du ein Team-Player oder nicht? Wenn ich für meine Mannschaft brenne und den Teamgeist sowie das Mannschaftsergebnis in den Vordergrund stelle, ist es irrelevant in welchem Paarkreuz ich spiele. Denn ich weiß schließlich, dass mein Beitrag zum Gesamtergebnis von meinen Mitspielern genauso hoch wertgeschätzt wird, wie in jedem anderen Paarkreuz auch.

Und wenn es mich nervt, das alles zu lange dauert bis ich im 3. PRK dran bin oder ich vlt. nur einmal drankomme (weil es ja schließlich nur um mich geht) dann habe ich noch immer die Möglichkeit entweder mehr zu trainieren um nach vorne zu kommen oder mich in eine untere Mannschaft versetzen zu lassen. Zusätzlich kann ich mich für VR-Cups/Turniere anmelden, falls ich nicht genug haben sollte. Ich, ich, ich*


* *neue/andere Zeit* // *weniger Zeit* // *früher aufstehen wg. Arbeit*
Neu ist das Zeitargument nicht!

Das scheint wohl wirklich dem Wandel der Zeit geschuldet zu sein. Nicht weil die Menschen weniger Zeit haben, sondern weil die Bereitschaft sich für ein Hobby Zeit zu nehmen, schwindet.

Betrachtet man die historische Entwicklung der Wochenarbeitszeit in Deutschland, so ist diese seit Beginn der 50er Jahre (48 Std./wo) rückläufig (38,5 Std./wo). In einigen Branchen, wie der Metall- und Elektroindustrie, beträgt die wöchentl. Arbeitszeit nur noch 35 Std.. Durch flexiblere Arbeitszeiten (Gleitzeit, Home-Office etc.) können unverhoffte Ereignisse - z.B. TT-Spiel bis Mitternacht - häufig besser aufgefangen werden. Heißt: Die Menschen müssen weder früher aufstehen noch arbeiten sie länger als noch vor 20/30/40 Jahren.

Woher rührt dann das Gefühl, möglichst schnell nach Hause zu müssen, während es für Generationen vor uns * die meist härter und länger gearbeitet haben * kein Problem war, nach einem epischen TT-Duell, welches sich bis in die Nacht zog, im Anschluss noch ein Bier mit den Kameraden zu zischen?

Das immer wiederkehrende *Zeitargument* in diversen TT-News Foren ist vielmehr Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung und einer damit einhergehenden Veränderung des Freizeitverständnisses. Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus den Bereichen der Kognitionswissenschaft, Soziologie oder Arbeitswissenschaft belegen, dass vielen Menschen schlichtweg die Ruhe fehlt, um ihre freie Zeit genießen zu können.

Hinzu kommt, dass die vermeintlich *arbeitsfreie Zeit* durch z.B. familiären Stress oder der *Über-Ausgestaltung* des begrenzten, individuellen Freizeitraums oftmals verplant wird. Freizeitangebote u. Konsumansprüche jedes Einzelnen sind in den letzten Dekaden immer weiter angestiegen und bringen zwangsläufig mehr Zeitprobleme mit sich. Man will die freie Zeit voll nutzen und überfrachtet sich mit Freizeitangeboten - was wiederum zu Stress führt - anstatt sich auf ein Hobby (z.B. TT) zu konzentrieren.

Nie zuvor war das Freizeitangebot derart breit gefächert; das eigene Glücksempfinden schein dagegen abzunehmen!


Ein weiteres Problem ist, dass viele Menschen sich nach Betriebsschluss gedanklich nicht von ihrer Arbeit lösen können (Arbeitsdruck, permanente Disposition, Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse, Existenzängste) und sich somit nicht wirklich auf die Erholung konzentrieren. Der Erholungseffekt ist abhängig von der Freizeitzufriedenheit. Ist diese nicht da, spricht man von ´Arbeitgeber-Freizeit´.

Ein Hobby impliziert jedoch, das sich Aneignen von freier Zeit, Müßiggang und im besten Falle: das Ich-lose Fließen im Moment. Oder wie in der Fußnote eines Foren-Users zu lesen ist: *Zeit hat man nicht * Zeit nimmt man sich*

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Bedenkt man zusätzlich, dass bereits vor 20 Jahren (April 2001) durch die ITTF-Regeländerung eine Verkürzung der Sätze auf 11 Punkte erfolgte und sich seitdem die Spieldauer pro Match ohnehin reduziert hat (ca. 6-8min.; Quelle: ITTF), ist das Weniger-Zeit-Argument im Grunde Kokolores.

zum Vergleich:
- alte Zählweise bis 2001: Mindestpunkte zum Spielgewinn * 42 Punkte (2 Sätze x 21 Punkte)
- neue Zählweise seit 2001: Mindestpunkte zum Spielgewinn * 33 Punkte (3 Sätze x 11 Punkte)

- alte Zählweise bis 2001: max. Satzanzahl zum Spielgewinn * 63 Punkte (3 Sätze x 21 Punkte)
- neue Zählweise seit 2001: max. Satzanzahl zum Spielgewinn * 55 Punkte (5 Sätze x 11Punkte)



Schlussfolgerung:

Es ist also kein neues Phänomen, alles wie früher.

Doch nach über 60 Jahren eines erfolgreich bewährten 6er-Spielsystems, wollen Einige nun nicht mehr, obwohl es zuvor kaum vernehmbare Laute der Unzufriedenheit bei 6er-Mannschaften gab. Plötzlich haben die Leutchen keine Zeit mehr, kriechen aus allen Löchern empor und versuchen ihr eigenes Ego oder das ihres Vereins mit plakativen Schlagwörtern und mediokren Erklärungsversuchen irgendwie zu retten.

Wer richtig geil auf TT ist, der zockt bis in die Nacht und nörgelt nicht, wenn er bei 1-2 Spielen pro Saison, die nach 0:00 Uhr enden, nur 5 ½ statt 8 Std. pennen kann. Und notfalls lässt man sich an Doppel 2 oder 3 stellen, um ein mögliches Abschlussdoppel zu umgehen. Oder man zieht seine Einzel vor, wenn es bspw. um 22:15 Uhr noch immer 4:3 steht und sich ein langer Abend anbahnt.


In diesem Sinne, habt Euch lieb und gebt Eurem Hobby die dazu gebührende Zeit ;-)

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Sonnige Grüße aus Spanien
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