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AW: Ding Ning (CHN)
Ja, Isch, Vergleiche mit dem Fussball sind natürlich nicht 1:1 umsetzbar, da gebe ich Dir Recht. Ich habe ihn nur deswegen gezogen, weil der Fussball bei uns eine ähnliche gesellschaftliche Bedeutung hat wie in China der Tischtennissport und weil man daher daran auch einige unterschiedliche gesellschaftspolitische Entwicklungen in Verbindung mit Sport ganz gut beobachten und festmachen kann.
Zu Deinen Vorbehalten bezüglich der Verhältnisse im Leistungssport dort........Ja, die Ausbildung ist hart und verlangt von den Jugendlichen durchaus etwas ab. Da wird dann und wann auch mal an gewisse Leistungsgrenzen gegangen. Die Spotinternate dort bieten auch eine vollumgängliche Schulausbildung in verschiedenen Leistungsstufen. Diese schulische Ausbildung ist nach meinen Informationen dort sehr gut.
Was ich aber nach dem, was mir bekannt ist, sagen kann ist die Tatsache, dass man dort sehr offen und ehrlich mit den jungen Menschen umgeht und ihnen keine leere Versprechungen macht. Das liegt nicht zuletzt unter anderem daran, dass dieses sportliche Fördersystem dort relativ schnell außergewöhnliche Talente erkennt, die wirklich eine realistische Chance haben, einen gewissen Leistungsstandard zu erreichen. Die anderen, bei denen das nicht der Fall ist, kommen erst gar nicht in diese Internate und können ihrem Sport dann auf regionaler Ebene in Schülermannschaftenn etc. nachgehen, die etwa vergleichbar mit unserer Vereinskultur ist...
Viele bei uns machen hier einen sachlichen Fehler bei der Bewertung dieses Sportsystems. Nämlich jenen, dieses System immer auf die autoritäre politische Führung zurückzuführen. Das aber ist nicht der Fall......Wenn Du nach Japan oder Südkorea fährst, wirst Du ganz ähnliche Strukturen finden können. Und das sind beides demokratische Staaten .......Das hat alles vielmehr mit der Lebenskultur in Südostasien zu tun, wo die Menschen anders zusammenleben, anders erzogen werden, andere Werte haben. Das Wort "Leistung" wird hier vollkommen anders definiert und gelebt als bei uns, wo wir schon lange keine "Leistungsgesellschaft" mehr haben, sondern eine reine "Erfolgsgesellschaft"....Und das gilt für das gesamte leben und nicht nur für den Sport.
Was ich überhaupt nicht festgestellt habe, ist die Tatsache, dass die Eltern dort per se ihre Kinder mehr "ohne Ende pushen", als dies bei uns der Fall ist. Ganz ehrlich gesagt habe ich diesen falsch verstandenen Eltern-Ehrgeiz, wo oft eigene gescheiterte Träume kompensiert werden und den Kindern dadurch aufgebürdet werden, wesentlich mehr in unseren Breitengraden erlebt........Wenn ich mich nur daran erinnere, was ich bei uns alles von Eltern auf Sportplätzen bei Jugendspielen gehört habe, als ich damals unseren Sohn auf seinen Sportaktivitäten begleitet habe, wird mir heute noch schlecht.
Ja, der Begriff "verlorene Kindheit" wird in solchen Diskussionen oft bemüht. Aber was ist "verlorene Kindheit" ? Ist das nicht individuell für jeden verschieden ?......Ich bin mir natürlich bewusst, was damit gemeint ist, ich bin selbst Familienvater und mir war es immer absolut oberstes Gebot, dass die Kids eine unbeschwerte und glückliche Kindheit verleben konnten.........Aber ich hab damals auch Kinder erlebt, die geweint haben, als man ihnen den Tischtennisschläger wegnahm und ihnen gesagt hat, dass sie doch mal was anderes machen sollen,......Und da war kein Trainer in der Nähe....
Ob ich das meinen Kindern abgeraten hätte ?.........Gute Frage.....ich hätte sie jedenfalls nicht überredet, es zu machen, aber ich hätte ihnen sicherlich auch nicht im Wege gestanden, wenn sie es denn hätten machen wollen....
Jetzt sind wir ja ganz schön vom Thema abgekommen.....ist aber auch nicht schlimm....man kann eben die einzelnen Themen nicht immer ganz voneinander trennen...
Geändert von Wolf11 (08.09.2021 um 20:33 Uhr)
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