Erstmal finde ich die Leistung von Elisabeth Pähtz prima und sehr respektabel. Der zweite Platz im Turnier "Grand Swiss" (Frauen) und die letzte fehlende WM-Norm sind für sie
ein toller Erfolg.
Jetzt schreibe ich mal etwas für die Kontroverse:
Es ist ziemlich traurig (und zeugt von wenig Respekt gegenüber den Frauen), dass es im Schach auf 'Top-Level' das "Frauen-Schach" überhaupt
so gibt. Eine Frauen-Wertung ist vielleicht eine gute Idee bei Turnieren auf Kreis- oder Bezirksebene, um Frauen zu motivieren und ihnen schnelleren "Erfolg" zu ermöglichen. Auch dass Mädchen vielleicht anfänglich in Konkurrenzen unter sich spielen können, mag Berührungsängste mit der Sportart für sie reduzieren.
Vergleichen wir jetzt aber mal den zweiten Platz im "Frauenturnier" von Elisabeth Pähtz mit dem fünften Platz im "Offenen Turnier" (nicht etwa: Männerturnier(!), d.h. da können also auch Außerirdische mitspielen - und mit Fabi Caruana war wohl mindestens einer dabei ^^) von Vincent Keymer, dann kann der Leistungsunterschied zugunsten des Fünftplatzierten gar nicht krass genug herausgestellt werden. Schaut euch mal die Elozahlen in der Endstands-Tabelle des Offenen Turniers und die Platzierungen an!
http://chess-results.com/tnr587230.a...&art=4&flag=30
Ein paar Beispiele daraus:
2. Platz Fabiano Caruana (Elo
2800!!!)
66. Peter Svidler (2694)
68. Boris Gelfand (2680)
108. (letzter Platz) Fy Antenaina Rakotomaharo (2484) als einziger Nicht-GM und einziger Teilnehmer mit einer Elo < 2500.
Es haben zwölf Spieler am Turnier teilgenommen, die eine Elo > 2700 hatten. Einer hatte genau 2700, ein weiterer Teilnehmer 2699.
Jetzt erspiel dir bei diesem Turnier mal 5 Punkte aus 9 Partien! 
(Das wäre ein Teilkriterium zu einer GM-Norm).
Beispiele aus dem Damen-Turnier:
1. GM Tingjie Lei (Elo 2505)
2. GM Elisabeth Pähtz (2475)
3. GM Jiner Zhu (2455)
4. GM Mariya Muzychuk (2536 Elo-Stärkste im Turnier)
8. GM Alexandra Kosteniuk (2518)
18. GM Nana Dzagnidze (2524)
30. GM Monika Socko (2397)
50. (Letztplatzierte) WIM Jesse February (1857 [sic!])
Ich würde jetzt einfach mal nicht ausschließen, dass Rakotomaharo sich im Frauenturnier locker auch eine GM-Norm hätte erspielen können, während er tatsächlich mit zwei Punkten (vier Remis-Partien) im Offenen Turnier als Letztplatzierter komplett chancenlos war.
Dass Frauen sich auf Frauen-Turnieren eine
WGM-Norm erspielen können, finde ich noch i.O., sofern man eine Differenzierung Frauen/Männer bzw. Frauen/alle im Schach überhaupt bestehen lassen will.
Dass Frauen sich auf nur mit Frauen besetzten Turnieren eine IM-Norm oder gar GM-Norm holen können, finde ich dagegen - nicht nur im Sinne der Gleichberechtigung - so nicht richtig.