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AW: TTBL | 1. Bundesliga Herren 2021/2022
Ich glaube nicht, dass das mit anderen Bällen, kürzeren Sätzen oder mit veränderten Bedingungen wie Internet-Übertragungen zu tun hat.
Ich denke, das hat eher noch mit einigen anderen Komponenten zu tun.
So unter anderem mit der äußeren Darstellung des Tischtennissport in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland bzw. überhaupt in Europa, wo einfach andere Sportarten in den letzten 20 Jahren an Tischtennis vorbeigezogen sind, nicht zuletzt auch, weil man einige Zeichen der Zeit auch in der Vermarktung des Tischtennis nicht rechtzeitig oder noch überhaupt nicht erkannt hat.
Ich kann mich auch noch erinnern an die "alten Zeiten", wo Tischtennis am Ort nach Fussball und vielleicht noch Handball auf Platz 3 der beliebtesten Sportarten war bzw. wo man im Ort unter der Woche über das nächste Ligaspiel sprach...
Von so etwas ist man heute meilenweit entfernt. Die Tischtennis-Bundesligen sind von ihrem sportlichen Gehalt eigentlich gute Produkte, die aber in der breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht stattfinden. In den öffentlichen Medien sind sie für die Allgemeinheit praktisch nicht existent. Und wo etwas praktisch nicht stattfindet, kann auch keine emotionale Bindung entstehen, die aber unabdingbar wäre für eine bessere Entwicklung.
Hier wurden viele Entwicklungen in der Vergangenheit verpasst und diese sind nun nur noch schwerlich zu korrigieren.
An der Attraktivität der Spieler kann es eigentlich nicht liegen, wenn man sieht, dass nahezu die Hälfte der europäischen Spitze in der Bundesliga spielt. Das Problem ist eben vielmehr, dass die breite Öffentlichkeit eben einen Mattias Falck oder Peter Franziska so gut wie nicht kennt, weil in der öffentlichen Darstellung der Sportart einfach krasse Defizite gegenüber anderen Sportarten bestehen...
Das alles sind Probleme, die das "Große und Ganze" betreffen, also die Sportart Tischtennis an sich, die für die breite Öffentlichkeit eben kaum existent ist...
Alles weitere sind dann nur Folgeprobleme. So etwa das Dreiersystem, dass für die Tischtennis-Interessierten deutlich unattraktiver ist wie früher gespielte Systeme. Die breite Öffentlichkeit weiss davon allerdings nichts.
Als keinen wirklichen Grund für diese Rückwärtsentwicklung sehe ich dagegen die hier schon angesprochenen "kurzen Ballwechsel" und das daraus angesprochene "unattraktive Spiel". Man sieht ja zum Beispiel in Asien, dass dort der Tischtennissport weiterhin boomt. Auch früher gab es sogenannte unattraktive Spiele und das Spielsystem mit 21 Punkten hat da oft viel eher für einige Längen gesorgt, die es heutzutage mit dem 11-Punkte-System praktisch nicht mehr gibt.
Das Problem dabei ist nur, dass die Spiele dadurch deutlich kürzer geworden sind und dass Spiele mit dem Dreiersystem zwar hervorragend geeignet sind für einen Turniermodus, aber eben nicht wirklich für ein einzelnes Bundesligaspiel, wo dann relativ schnell alles vorbei sein kann.....
Dass in Deutschland ein mittelmäßiger Drittliga-Kicker bekannter ist als ein Mattias Falck ist zwar auch einer miserablen Berichterstattung in den Medien geschuldet, aber eben nicht nur. Von nichts kommt eben nichts. Wenn man auf die Medien wartet, dann wird man ewig warten. Selbstinitiative und Innovation auch aus dem Tischtennis heraus wäre da eben auch vonnöten gewesen.
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